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"Ein Nebenjob, der Jahre dauert und an der Psyche frisst“

Neuer Ratgeber "Ein Nebenjob, der Jahre dauert und an der Psyche frisst“

Demenz entwickelt sich zur Volkskrankheit. Die Altersverwirrtheit ist auch und gerade für Angehörige eine große Belastung. Mehr als 70 Prozent der Demenzerkrankten werden in Deutschland zu Hause betreut, weiß der Duderstädter Demenzexperte, Kurt Bischof. Für Söhne und Töchter „ein Nebenjob, der Jahre, bisweilen Jahrzehnte dauert und dabei an Sparbüchern und Psyche frisst“, stellt er fest. Und er fügt hinzu: „Vorbereitet sind die wenigsten.“

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Hilfestellung für Angehörige von Demenzkranken: Kurt Bischof mit seinem Ratgeber.

Quelle: Thiele

So schonungslos formuliert Bischof im Vorwort seines neuen Fachbuches in der Reihe „Brennpunkt Demenz“ und bringt damit die Situation in einer steigenden Zahl von Familien auf den Punkt. Im dritten Band bietet Bischof eine Hilfestellung für diese Vorbereitung. Und die ist dringend nötig. Denn, auch das sagt der Autor mit aller Deutlichkeit: „Über kurz oder lang fühlen sich fast alle Angehörigen überfordert und ausgebrannt.“ Eine Alternative zur Familie als „Pflegedienst der Nation“ ist dann unumgänglich. Und auch hier sind die Angehörigen gefordert. Der Demenzkranke selbst ist in der Regel mit der Frage, „Und wo bleibe ich?“ (dem Titel des Buches), mit der Auswahl einer stationären Einrichtung überfordert.

Hier setzt Bischof an. Sein jüngstes Buch ist ein Leitfaden für Angehörige bei der Auswahl stationärer Pflegeeinrichtungen, ein Handbuch für die dementengerechte – und würdige – Unterbringung des Erkrankten. Praxisnah und allgemeinverständlich werden den Angehörigen Instrumente an die Hand gegeben, zwischen Einrichtungen zu unterscheiden und aus dem Angebot auszuwählen.

Als Basis dient Bischof dabei der Begriff Milieu. Das Milieu einer Einrichtung setzt sich zusammen aus zahlreichen Einzelkomponenten – von der Architektur des Gebäudes, der Einrichtung, den Regeln und Abläufen im Haus bis hin zum Können und auch der Einstellung der Mitarbeiter. Das alles muss zusammenspielen, muss passen, damit sich der Erkrankte wohlfühlt.

Bischofs Methode ist die Empirie. In Interviews mit Erkrankten und Angehörigen hat er sein Instrumentarium angewendet und entwickelt. In Kapitel drei seines Buches zeigt er auf, was an äußeren Eindrücken unwillkürlich entsteht oder bewusst beobachtet werden kann und was daraus abzulesen ist. Farbanstrich und Essensgeruch im Haus werden da ebenso als Zeugen benannt wie die Stimmung im Gemeinschaftsraum. In Kapitel fünf werden persönliche Gründe für eine Heimauswahl aufgezeigt. Bischof macht deutlich, wie entscheidend der Faktor Mensch ist, wie fachliche und soziale Kompetenz erkannt und bewertet werden können.

Die Vorteile der empirischen Methode nutzt Bischof vor allem in Kapitel vier. In einer Art Glossar sind Erfahrungen zusammengefasst. Hier nimmt sich der Experte zurück und lässt die Betroffenen zu Wort kommen. Berichtet wird von Grenzen häuslicher Pflege, Ehepaaren in den Einrichtungen, der Heimauswahl nach Kostengesichtspunkten und auch kritisch von Unzufriedenheit und der Herausnahme aus einer Pflegeinrichungen.

Hier liegt die Stärke des Fachbuchs „Und wo bleibe ich?“. Es ist aus dem Leben für die Praxis. Man darf sich von der Aufmachung des Buches, den Tabellen, Statistiken und methodischen Erläuterungen nicht schrecken lassen. Sie sind Ausdruck der wissenschaftliche Korrektheit des promovierten Sozialwissenschaftlers Bischof. In Sprache und Aussagekraft ist es aber das Werk des erfahrenen Praktikers, der bundesweit Einrichtungen entwickelt und sich auch ehrenamtlich für das Thema engagiert. Es ist ein Expertenrat für Jedermann, das wird auch deutlich, wenn Bischof selbst sein Buch beschreibt: „Das Buch kann ein persönliches Gespräch nie ersetzen. Aber als Leitfaden kann es dienen. Und so ist es auch gedacht.“

Und wo bleibe ich?“ von Kurt Bischof, Band drei der Reihe „Brennpunkt Demenz“. Amberg-Verlag, Worpswede, 15,60 Euro.

Von Ulrich Lottmann

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