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Dantes Stellvertreter auf Erden

Ralph Dutli über Ossip Mandelstam Dantes Stellvertreter auf Erden

Ralph Dutli zählt zu den wichtigsten Gegenwartsautoren der Schweiz. Er ist Poet, Übersetzer und Philologe, Romanist und Slawist. Beschäftigt hat er sich mit dem Werk Ossip Mandelstams. Ein Essay dazu hat er am Montag  in der Vortragsreihe „Dante-Rezeption nach 1800“ in der Paulinerkirche vorgestellt.

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Belesen, klug und sprachbegeistert: der Schriftsteller, Übersetzer, Romanist und Slawist Ralph Dutli.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Dantes Gesänge – Gerät zum Einfangen der Zukunft“ – so hat Dutli sein Essay genannt. Er sei „Mandelstams Stellvertreter auf Erden und wisse wohl mehr über dessen Werk als der russische Poet selbst je gewusst hat. So stellte der Germanist Prof. Heinrich Detering Dutli den etwa 50 Besuchern des Vortrags vor. Dutli ist übersetzter des Mandelstam-Gesamtwerks und sein Biograph.

Dantes Gesänge

Ralph Dutli: „Dantes Gesänge – Gerät zum Einfangen der Zukunft“, Wallstein-Verlag, 52 Seiten, 12,90 Euro. Das Heft soll im Januar erscheinen.

Mandelstam (1891-1938) war ein großer Freund der Werke von Dante (1265-1321).  Beide verbindet zuerst einmal ihr Status als Verbannte. Der russische Poet wurde 1934 von den russischen Machthabern in den Gulag deportiert, später ein zweites Mal. Dante wurde im Jahr 1302 aus Florenz verbannt. Bei beiden Abtransporten habe Mandelstam Texte von Dante dabei gehabt, beide Male musste er sie abgeben.

Dutli schreibt von der Begeisterung Mandelstams beim Erlernen der italienischen Sprache, der Sprache Dantes: „Plötzlich kam die Zungenspitze zu Ehren. Der Laut stürzte zum Riegel der Zähne. Was mich ebenfalls verblüfft hat, ist die Infantilität der italienischen Phonetik, ihre wunderbare Kindlichkeit, die Nähe zum Kleinkinderlallen, ein bestimmter uralter Dadaismus.“

Liebe zu Dante

Besonders wertvoll als Gesprächspartnerin sei für Mandelstam Anna Achmatova (1889-1966) gewesen, mit der gemeinsam er Dante gelesen habe, schreibt Dutli. Auch Achmatova war eine verfemte russische Dichterin. Für beide hatte die Dante-Lektüre eine ganz besondere Bedeutung. So antwortete Achmatova kurz vor ihrem Tod auf die Frage, was Mandelstam, den Dichter Nikolaj Gumiljow und sie selbst verbunden habe: „Die Liebe zu Dante.“

Mandelstam und Achmatova konnten ganze Dante-Passagen auswendig auf Italienisch zitieren – das kann auch Dutli. Er rezitiert Gedichte in italienischer Sprache, für einen Schweizer vielleicht nicht ganz so schwer. Doch er spricht Italienisch auch mit großer Hingabe und einem guten Gehör für den Sprachklang. Gleiches lässt sich über die Poesie sagen, die Dutli auf Russisch vorträgt. Er spricht wunderbar samtig, vollmundig und mit großer Begeisterung. Eine Freude, ihm dabei zuzuhören. Ein beeindruckend belesener, kluger Autor voller Leidenschaft für Mandelstam, Dante und die Poesie.

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