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Diskussion über Arbeitsbedingungen an der Universität Göttingen

Verwaltung, Technik, Pflege Diskussion über Arbeitsbedingungen an der Universität Göttingen

Ohne sie würde nichts passieren: Und dennoch rücken im Hochschulbetrieb diejenigen zunehmend in den Hintergrund, die mit ihrer Arbeit in Verwaltung, Technik und Pflege das Gerüst für Lehre und Forschung bilden. Mit diesem Thema hat sich am Donnerstag, 20. Februar, die Podiumsdiskussion „Sicher-sichtbar-wertgeschätzt? – Neue Perspektiven für Frauen und Männer in Verwaltung, Technik und Pflege“ in der Aula am Wilhelmsplatz befasst.

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Diskussion über Arbeitsbedingungen an der Universität in Verwaltung, Technik und Pflege : Kroemer, Andrea Polle, Boos, Moderatorin Sybille Bertram, Spliethoff-Laiser, Hoppe und Hippe (von links).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Die Podiumsdiskussion bildete den Schlusspunkt der Veranstaltungsreihe „Vom Verwalten zum Managen“, die seit November 2013 die Arbeitssituation der Frauen und Männer hinter den Kulissen des Universitätsbetriebes in den Mittelpunkt gerückt hat. Organisiert von der Gruppe der Mitarbeiter in Technik und Verwaltung (MTV), bot die Veranstaltung den rund 90 Gästen Einblick in die Perspektiven von Vertretern verschiedenster universitärer Bereiche.

In den vergangenen zehn bis 15 Jahren haben sich besonders die Aufgabenbereiche von Sekretärinnen, Technikern und Pflegekräften verändert. Darin waren sich alle einig. „Der Arbeitsablauf in der Verwaltung hat nichts mehr mit dem Sekretärinnen-Beruf der 50er Jahre zu tun“, berichtete Antje Spliethoff-Laiser, Verwaltungsangestellte der Fakultät für Physik,  aus ihrem Arbeitsalltag. Oft gebe es komplizierte Anfragen, Arbeiten müssten ständig unterbrochen werden, anspruchsvolle Managementaufgaben seien an der Tagesordnung – ohne entsprechend vergütet zu werden. „Man bekommt viel anvertraut, muss das diskret handhaben, kommt in Loyalitätskonflikte“, ergänzte Prof. Margarete Boos, stellvertretende Vorsitzende der Kommission für Gleichstellung,  die „modernen“ Belastungen Verwaltungsangestellter. „Befristung bis zur Rente“, nannte Dr. Johannes Hippe, Vorsitzender des Personalrats der Universität,  dazu lapidar die arbeitsvertraglichen Bürden der diskutierten Berufe.

Organisationsmöglichkeiten fehlen

Die Vervielfältigung der Aufgaben bei gleichbleibender Bezahlung sah auch Markus Hoppe, Hauptberuflicher Vizepräsident für Finanzen und Personal, als Problem. Dadurch, dass die Finanzautonomie auf die unterste Ebene herunter gebrochen sei, fehle es an Organisationsmöglichkeiten, um begrenzte Mittel zu verteilen. Dazu komme vom  Hochschuloptimierungskonzept vorgegebener massiver Personalabbau.

Auch im medizinischen Bereich, so Prof. Heyo K. Kroemer, Vorstand für Forschung und Lehre der Universitätsmedizin und Dekan der Medizinischen Fakultät, sei es in den vergangenen Jahren unter anderem durch die Einführung der Fallpauschale zu Veränderungen der Pflege- und Verwaltungsberufe gekommen. Höhere Fallzahlen treffen auf weniger Arbeitsplätze. „Einen Wirtschaftsbetrieb nach den Regeln des öffentlichen Dienstes zu gestalten ist schwer machbar“, sagte er. Dem nationalen Ärztemangel drohe ein „Pflegemangel“ zu folgen, wenn die Arbeitsbedingungen sich nicht besserten.

Spielraum wird unterschiedlich genutzt

Der Spielraum zur besseren Vergütung der Berufe sei in Verwaltung, Technik und Pflege sehr unterschiedlich ausgenutzt, gab Hippe aus Sicht des Personalrats zu bedenken. Die Attraktivität der Verwaltungs-, Techniker- und Pflegeberufe sei allerdings nicht nur durch bessere Bezahlung zu steigern. Auch persönliche Wertschätzung durch Chefs trage zur Verbesserung der Situation bei, so Boos. Bisher komme Wertschätzung und Dankbarkeit zum Großteil von der Studierendenschaft, die die Sekretariate wie jeder andere Bittsteller als erste Anlauf- und Koordinierungsstelle nutzten.

Wie der Konflikt aus immer mehr Arbeit und weniger Mitteln zu lösen sei, darüber waren sich die Diskutanten nicht einig. Spliethoff plädierte dafür, eine neue Gruppe an Arbeitsplätzen wie „Verwaltungskoodinatorin“ zu schaffen und die Kompetenzen des Sekretariats abzuspecken. „Viele Uni-Absolventen arbeiten im Verwaltungsbereich, wieso sollte man das Potential nicht nutzen?“

Boos meinte, qualifizierte Arbeitsplätze müssten nicht neu geschaffen werden: „Sie sind ja schon da“. Qualifizierungsmaßnahmen seien angesichts steigender Lebensarbeitszeit und zunehmend teuerer Forschungsinfrastruktur unumgänglich, so Kroemer. Stellenbeschreibungen, tatsächliche Tätigkeit und entsprechende Bezahlung müssten in Einklang gebracht werden.

Arbeitsplätze neu bewerten

Qualifizierung in Sachen Führung und Kommunikation sei in den Chefetagen gefragt, sagte Hoppe. Nach der anschließenden Publikumsrunde gab es keinen Konsens, aber immerhin ein Mindestziel: Die Debatte muss am Leben gehalten werden, um Arbeitsplätze wirklich neu zu bewerten, nicht um einfach nur ohne Maßnahmenschaffung „herumzudisktuieren“.

Von Katharina Kilburger

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