Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 1 ° stark bewölkt

Navigation:
Akademie der Wissenschaften: Datenbank verschafft Jahrhundertwende-Überblick

Literaturwissenschaft Akademie der Wissenschaften: Datenbank verschafft Jahrhundertwende-Überblick

In der Literaturwissenschaft genießt die Jahrhundertwende 1900 besonderes Interesse. Auch die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat die „Europäische Jahrhundertwende: Literatur, Künste, Wissenschaften um 1900 in grenzüberschreitender Wahrnehmung“ untersucht und dazu nun eine Datenbank freigegeben.

Voriger Artikel
Uni Göttingen: Informationstage mit 150 Veranstaltungen und 60 Infoständen
Nächster Artikel
Untersuchung im Harzer Brocken-Urwald: Totholz bringt Vielfalt
Quelle: Beuermann (Symbolbild)

Göttingen. Das dem der Datenbank vorausgehende Projekt von 2002 bis 2009 hatte einen doppelten Ausgangspunkt: Zum einen folgte es der Einsicht, dass der Jahrhundertwende 1900 seit etwa 30 Jahren das besondere Interesse der Literaturwissenschaft wie auch der Geschichtswissenschaft und Wissenschaftsgeschichte gilt, weil sich in der Zeit von etwa 1880 bis 1914 eine gleichermaßen internationale wie interdisziplinäre Moderne herausbildet.

Diese Moderne wird immer dezidierter als Grundlage des 20. Jahrhunderts angesehen. Erstaunlicher Weise wurden dabei allerdings die Kontakte beziehungsweise kulturelle Transfers zwischen den europäischen Nationen bisher nur vereinzelt in den Blick genommen.

Zum anderen geriet gerade das Medium „Kulturzeitschrift“ trotz seiner kunst- und kulturpolitischen Bedeutung bislang kaum in den Fokus, obwohl Kulturzeitschriften eine der einflussreichsten Instanzen im Prozess der kulturellen Entwicklung darstellen, deren Bedeutung als Orientierungshilfe angesichts der „neuen Unübersichtlichkeit“ um die „Jahrhundertwende“ noch einmal enorm zunahm.

Die Sicht auf ausgewählte Publikationsorgane erhellt sowohl, welche ideengeschichtlichen Konstellationen und kulturpolitischen Tendenzen die öffentliche Meinung national und transnational um die Jahrhundertwende beherrschten , als auch, wie sie ihre Rolle als Plattform (bildungs-)bürgerlicher Kommunikation gestalteten, teilt die Akademie der Wissenschaften mit.

Mit diesem doppelt motivierten Forschungsinteresse hat das Projekt fünf Kulturzeitschriften untersucht.

Was und wie kommuniziert wurde

Im Einzelnen sind dies: die Freie Bühne/ Neue deutsche Rundschau, die Deutsche Rundschau, Westermanns Monatshefte, und zwei ‚Rundschauzeitschriften‘, die vorbildhaft für alle Organe dieses Typs um die Jahrhundertwende waren; weiterhin der Mercure de France, von Anfang an als Publikationsorgan und als Diskussionsforum für Autoren der jungen Generation sowie als literarische Informationszeitschrift gedacht, und schließlich die Nuova Antologia, die 1866 begründete und wohl wichtigste italienische Kulturzeitschrift des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts.

Verschlagwortet und inhaltsanalytisch erfasst wurden vorwiegend Artikel der Jahre 1899 bis 1901 (insgesamt rund 30    000 Seiten), in denen nationale und/oder disziplinäre Grenzen überschritten werden. Unter dem Stichwort „Psychologie“ beispielsweise erhält der Leser einen Überblick über alle Artikel, in denen das Thema in den drei Ländern wahrgenommen und diskutiert wurde, über die Personen, die auf jenem Feld agierten, über Forschungsergebnisse und über Nachbardisziplinen.

Die Datenbank bietet nach Akademie-Angaben Wissenschaftlern und Interessierten aller Disziplinen einen ersten Überblick über das, was und wie um das bedeutsame Jahr 1900 herum in Europa kommuniziert wurde.

Man erfährt, um nur wenige Themen zu nennen, wie das moderne französische Theater in Deutschland aufgenommen wurde, welche Stellung Schopenhauer in Frankreich einnahm, welche Vorbildfunktion das belgische Wahlrecht für Italien hatte, wie China plötzlich als wirtschaftlich und politisch relevante Größe wahrgenommen wurde oder welche Sichtweisen es in den drei Ländern auf die Position der Frau um 1900 gab.

Dienen soll die Datenbank als Arbeitsinstrument für Lehrende, Studierende, Wissenschaftler und alle diejenigen, die an der Jahrhundertwende 1900 interessiert sind.

eb

Die Datenbank ist zu erreichen unter kulturzeitschriften1900.adw-goe.de.
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus