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Galerie Alte Feuerwache: Institut für Ethnologie zeigt Exponate

Thema „Arrangierte Liebe“ Galerie Alte Feuerwache: Institut für Ethnologie zeigt Exponate

Wenn sich überhaupt etwas über die Liebe sagen lässt, dann, dass sie ziemlich kompliziert ist. Ein Umstand, mit dem Menschen auf der ganzen Welt zu kämpfen haben und der im Laufe der Menschheitsgeschichte die unterschiedlichsten kulturellen Güter, Symbole und Strategien hervorgebracht hat.

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Pfeile mit Wunschformeln: Aus Botswana kommt das Exponat der Ausstellung „Arrangierte Liebe“.

Quelle: Heller

Göttingen. Studierende des Instituts für Ethnologie der Georg-August-Universität haben sich der Thematik mit der Sonderausstellung „Arrangierte Liebe“ auf interessante Weise genähert: Der von ihnen gelegte Schwerpunkt auf Gesellschaften, in denen Partnerschaften nicht selbstbestimmt eingegangen werden, erlaubt die Bildung neuer Perspektiven auf unterschiedliche kulturelle Konzeptionen von Liebe und Romantik.

Dr. Gundolf Krüger, Kustos der Ethnologischen Sammlung, hat das in Form zweier Seminare in die Lehre integrierte Projekt begleitet und zeigte sich vom Konzept überzeugt. Die Galerie Alte Feuerwache sei mit der Eröffnung ein „letzter Zufluchtsort für die Liebe“, versprach Krüger augenzwinkernd.

Und diese hat viele Manifestationen, die es wert sind, ethnologisch in den Blick genommen zu werden, wie die wissenschaftliche Hilfskraft Julia Racz erläuterte. Symbole, Artefakte, Aphrodisiaka und Liebeszauber seien in vielen Kulturen zu finden, auch die Informationsgesellschaft hat beispielsweise mit einem Arsenal aus Smileys neue Wege gefunden, Liebe auszudrücken.

Racz, die das Projekt praktisch betreut, verdeutlichte, dass die Verbindung aus Erotik, Liebe und Sexualität, wie sie beispielsweise im Kamasutra verfolgt wird, in vielen Kulturen eine Schlüsselerwartung an Partnerschaften sei.

Ein weiteres Streben der menschlichen Liebe gilt der Erweckung des Interesses des oder der Angebeteten. Davon zeugt der „Buschmannrevolver“ aus Botswana, dessen kleine Pfeile mit Wunschformeln in Richtung der Person abgeschossen werden, deren Liebe erwidert werden soll.

Ansprechende Mischung unterschiedlichster Exponate

Eine universellere Wirkung verspricht hingegen der Inhalt einer kleinen Medizinflasche aus dem Konde-Land in Tansania: Ihr schwarzes Pulver soll Männern helfen, das Interesse von Frauen zu wecken.

Kulturelle Zeugnisse müssen aber natürlich nicht gegenständlicher Natur sein: Das indische Bollywood-Kino beispielsweise erfreut sich mit über 800 Filmproduktionen im Jahr nicht nur in seinem Entstehungsland hoher Beliebtheit.

Die Essenz dieses Filmkonzepts besteht nun gerade aus der Reibung zwischen dem fremdbestimmten Arrangieren von Partnerschaften durch die Familie und dem eigenen Willen der Liebenden.

Die unterschiedliche soziale Herkunft der Liebenden stellt in diesem Konflikt meist das Grundproblem dar, dessen soziale Konformität es zu überwinden gilt. Das unausweichliche Happy-End ist damit nicht nur ein individueller Sieg der Liebe, sondern besteht auch aus der Neuverhandlung kultureller Konventionen, die wirkungsmächtig in das soziale Umfeld des Paares ausstrahlt.

Dennoch bleibt das farbenfrohe Bollywood, das mit mehreren Filmplakaten und Informationen in der Ausstellung vertreten ist, eine Wunschvorstellung.

Krüger erinnerte bei der Eröffnung zurecht an ein indisches Sprichwort, das danach fragt, ob man liebt, um zu heiraten oder heiratet, um zu lieben.

Ob das Aufkommen von Online-Partnerbörsen, von denen sich die weltweit mitgliederstärkste in Indien befindet, etwas an der arrangierten Liebe zu ändern vermag, ist nicht abzusehen – die Ausstellung des Ethnologischen Instituts kann darauf auch keine Antwort geben, stellt mit der ansprechenden Mischung unterschiedlichster Exponate aber die richtigen Fragen.

Von Jonas Rohde

Die Ausstellung „Arrangierte Liebe“ ist montags bis freitags von 10 bis 12 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie sonnabends von 11 bis 13 Uhr in der Galerie Alte Feuerwache, Ritterplan 4, zu sehen (bis 5. Mai)
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