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Edition der Tagebücher des Juristen Beneke

1795 Doktorand in Göttingen Edition der Tagebücher des Juristen Beneke

Er wusste nicht, „ob einmahl diese Blätter in Hände kommen, welche sie zum Vergnügen, Nutz und Frommen aufbewahren, oder kalt zerreissen“. Ferdinand Beneke (1774-1848), Hamburger Jurist und Mitglied des aufstrebenden Bürgertums der Hansestadt, könnte sich heute darüber freuen, dass die mehr als 5000 Manuskriptseiten seines 56 Jahre geführten Tagebuchs erhalten sind.

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Einzug nach Göttingen nicht vergessen: Beneke ( 2. von links) im Kreise seiner Familie im Jahr 1844 .

Quelle: EF

Hamburg/Göttingen. Seit 2001 arbeitet ein Team des Hamburger Instituts für Sozialforschung an der Erschließung des Konvoluts. Die Beneke-Tagebücher der Jahre 1792 bis 1801 sind als Bücher erschienen und berichten auch über die Göttinger Zeit des in Bremen geborenen Studenten.

Die Ideale der Französischen Revolution hatten es dem jungen Mann angetan. Nach dem Studium der Rechtswissenschaften in Rinteln und Halle, wollte er Bürger einer Republik werden. Es zog ihn nach Hamburg.  Er gab seine Anstellung als Referendar in preußischen Diensten auf und kam zur Promotion nach Göttingen.

So gings auf Göttingen los

Vor 218 Jahren, im Mai 1795, traf Beneke von Leipzig kommend in Göttingen ein. „Um 6 Uhr Abends kamen wir an das erste Hannoversche Dorf Brehmke. Reinhausen liegt überaus romantisch an der Felsenwand eines hohen Berges. Die alte Burg Gleichen giebt dieser gebürgigten Gegend mehr Interesse. So gings auf Göttingen los – Gott! was ich bey meinem Eintritt in diese Stadt empfand, das beschreibe ich nicht, aber ich werde es auch nicht vergessen.“ 

Anfangs geht es um das Quartier und das Kennenlernen von Professoren und Studenten aus Bremen und Hamburg – und immer um Geldsorgen. Aber der junge Mann kommt über die Runden, sucht „Zerstreuung bei Thalia“: für Theateraufführungen ist Geld parat. Dass sein Plan, die Dissertation über das Handelsrecht der Hansestädte zu schreiben, scheitert, lässt ihn weniger verzweifeln als Geldmangel und Liebeskummer.

Detailverliebtheit in Benekes Beschreibungen

Die Detailverliebtheit in Benekes Beschreibungen erfordert vom Leser oft Durchhaltevermögen, bereitet aber auch Vergnügen hinsichtlich der für die damalige Zeit üblichen sprachlichen Wendungen und Ansichten über gesellschaftliche und politische Neuerungen.  Die machen die Georgia Augusta für  Beneke zur geeigneten Universität. „Zum einen hatte Göttingen den Ruf, die Universität des aufgeklärten Saeculums schlechthin und insbesondere in den Rechtswissenschaften und allem, was die Ausbildung eines umfassend (aus-)gebildeten Juristen sinnvollerweise ergänzte, exzellent zu sein; zum anderen bot die Alma mater beste Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen und Netzwerke aufzubauen“, heißt es im für sich allein schon lesenswerten Begleitband zu den drei Tagebuch-Bänden.

Beneke ließ keine Gelegenheit aus, die in Göttingen zahlreich vertretenen Studenten aus Hamburg und Bremen zu treffen. Er schloss Freundschaften, die später in Hamburg dienlich waren. Vorlesungen von bekannten Professoren, wie Physiker Georg Christoph Lichtenberg oder Ökonom Johann Beckmann, besuchte er.

Burgruinen von Hanstein bis Hardeg

Und obwohl nur ein halbes Jahr in der Stadt sah er Kassel, Weender Papiermühle, die Burgruinen von Hanstein bis Hardeg, ritt auf den Hainberg und spazierte an der Leine. Das endete mit dem Sommer. „Ich lese jetzt parforce viel juristische Sachen“, notierte er im September 1795 und sorgte sich über mangelnde Kenntnisse im Römischen Recht. Seine Promotion hatte zwölf Thesen aus dem Zivil- und Handelsrecht zum Thema. Am 21. November schrieb Beneke: „Um halb 2 Uhr wars gottlob vorbey. Vivat! ich bin Doktor!“. Schon am übernächsten Tag reiste er ab.

Als „Revoluzions Jahr meines Lebens“ bezeichnet Beneke Neujahr 1796 das vergangene Jahr. Nun will er „ein guter, nützlicher Bürger unter Hamburgs freiem Volke“ werden. Bis Ende Februar 1848 wird er sein facettenreiches Bürgerleben penibel in seinem Tagebuch diskutieren. Dass die Herausgeber daraus eine Fundgrube für An- und Einsichten eines Bürgers in der Zeit zwischen Aufklärung und Romantik machen konnten, ist ein Glücksfall.

► Frank Hatje, Ariane Smith u.a. (Hg.): „Ferdinand Beneke. Die Tagebücher I (1792-1801)“. Wallstein Verlag, 5 Bände, 2802 Seiten, 185 Abbildungen, 98 Euro.

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