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„Der göttliche Funke wird wirksam“

Zeichnungen von Bendemann „Der göttliche Funke wird wirksam“

Die Kunstsammlung der Göttinger Universität besitzt eine bemerkenswert umfangreiche Sammlung von Zeichnungen des Künstlers Eduard Bendemann (1811-1889), der nach 1830 zu den einflussreichsten Vertretern der Düsseldorfer Malschule zählte. Studierende und Dozenten der Kunstgeschichte haben die Bestände über mehrere Semester hinweg aufgearbeitet und dabei zahlreiche Blätter als vorbereitende Studien großen Gemälden Bendemanns zuordnen können.

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Studien: zwei männliche Rückenakte für das Gemälde „Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft“.

Quelle: Kunstsammlung

Die Kunstsammlung im Auditorium Maximum am Weender Tor zeigt derzeit eine Auswahl der Zeichnungen, eingebettet in die Ergebnisse der Forschung. 129 Zeichnungen auf 92 Blatt, bei einigen ist Vorder- und Rückseite von Bendemann bearbeitet worden, sowie drei Skizzenbücher finden sich im Sammlungsbestand, erklärte Kuratorin Anne-Katrin Sors zur Vernissage. Die erste Zeichnung kam schon 1931 in das graphische Kabinett der Kunstsammlung, ein Geschenk von Johannes Joachim, der sie von seinem Vater, dem renommierten Geiger und Komponisten Joseph Joachim geerbt hatte. Der Musiker war Zeitgenosse und vor allem Freund Bendemanns. Das Bild zeigt eine Schweizer Landschaft und ist mit einer persönlichen Widmung Bendemanns an Joseph Joachim versehen.

1977 dann erwarb Konrad Renger, der damalige Kustos der Sammlung, den größten Teil der heutigen Bendemann-Bestände aus dem Besitz von dessen Nachfahren: 98 Blätter und vier Skizzenbücher. Allerdings wurden später einige der Werke dem Sohn Bendemanns, Rudolf, zugeordnet.
Der Kunsthistoriker Christian Scholl mit dem Spezialgebiet 19. Jahrhundert hat in den vergangenen Monaten nun gemeinsam mit Studenten die Bestände aufgearbeitet. Er beleuchtet zur Eröffnung die künstlerische Herkunft Bendemanns. Der sei keinesfalls Avantgardist gewesen, sondern über seinen Lehrer Wilhelm Schadow der Romantik verpflichtet. Das heißt, er habe Natur nicht nachgeahmt sondern sich als Erfinder gesehen: „Der göttliche Funke wird wirksam“, sagte Scholl. Und: „Der Genius der Dichtkraft entschleiert die Natur.“

Für seine Hauptwerke habe er als Vorbereitung diese Studien nach Modellen gezeichnet, einige der Namen und Adressen vermerkte er auf den Blättern. Er zeichnete Akte oder auch nur einzelne Körperteile und Gewandstücke mit Faltenwürfen. Mit Blick auf diese umfangreichen Vorarbeiten  bezeichnete Scholl Bendemann als akribischen Arbeiter. Seine großen Bildthemen wie „Wegführung der Juden in die babylonische Gefangenschaft“ seien innovativ gewesen – und Bendemann habe mit der Kenntnis der Betrachter dieser Themen gerechnet. Scholl: „eine Kunst für Bildungsbürger“.

Bis 10. März sonntags von 10 bis 16 Uhr in der Kunstsammlung der Universität Göttingen  Weender Landstraße 2.
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