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Bildersturm im Islam?

Vortrag von Prof. Irene Schneider Bildersturm im Islam?

„1529 - Aufruhr und Umbruch“, so lautetet der Titel einer Ausstellung, die derzeit im Stätischen Museum läuft. In der dazugehörigen Ausstellungsreihe hat am Sonntag Prof. Irene Schneider gesprochen. Ihr Thema: „Bilder – ja oder nein. Anmerkungen zum sogenannten Bilderverbot im Islam“.

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Irene Schneider

Quelle: pek

Göttingen. Das Fazit am Ende des Vortrags ist wie zu erwarten disparat. Es gebe nicht die eine islamische Welt, sie habe sich von Spanien über Nordafrika bis tief nach Asien hinein gezogen. Ein ausdrückliches Bilderverbot gebe es im Koran nicht. Interpretationen von islamischen Rechtsgelehrten sind nicht einheitlich, Theorie und Praxis sehr oft nicht deckungsgleich. Einen Bildersturm allerdings, wie es ihn auch in den beiden anderen monotheistischen Religionen Judentum und Christentum gegeben habe, sind in der islamischen Welt neu. Die Taliban und der sogenannte islamische Staat, der IS, vergreifen sich im Namen des Islam an Kulturgütern.

Im Jahr 2001 zerstörten die Taliban die bis dahin größten stehende Buddha-Statuen der Welt im Tal von Bamiyan in Afghanistan. Der IS sprengten Teil der Ruinenstadt Palmyra in Syrien. Und im Jahr 2014 sei in Saudi-Arabien ernsthaft diskutiert worden, das Grab Muhammeds zu vernichten. Sie argumentierten mit dem Verbot von Orten der Verehrung, die von der Verehrung Gottes ablenken würden“, berichtete Schneider.Die Islamwissenschaftlerin vom Seminar für Arabistik/Islamwissenschaft der Universität Göttingen schlug in ihrem rund einstündigen Vortrag einen großen Bogen – und musste sich doch beschränken. Zu groß sei das Feld, zeitlich, geographisch und inhaltlich. Sie führte aus, dass weder im Koran, noch in der Sunna, der Sammlung überlieferter Aussprüche, Verhaltens- und Handlungsweisen des Propheten ein konkretes Bildverbot niedergeschrieben sei. „Gott ist der größte Bildner“, heißt es darin. Doch das richte sich nicht gegen Bilder sondern gegen die Verehrung von Bildern. Beide Schriften seien eher Abbilder der Lebensumstände während der Entstehung der Schriften. Die seien ärmlich gewesen.Schärfer sind laut Scheider die entsprechenden Stellen in der Sunna formuliert. Gott sende den Malern Leiden, bis sie ihren Werken Lebensodem einhauchen könnten. Das allerdings würde nie passieren. Und: Bilder seien unrein. Engel würden keinen Raum betreten, wo Hunde oder Bilder seien.In ihrer Tour durch die Zeit des Islam vom siebten Jahrhundert bis zur Gegenwart legte Schneider dar, dass es keine figürlichen Darstellungen an Sakralbauten gebe. Es gebe zwar außerhalb von Moschen bildliche Darstellungen, doch habe der Islam dies nicht verfolgt. Kunst sei im Christentum und dem damaligen Byzanz weitaus besser entwickelt gewesen. Die Hinwendung zur Schrift statt zur Malerei resultiere daraus und gehe einher mit dem Wunsch nach der Entwicklung einer eigenen islamischen  Identität. Der nächste Vortrag zu der Ausstellung „1529 – Aufbruch und Umbruch“ im Städtischen Museum Göttingen, Ritterplan 7-8 in Göttingen, steht am Sonntag, 13. August, auf dem Programm. Ab 15 Uhr spricht Dr. Antje-Fee Köllermann über „Barthold Kastrop – ein Göttinger Bilderschnitzer am Vorabend der Revolution“. Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Dezember. Sie ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Tickets kosten 5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Für Kinder bis 12 Jahren und Schulklassen ist der Eintritt frei.

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