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Dramatische Verluste unter Flechten

Artenrückgang Dramatische Verluste unter Flechten

Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften, die aus einem Pilz- und einem oder mehreren Algenpartnern bestehen und wesentlich zur Biodiversität von Wäldern beitragen. Die meisten der in Wäldern vorkommenden Flechtenarten sind sogenannte Epiphyten, das bedeutet, sie wachsen auf einer anderen Pflanze, Baumrinde oder Totholz.

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Flechtenart luftfeuchter Waldbinnenlagen: Lobaria pulmonaria war früher weit verbreitet, ist heute fast ausgestorben.

Quelle: Timdal

Viele Flechtenarten reagieren sehr sensibel auf Luftschadstoffe und klimatische Veränderungen und gelten daher als sogenannte Bioindikatoren. Ein Rückgang des Artenreichtums dieser Organismen lässt schließen auf eine negative Veränderung der Umweltbedingungen.

Wissenschaftler der Universität Göttingen konnten nun nachweisen, dass es in den vergangenen 150 Jahren zu dramatischen Verlusten des Artenreichtums bei epiphytischen Flechten kam. Die Forschungsergebnisse sind in der Fachzeitschrift Biological Conservation erschienen.

Die Wissenschaftler verglichen historische Daten mit aktuellen Studien. Dabei fanden sie etwa 30 Prozent der ursprünglich in Waldgebieten des Nordwestdeutschen Tieflandes und im Solling vorkommenden epiphytischen Flechtenarten nicht mehr vor. Diese müssen daher in den untersuchten Gebieten als ausgestorben gelten, schließen die Forscher.

Darüber hinaus kam es zu starken Veränderungen in der Artenzusammensetzung und Häufigkeit der vorkommenden Flechtenarten. So war ein besonders starker Rückgang bei Arten zu beobachten, die sich auf Standorte wie regengeschützte Furchen in der Baumrinde, Aushöhlungen in alten Bäumen oder feuchtes Totholz spezialisiert haben. Nur wenige Flechtenarten konnten von erhöhten Schadstoffeinträgen oder Klimaänderungen profitieren und breiteten sich aus.

Die Abholzung von Altbäumen, die Entfernung von Totholz oder die Trockenlegung von Waldbeständen während der Industrialisierung gelten als Hauptursache für den starken Artenrückgang der epiphytischen Flechten. „Um einem weiteren Artenrückgang entgegenzuwirken, benötigen wir strukturreiche Wälder mit einem höheren Anteil von Altbäumen und Totholz“, sagt Prof. Christoph Leuschner von der Abteilung Pflanzenökologie und Ökosystemforschung und Leiter der Studie. Er verweist auch darauf, dass Luftschadstoffe zum Rückgang der Flechten beitragen.

Die Studie wurde im „Biochange-Projekt“ im Rahmen des Exzellenzclusters „Functional Biodiversity Research“ der Universität Göttingen durchgeführt. Im Exzellenzcluster arbeiten Forscher der Fakultät für Forstwissenschaft und Waldökologie, der Fakultät für Biologie und Psychologie und der Fakultät für Agrarwissenschaften zusammen. Das Projekt wird seit 2008 vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur mit insgesamt 3,7 Millionen Euro gefördert. pug

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