Volltextsuche über das Angebot:

16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Damit die Doktorarbeit ein Ende findet

Graduiertenschulen der Universität Göttingen Damit die Doktorarbeit ein Ende findet

Karl Theodor zu Guttenberg will sieben Jahre gebraucht haben, bis er ein 475-Seiten-Werk als Doktorarbeit ablieferte, das jedoch zu großen Teilen abgeschrieben war. An der Universität Göttingen versucht man, solche Plagiatsfälle im Vorfeld zu verhindern. Drei fakultätsübergreifende Graduiertenschulen kümmern sich um eine intensivere Betreuung der Doktoranden und eine bessere Kontrolle ihrer Arbeiten.

Voriger Artikel
Autonomie als Markenzeichen des Neubeginns
Nächster Artikel
Preis für Glia- und Axon-Forschung

Die Geschäftsführerinnen der Graduiertenschulen für Gesellschafts- beziehungsweise Geisteswissenschaften: Roß und Allemeyer mit Doktorandin Melanie Kromer (von links).

Quelle: Rink

Die 2005 gegründeten Einrichtungen decken die drei Bereiche Mathematik und Naturwissenschaften, Gesellschaftswissenschaften und Geisteswissenschaften ab. „Diese Aufteilung macht es möglich, auch fachspezifische Belange zu berücksichtigen“, erläutert Dr. Bettina Roß, Geschäftsführerin der Göttinger Graduiertenschule Gesellschaftswissenschaften (GGG). Diese ist die Dachorganisation für die Promovierenden der Sozial-, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften sowie der Agrar- und Forstökonomie und der Forstpolitik. Jeder, der in einem dieser Fächer zur Promotion zugelassen ist, ist automatisch auch Mitglied der Graduiertenschule. „Derzeit sind es 867 Doktorinnen und Doktoranden“, berichtet Roß.

In der Graduiertenschule für Geisteswissenschaften Göttingen (GSGG) ist die Mitgliedschaft freiwillig und an bestimmte Rechten und Pflichten gebunden. Die GSGG ist für die theologische und die philosophische – und damit für die größte – Fakultät der Universität zuständig. Derzeit gehören ihr 300 Doktoranden an. „Wir versuchen vor allem, die Rahmenbedingungen für eine Promotion in den geisteswissenschaftlichen Fächern zu verbessern“, sagt GSGG-Geschäftsführerin Dr. Marie Luisa Allemeyer.

Ziel der Graduiertenschulen ist es, die Doktoranden in Strukturen einzubinden, die es ihnen er­leichtern, ihre Promotionsphase effizienter zu gestalten. Das fängt bei der Betreuung an. Während sonstige Doktoranden allein auf ihren Doktorvater ange­wiesen sind, haben Angehörige der Graduiertenschulen mehrere Betreuer.

„Damit verringert sich auch die Abhängigkeit vom Doktorvater“, erläutert Roß. Die Betreuer geben regelmäßig Stellungnahmen zum Fortgang der Arbeiten ab, so dass die Doktoranden frühzeitig ein Feedback erhalten.

Viele Doktoranden leiden auch unter einer gewissen Isolation. „Promovieren ist in der Regel ein einsames Geschäft“, sagt Allemeyer. Um die Doktoranden aus dem stillen Kämmerlein herauszuholen, haben die Graduiertenschulen verschiedene Veranstaltungsformate eingeführt und unterstützen die Promovierenden darin, Netzwerke zu knüpfen.

Außerdem bieten die Schulen ein Qualifizierungsprogramm an, hierzu gehören beispielsweise eine Schreibwerkstatt, Rhetorikkurse oder Stimmtraining. Die Doktoranden können damit bestimmte Schlüsselqualifikationen wie didaktische Fähigkeiten oder betriebs­wirtschaftliches Denken erwerben, die ihre späteren Chancen auf dem Ar­beitsmarkt steigern.

Gerade der Austausch mit anderen Doktoranden sei ungemein hilfreich, meint die Germanistin Melanie Kromer. Sie arbeitet seit zwei Jahren an ihrer Dissertation zum Thema „Kleopatra in der Literatur um 1900“. Ein Problem bei der Doktorarbeit sei das Durchhalten, vor allem dann, wenn man nebenher durch Jobs noch seinen Lebensunterhalt verdienen müsse. Die regelmäßigen Treffen mit anderen Doktoranden gäben stets einen neuen Motivationsschub und erweiterten den eigenen Horizont: „Manchmal findet man durch den Austausch mit Wissenschaftlern aus anderen Fächern Lösungen für seine eigene Arbeit.“

Auch wenn sich die Betreuung verbessert hat, gibt es weiterhin ein strukturelles Problem: Doktoranden haben keinen fest definierten Sta­tus und damit auch keine eigene Interessenvertretung in den Universitätsgremien. Manche werden nur als Studierende angesehen, manche sind Mitarbeiter der Universität, andere sind Stipendiaten ohne feste Zugehörigkeit zu einem Institut. Durch die Graduiertenschulen gebe es jedoch eine stärkere Vernetzung, sagt Allemeyer. „Außerdem nehmen sich die Doktoranden jetzt stärker als Gruppe wahr und werden auch in der Uni stärker als eine solche wahrgenommen.“

Von Heidi Niemann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Graduiertenschule

"Berufliche Perspektiven und Anforderungen nach der Dissertation“ war das Thema im roten Saal der Sternwarte: rund 20 Promovierende der Graduiertenschule Gesellschaftswissenschaften und drei Gäste aus der Wirtschaft diskutierten die Chancen promovierter Berufseinsteiger und berichteten von ihren Erfahrungen.

mehr

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus