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Carl Gustav Carus und Caspar David Friedrich

Landschaftsmalerei Carl Gustav Carus und Caspar David Friedrich

Sehenswert“ seien seine Gemälde zweifelsohne, aber Carl Gustav Carus sei Zeit seines Lebens nicht mehr als „ein vielseitiger Dilettant“ gewesen. So lautete das Resümee von Dr. Christian Scholl, Kunstgeschichtliches Seminar der Universität Göttingen, über das künstlerische Werk des Arztes, Naturphilosophen und Malers Carl Gustav Carus.

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Mondnacht bei Rügen: Carus-Gemälde aus dem Jahr 1819, das noch bis zum 10. Januar in der Ausstellung „Natur und Idee“ in der Alten Nationalgalerie in Berlin zu sehen ist.

Quelle: SKD

In Scholls Vortrag „Offenbarung und Projektionsraum: Landschaft bei Caspar David Friedrich und Carl Gustav Carus“, beleuchtete er vor allem die Beziehung von Carus zu dem Romantiker Caspar David Friedrich. Der Vortrag war Teil der Ringvorlesung „Landschaft um 1800. Aspekte der Wahrnehmung in Kunst, Literatur und Naturwissenschaft.“ Diese wird vom Zentrum für komparatistische Studien der Universität Göttingen veranstaltet.
Carl Gustav Carus (1789-1869) und Caspar David Friedrich (1774-1840) seien für lange Zeit freundschaftlich verbunden gewesen, so Scholl. Carus unternahm im Jahre 1819 sogar eine Rügenreise auf Friedrichs Spuren. An zahlreichen Gemälden des Malers sei festzustellen, dass sein künstlerischer Stil unmittelbar von Friedrich beeinflusst war. Besonders sei das an Merkmalen wie Motiven, Farbigkeit, Übergangsstimmungen wie beispielsweise der Abenddämmerung sowie den für Friedrich charakteristischen Rückenfiguren anzumerken.

Scholl stellte viele Gemälde der beiden Maler, die dies bewiesen, direkt gegenüber: so zum Beispiel Friedrichs berühmtes Gemälde „Auf dem Segler“ von 1818 und Carus „Segelbootschiff“ von 1819. Bei allen Ähnlichkeiten werde aber auch an diesem Bild deutlich, dass das Kunstkonzept und das Naturverständnis von Carus ein anderes gewesen sei, führte Scholl aus.

Auffällige Parallelen

Die Romantiker, Friedrich einer von ihnen, hätten „etwas in die Natur hineingesehen und die Natur romantisiert“. So könne man bei „Auf dem Segler“ durch die Pespektive und die Figuren, die wie auf einer Aussichtsplattform von hinten zu sehen sind, die Bootsfahrt als eine Allegorie für die Fahrt durch das Leben sehen, so Scholl. Wichtige Quelle für die Ausführungen des Referenten war das von Carus verfasste Werk „Neun Briefe über Landschaftsmalerei“, 1831 veröffentlicht. Carus wendete sich schließlich von Friedrich als Person ab, der seiner Meinung nach ein „kranker Mensch“ mit einem zerrütteten Gemüt war. Bei keinem Geringeren als dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe fand er eine Naturauffassung, die ihm mehr entsprach – wie die Briefe über Landschaftsmalerei belegen.

Carus gilt heute als philosophischer Vorgänger der Tiefenpsychologie, da er nicht nur körperliche Phänomene von Gesundheit und Krankheit betrachtete, sondern auch seelische und geistige. Zeugnis hierfür sind seine „Vorlesungen über Psychologie“ von 1831 und die Werke „Psyche“ (1846) und „Physis“ (1851). Carus ist als ein Wegbereiter der ganzheitlichen Medizin hoch angesehen.
In der Kunst jedoch konnte „der vielseitige Dilettant“ Carus seinem Freund und künstlerischem Vorbild Friedrich nie das Wasser reichen, so die Einschätzung von Scholl. Dieser ließ dennoch den Hinweis auf die aktuelle Ausstellung „Natur und Idee“ in der Alten Nationalgalerie in Berlin-Mitte nicht vermissen. Die Sonderausstellung zeigt bis zum 10. Januar 2010 Werke des Malers Carl Gustav Carus.

Die Vortragsreihe „Landschaft um 1800. Aspekte der Wahrnehmung in Kunst, Literatur und Naturwissenschaft“ wird am Donnerstag, 7. Januar, fortgesetzt mit dem Vortrag „,Mehr Ausdruck der Empfindung als Malerey’. Idealisierte Landschaften in Ludwig van Beethovens ,Pastorale’“ von Prof. Andreas Waczkat, Musikwissenschaftliches Seminar, um 18.15 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14.

Marie Varela

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