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Es muss blitzen und knallen

„Experimentalvortrag nach Art von Lichtenberg“ Es muss blitzen und knallen

Einen „Experimentalvortrag nach Art von Lichtenberg“ hat am Dienstag Dr. Daniel Steil im Physikalischen Institut der Georg-August-Universität Göttingen gehalten. Mit vollem Körpereinsatz und unter Zischen und Blitzen demonstrierte er mehrere Versuche des berühmten Physikers an historischen Instrumenten und Nachbauten.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. "Ich denke, das Jackett muss ich nun ablegen“, sagt Steil, und setzt sich gleich noch den gelben Schutzhelm auf. Im Lichtenberg-Hörsaal sehen ihm mehr als 200 Menschen gespannt dabei zu, wie er eine Trittleiter hochsteigt und eine Handball-große Metallkugel an einem von der Decke hängenden Haken befestigt. Die beiden Kugelhälften haften nur aufgrund des in ihrem Innern herrschenden Unterdrucks aneinander, und sollen nun das gesamte Körpergewicht des Versuchsleiters tragen. Steil hält sich mit beiden Händen fest, verlagert das Gewicht auf ein Bein und zieht dann beide Beine an: Die Kugel hält ihn.

Grundlage dieses Experiments ist die Vakuumpumpe, die Otto von Guericke 1649 erfunden hat. Um seinen Studenten ein Exemplar dieses seiner Meinung nach „göttlichen Instruments“ zeigen zu können, nahm Georg Christoph Lichtenberg einen Kredit auf. Ihr Preis von damals 450 Talern entsprach seinem Jahresgehalt. „Lichtenberg als Physiker und als Lehrer hat die Physik begriffen von der Seite des Experiments“, sagt Steil. Um von seiner Lehrtätigkeit leben zu können, hielt er 35 Stunden Vorlesung in der Woche, oft sechs Stunden am Stück. Sein Leben und Wirken ist Thema der Ring-Vorlesung „G. C. Lichtenberg – Schriftsteller, Physiker, Aufklärer“ im laufenden Sommersemester, zu der auch diese Veranstaltung gehört. Sie wird in Zusammenarbeit mit der Akademie der Wissenschaft zu Göttingen und des Universitätsbundes organisiert.

Im Verlauf des Vortrags bekommt das Publikum nicht nur eine Einführung in die Grundlagen der experimentellen Physik, sondern auch einen Einblick in Lichtenbergs Forschungspraxis. Seine Seminare hielt er in seinen Privaträumen im heutigen Lichtenberghaus, Ecke Prinzenstraße und Gotmarstraße. Seine bekannteste Entdeckung machte er dort durch Zufall: Auf der elektrisch geladenen Kupferplatte eines Elektrophors, einem Instrument zur Erzeugung von freien Ladungen, setzte sich der Staub in „kleinen Sternen“ ab, wie der Physiker selbst schreibt. Er identifiziert zwei mögliche Gebilde, die heute als Lichtenberg-Figuren bezeichnet werden. Sie entsprechen der positiven und negativen elektrischen Ladung. „Das ist die erste große wissenschaftliche Leistung Lichtenbergs“, sagt Steil. Seine Entdeckung bildete unter anderem den Ausgangspunkt für die Elektrofotografie, die heute in Fotokopierern und Laserdruckern zum Einsatz kommt. Steil zeigt diese Technik in der Praxis: Mit einem elektrisch aufgeladenen Stift zeichnet er auf die Folie eines Overhead-Projektors über Kupfer-Gaze, und schüttet vor dem gespannten Publikum Bärlappsamen darauf. Nach kurzem Schwenken ist das Profil der Lichtenberg-Statue am Alten Rathaus zu erkennen. „Ein Lichtenberg im Doppelsinn“, scherzt der Zeichner.

Neben der Vakuumpumpe und dem Nachbau eines Elektrophors stehen kreuz und quer auf dem Podium weitere Instrumente: Eine Schwungmaschine zur Untersuchung der Gravitation und der moderne Nachbau eines Heronsbrunnens, der einmal gestartet mehr als eine Stunde lang aus eigener Kraft läuft. Kameras übertragen jeden Handgriff Steils an den Geräten auf vier Bildschirme. Sie stammen aus der „Sammlung historischer physikalischer Apparate“ des physikalischen Instituts und werden ab Freitag, 30. Juni, in der Ausstellung „Dinge Denken Lichtenberg“ im Historischen Gebäude der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek zu sehen sein.

Die letzten beiden Veranstaltungen der Ringvorlesung sind für Dienstag, 4. und 11. Juli, um 18.15 Uhr geplant. Prof. Ulrich Joost referiert über Lichtenbergs Tagebücher und zum Abschluss ist die Dialektik der Aufklärung Thema einer Podiumsdiskussion. Veranstaltungsort ist die Universitätsaula, Wilhelmsplatz 1.

Von Jana Probst

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