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Bundesverfassungsrichterin hält Uni-Rede 2012

„Zwischen Wissen und Nicht-Wissen“ Bundesverfassungsrichterin hält Uni-Rede 2012

Mit Aspekten des Wissenschaftssystems befasst sich alljährlich seit 2005 die Universitätsrede. Die Fragestellung ist Sache der Redner. So lag es nahe, dass Prof. Susanne Baer, Richterin am Bundesverfassungsgericht, am Donnerstag über Parallelen zwischen Wissenschaft und Recht dozierte.

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Hält die Universitätsrede 2012: Susanne Baer.

Quelle: Heller

Göttingen. Ihre packende Darstellung zum Thema „Vertrauen“ machte deutlich, wie es in Zeiten des Plagiats und der Euro-Krise in unserer Gesellschaft überhaupt zu fairen Urteilen kommen kann:  „Durch Vertrauen wird in Gerichten und Universitäten ein hohes Maß an Freiheit hergestellt“. Diese sei ein kostbares Gut und keineswegs selbstverständlich.

Allerdings sei es gar nicht so einfach, Vertrauen und somit Freiheiten aufrecht zu erhalten: „Es ist diffus, allgemein und fragil; ein Zustand zwischen Wissen und Nicht-Wissen“, erklärte Baer, die an der Berliner Humboldt-Universität lehrt. So müsse sich die Gesellschaft darauf verlassen können, dass Urteile fair sind. Das sei möglich, wenn es Regeln, Verfahren und Vielfalt gebe, so Baer.

Regeln notwendige Basis, um Freiheit leben zu können

Regeln seien essentiell um zu garantieren, dass ein Apparat vertrauenswürdig wirke. Sie seien eine notwendige Basis, um Freiheit leben zu können. Aber sie allein garantieren nicht, dass alles „mit rechten Dingen“ zugehe. Verfahren wie Quellentransparenz und die Pflicht zur konstruktiven Kritik seien ebenfalls unabkömmlich. Anekdoten aus dem Gerichtsalltag illustrieren diese Beispiele und erlauben tiefe Einblicke in die Lebenswelt der renommierten Juristin, was seinerseits vertrauenserweckend beim Publikum wirkt.

Ein weiterer Schwerpunkt der Festrednerin, welche sich seit langem mit Grund- und Menschenrechten,  Gleichstellung und Diskriminierung auseinandersetzt, ist Diversität. Orte des Wissens können nicht mehr einheitlich elitär sein: „Wer in der männlichen Monokultur konform und glücklich ist, wird nie Konflikte diskutieren müssen“. Aber gerade diese kleinen Krisen seien es, so die 1964 geborene Rechtswissenschaftlerin, die unsere Gesellschaft weiter bringen.

Eine Kultur der Vielfalt sei produktiv, solange sie dabei loyal bleibe. Vielfalt regt Diskussionen an, Diskussion neue Sichtweisen. Diese erlauben es letztlich nicht einfach nur blind zu vertrauen, sondern „aktiv selbst dafür zu sorgen, dass Dinge funktionieren und Vertrauen aufrecht erhalten wird“.

Von Sarah Lodder

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