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Archäologin Bumke berichtet über Grabungsfunde

Ringvorlesung Archäologin Bumke berichtet über Grabungsfunde

Python hieß die geflügelte Schlange mit den hellseherischen Fähigkeiten, die einst in der griechischen Stadt Delphi lebte. Gott Apollon erschlug das Tier, nachdem es seine Mutter angegriffen hatte. Die sterbende Schlange fiel in eine Erdspalte, aus der Dämpfe stiegen. Inmitten dieser Dämpfe saß später die Priesterin Pythia.

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2010 in Didyma entdeckt: Sitzstufen des antiken Theaters, das 3000 Zuschauern Platz bot.

Quelle: DAI

Göttingen. In Trance weissagte sie Ratsuchenden. So berichtet es der Mythos über das Orakel von Delphi. Dem Apollon geweihte Orakelstätten hat es in einigen griechischen Städten gegeben, so auch in Didyma, 18 Kilometer südlich der kleinasiatischen Hafenstadt Milet, berichtet Professorin Helga Bumke aus Halle an der Saale.

Milet gehörte zu den erfolgreichsten Koloniegründungen der Griechen. Die Stadt selbst hat weitere 90 Kolonien errichtet. Mit dem Heiligtum war sie über eine Heilige Straße verbunden, auf der regelmäßig Prozessionen stattfanden. Das Apollon-Heiligtum von Didyma entstand in archaiischer Zeit. Die Perser haben es Ende des 5. Jahrhunderts vor Christus zerstört. Eine bis zu 90 Zentimeter starke Asche- und Bauschutt-Schicht entdeckte Bumke mit ihrem Team bei Grabungen und konnte so erstmals die Zerstörung archäologisch belegen.

Der Apollon-Tempel wurde in hellenistischer Zeit, die mit Alexander dem Großen begann, wieder aufgebaut. Es ist einer der größten und am besten erhalten Gebäude seiner Art. Eine Basilika, die im 5. Jahrhundert nach Christus im Inneren des Tempels entstand, wurde im Zuge der Ausgrabungen vollständig abgetragen. Die Erforschung des Areals begann im 18. Jahrhundert durch die Engländer und wurde später von Franzosen fortgesetzt. Von 1906 bis 1913 legten deutsche Archäologen im Auftrag der Königlich-Preußischen Museen den Tempel frei. 1924/25 kehrten sie noch einmal zurück. Die zweite Grabungsphase der Deutschen war von 1973 bis 1993. Damals untersuchten die Wissenschaftler unter anderem einen Teil der heiligen Straße.

Bumke, die seit 2009 für die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste sowie das Deutsche Archäologische Institut in Didyma Grabungen durchführt, sucht nach Heiligtümern anderer Götter. Inschriften berichten, dass es in Didyma ein Heiligtum der Apollon-Schwester Artemis gab. Außerdem sollen Heiligtümer von Göttervater Zeus und der Liebesgöttin Aphrodite bestanden haben. 

Bumke entdeckte auf einer Anhöhe oberhalb der Heiligen Straße, auf dem Taxiarchis-Hügel, Opfergaben. Da es sich vor allem um Schmuck handelt, wird sich dort wahrscheinlich ein von Frauen besuchtes Heiligtum befunden haben. 2010 stieß das Team auf eine 23 Meter lange Mauer. Sie gehörte zu einen Theater, das einen Druchmesser von 48 Metern hatte. Auf 25 Sitzreihen fanden 3000 Zuschauer Platz. Später entstand ein oberer Rang mit sechs weiteren Sitzreihen, wodurch sich die Kapazität um 1000 Plätze erhöhte. Dass es in Didyma musische Wettbewerbe mit Gesang, Theater und Reden gegeben hatte, war bekannt gewesen. Nun ist auch das dazugehörige Gebäude gefunden worden, erläutert Bumke. Die Wissenschaftlerin sprach im Rahmen der Archäologischen Ringvorlesung.

 
Orakelspruch: Antwort auf die Fragen an höhere Mächte

Ora et labora, „bete und arbeite“, schrieb der Heilige Benedikt, der Vater des abendländischen Mönchstum, seinen Klosterbrüdern vor. Das lateinische Wort orare, „beten, sprechen“, steckt auch im Begriff Oraculum. Das bedeutet „Götterspruch“, aber auch die „Stätte der Göttersprüche“. Solche Antworten höherer Mächte auf Fragen Ratsuchender werden mit Hilfe eines Mediums („Mittler“) oder eines Rituals gewonnen.

Ein Orakel-Ritual war bei den alten Römern zum Beispiel das Aufschneiden der Leber eines geopferten Tieres. Auch das Bleigießen zu Silvester oder das Legen von Tarot-Karten gehören dazu. Zu den bekanntesten Orakel-Medien der Antike zählte die Priesterin Pythia im Apollon-Heiligtum zu Delphi. Ihre Weissagungen, immer wohlgesetzt in Hexameter-Versen, waren oft doppeldeutig.

So sagte die Priesterin dem Mythos zufolge dem reichen König Krösus die Zerstörung eines großen Reichs voraus. Er wagte den Krieg und zerstörte sein eigenes Reich. Auch der Feldherr Pyrrhus, der bereits zwei verlustreiche (Pyrrhus-) Siege gegen die Römer errungen hatte, verstand das Pythia-Orakel falsch, stürzte sich in den Krieg und fiel. Legendär ist die Geschichte des Königs Laios. Ihm soll Pythia vorausgesagt haben, dass sein Sohn den Vater erschlagen und die Mutter heiraten werde. Laios ließ seinen Sohn in den Bergen aussetzen. Ödipus überlebte und erfüllte später nichtsahnend die Prophezeiung. 

 Die Archäologische Ringvorlesung wird am Montag, 14. Januar, fortgesetzt. Um 19.15 Uhr spricht Prof. Winfried Held, Marburg, über „Vom karischen Bund zur griechischen Polis: Archäologischer Survey in Bybassos und Kastabos Südwesttürkei“ im Alten Auditorium, Weender Landstraße 2, Hörsaal Audi 11.

Von Michael Casper

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Die Akademie der Wissenschaften zu Göttingen ist „die jüngere Schwester“ der Georg-August-Universität. 1737 gründete Kurfürst Georg August von Braunschweig und Lüneburg, der zugleich als Georg II. König von England war, die Universität und 1751 die Akademie der Wissenschaften als Königliche Societät.

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