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Hoffnungsschimmer für die Provinz?

Studentisches Forschungsprojekt Hoffnungsschimmer für die Provinz?

In der Kleinstadt Neuruppin, 70 Kilometer nördlich von Berlin, steigen Mieten und Investitionen in den Baubestand. Warum das so ist, hat eine Gruppe von Geographie-Studenten untersucht. Über das Programm Forschungsorientiertes Lehren und Lernen (FoLL) wurde die Studie finanziert.

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Stadtpolitik im Geografischen Institut (v.l.): Michael Mießner, Moana Gerber, Johanna Schlosser und Matthes Nagel.

Quelle: Markus_Hartwig

Göttingen. Steigende Mietpreise sind seit einigen Jahren ein brennendes Thema und das längst auch in Göttingen. Die Frage, die sich die studentische Forschungsgruppe aus der Geographie der Universität Göttingen gestellt hat, war, ob sich diese Entwicklung inzwischen auch in kleineren Städten bemerkbar macht.

Die Gruppe, deren Projekt von der Universität ausgewählt und mit einem eigenen Budget über das Programm Forschungsorientiertes Lehren und Lernen (FoLL) finanziert wurde, nahm dazu Neuruppin unter die Lupe.

Die 30000-Einwohner-Stadt bietet für eine Untersuchung gute Rahmenbedingungen: klein, strukturschwache Region, Berlin aber noch in Pendlerdistanz – und weil der betreuende Dozent Michael Mießner selbst von dort kommt, verfügte er über gute Kontakte vor Ort.

Die acht Studenten sprachen mit der Stadtverwaltung, Maklern und Bankern, werteten statistische Daten aus und befragten Passanten, um der Entwicklung der Mietpreise sowie dem Interesse von Bauinvestoren auf die Spur zu kommen. Bis dahin gab es keinerlei Untersuchungen in Neuruppin, auf die sie hätten aufbauen können.

Widersprüchliche Aussagen

Und es lief auch alles andere als unkompliziert: „Zum Beispiel existierten die Bodenrichtwerte, mit denen wir gearbeitet haben, nicht für alle Stadtteile und für jeden Zeitraum“, so Johanna Schlosser. „Wir hatten bei unserer Befragung von Passanten das Problem, dass eher wenige unterwegs waren“, sagt Moana Gerber. Zudem widersprachen sich die Aussagen der Experten gelegentlich – was ebenfalls erklärt werden musste. Daher gab es abends immer lange Diskussionen, um die Ergebnisse des Tages zu reflektieren.

Das Fazit: Die Investitionen in Gebäude, vor allem in der Altstadt und Plattenbau-Wohnkomplexen, nahmen zu, ebenso stieg das Mietpreisniveau an. Ein beobachteter Nebeneffekt war auch die Verdrängung von Sozialleistungsempfängern aus den sanierten Gebieten. Das Gros der Investitionen stammte aus Neuruppin selbst, doch vereinzelt tauchten auch einige überregionale Investoren auf. Neuruppin weist einen ganz leichten Bevölkerungszuwachs auf, hat mit Klinikum und Hochschule gute Standortvorteile, die Nähe zu Berlin und damit ein ausbaufähiges Potenzial.

Investitionsdynamik und Mietpreisanstieg

„Wahrscheinlich ist der Grund für die Investitionen, dass Neuruppin noch in Pendeldistanz zu Berlin liegt und es aufgrund des dort stark ansteigenden Mitpreisniveaus als verhältnismäßig sicher angesehen wird, dass die Mieten in den nächsten zehn bis 20 Jahren weiter fließen“, so Mießner. Daher lassen sich Investitionsdynamik und Mietpreisanstieg inzwischen auch in Kleinstädten beobachten.

Einfach übertragbar, etwa auf die Mittelzentren in Südniedersachsen, seien die Ergebnisse jedoch nicht. Im ländlichen Raum zwischen Kassel und Hannover sind die Mittelzentren weit weniger bedeutsam als im dünnbesiedelten Nord-Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern. Entsprechend geringer sind die Investitionsanreize.

Von seinen Studenten ist Mießner „total zufrieden und beeindruckt“. Und auch die Studenten haben viel mitgenommen: „Mir war vorher gar nicht bewusst, wie wichtig die genaue methodische Vorbereitung auf so eine Erhebung ist“, meint Moana Gerber. Für Matthes Nagel war es die Notwendigkeit der Spontaneität, „auf Menschen zuzugehen oder einfach schnell für jemanden einzuspringen“.

Wer hat’s gemacht?

Projektteilnehmer: Vincent Franke, Moana Gerber, Hanna Alice Gieseler, Jonas Hopf, Matthes Nagel, Luisa-Marie Neubauer, Julia Niemann, Johanna Schlosser

Betreuender Dozent: Michael Mießner.

Von Sven Grünewald

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