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Detektivarbeit in Bücherregalen der Universität

Über eine halbe Million Bücher überprüft Detektivarbeit in Bücherregalen der Universität

Eine aufwändige Generalrevision findet derzeit in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek (SUB) in Göttingen statt.

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Bestandsaufnahme: Auch im Heyne-Saal wird gezählt.

Quelle: pid

Über 100 Mitarbeiter durchforsten seit dem vergangenen Sommer systematisch die gesamten historischen Buchbestände, um zu ermitteln, ob diese vollständig sind. Die Bestandsaufnahme ist ein mühsames Unterfangen: Insgesamt umfassen die Bestände aus der Zeit bis zum Jahr 1900 über eine halbe Million Bücher, darunter zahlreiche kostbare Drucke und Handschriften. Um jeden einzelnen Band ausfindig zu machen, müssen die Bibliothekare häufig regelrechte Detektivarbeit leisten. „Jedes Buch ist ein Einzelfall“, sagt SUB-Sprecherin Dr. Silke Glitsch.

Anlass für die Generalrevision war eine spektakuläre Diebstahlsserie, die Ende 2009 aufgeflogen war. Damals war ein Mitarbeiter festgenommen worden, der eine wertvolle Erstausgabe aus dem Jahr 1545 gestohlen und einem Antiquar zum Kauf angeboten hatte. Der Antiquar war wegen der vergleichsweise günstigen Offerte stutzig geworden und hatte sich deshalb an die Universität gewandt. Diese schaltete die Polizei ein, die den Bibliothekar bei einer fingierten Übergabe festnahm. Die Ermittlungen ergaben, dass der inzwischen verstorbene Mitarbeiter 48 weitere Bücher aus den historischen Beständen entwendet und verkauft hatte.

Die Generalrevision findet bei laufendem Betrieb statt. Dafür musste die Bibliothek ihre Öffnungszeiten und Service-Angebote vorübergehend reduzieren. Außerdem ist der berühmte Heyne-Saal, der als einer der schönsten Bibliothekssäle in Deutschland gilt, nicht mehr frei zugänglich. Wer mit den dort befindlichen Büchern arbeiten möchte, kann dies nicht mehr vor Ort tun, sondern muss sie bestellen.

Im Heyne-Saal sei die Revision am weitesten vorangeschritten, sagt Glitsch. Komplett abgeschlossen sei außerdem die Überprüfung der Sondermagazine, in denen sich die besonders wertvollen Bücher befinden. Bei diesen etwa 50.000 Bänden seien keine weiteren Verluste festgestellt worden.

Die Mitarbeiter der Bibliothek gehen systematisch die Regale und Kataloge durch. Dabei müssen sie jedes der insgesamt 510      000 registrierten Bücher darauf überprüfen, ob es vorhanden ist und ob es richtig eingeordnet ist. „Im vergangenen Jahr haben wir jede Woche etwa 100 Bücher gefunden, die nicht am richtigen Ort standen“, sagt Glitsch.

Grundlage der Revision sind zum einen die handschriftlichen systematischen Kataloge, die seit Gründung der Bibliothek im Jahr 1734 angelegt und dann immer wieder abgeschrieben und ergänzt wurden, sowie die EDV-Datenbank, in der seit 1977 alle Bücher erfasst werden. Dabei muss jede einzelne Signatur mit den Beständen in den Regalen abgeglichen werden. Fehlt ein Buch, geht die Suche los. „Manchmal wurden Bücher zum Beispiel aufgrund eines Zahlendrehers in der Signatur woanders hingestellt“, sagt Glitsch.
Voraussichtlich im Sommer sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Insgesamt ist es die bislang umfangreichste Generalrevision der historischen Bestände. Zwar gab es bereits eine Bestandsüberprüfung in den 1970-er Jahren. Diese habe aber nicht alle Bereiche umfasst, sagt Glitsch. Eine komplette Revision fand außerdem im Jahr 1790 statt – damals hatte die Bibliothek allerdings erst 150      000 Bücher.

Von Heidi Niemann

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