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Gedenktafel erinnert an 95 Wissenschaftler

Vertreibung im Nationalsozialismus Gedenktafel erinnert an 95 Wissenschaftler

Am Aulagebäude erinnert eine Gedenktafel an die 95 Wissenschaftler der Georg-August-Universität, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurden. Geschichtsprofessor Dirk Schumann vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte hat die Gedenktafel mit einer Gruppe Studierender erarbeitet.

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Gedenktafel am Aulagebäude der Universität Göttingen: Sie wurde am Sonnabend enthüllt und erinnert an 95 im Nationalsozialismus verfolgte Wissenschaftler und Mitarbeiter der Hochschule.
 

Quelle: Peter Heller

Göttingen.  Am Aulagebäude erinnert eine Gedenktafel an die 95 Wissenschaftler der Georg-August-Universität, die von den Nationalsozialisten vertrieben wurden. Geschichtsprofessor Dirk Schumann vom Seminar für Mittlere und Neuere Geschichte hat die Gedenktafel mit einer Gruppe Studierender erarbeitet.

„Viele kehrten nicht mehr zurück. Die Erinnerung an sie wachzuhalten und sich der Verantwortung für das ihnen zugefügte Leid zu stellen, bleibt Pflicht der Universität“ heißt es auf der Tafel. Sie wurde am Sonnabend enthüllt und ist dort, sichtbar am Wilhelmsplatz, auf Anregung der Göttinger Hinrich Lange und Prof. Friedhelm Zubke angebracht worden.

„Zu Recht haben sie darauf aufmerksam gemacht, dass es mittlerweile zwar schon mehrere Gedenktafeln zur Erinnerung an verfolgte und vertriebene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Göttingen gibt, diese jedoch für die allgemeine Öffentlichkeit nicht sichtbar sind“, erklärte Schumann in seiner Rede am Eingang des Aulagebäudes. Der nun an öffentlicher Stelle mögliche Blick auf die von den Nationalsozialisten verfolgten und vertriebenen Wissenschaftler ändere das.

Die Gedenktafel soll den Bürgern, aber auch den Gästen der Stadt gleichermaßen Mahn-, Gedenk- und Erinnerungsort sein, erklärte Universitätspräsidentin Ulrike Beisiegel bei der Enthüllung. „Die aktive und öffentliche Auseinandersetzung mit diesem Unrecht an der Universität Göttingen wurde – wie an vielen anderen Hochschulen in Deutschland – umfassend leider erst erschreckend spät, nämlich in den 1980er Jahren begonnen. Die Gedenktafel für 53 verfolgte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Kleinen Aula war ein erstes sichtbares Ergebnis dieser Auseinandersetzung. Sie wurde gleichwohl erst 1989 angebracht.“

„James Franck gehörte zu den wenigen, die im Angesicht der Verfolgungen unter dem Deckmantel des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums 1933, nicht tatenlos zusahen. Obwohl ihn sein Status als Weltkriegsveteran vor einer persönlichen Verfolgung (noch) schützte, reichte er angesichts der Entlassungen an der Universität seine Kündigung ein. Er schrieb: „Ich darf sagen, dass ich solange in Treue gedient habe, wie ich es in Ehren tun konnte. Unter den heutigen Umständen Staatsbeamter zu bleiben, verbietet mir eine innere Notwendigkeit“. Dieser Satz steht über der Tafel in der Kleinen Aula. Diese innere Notwendigkeit würde ich heute als gesellschaftliche Verantwortung übersetzen.“

Mit den Studierenden Eric Angermann, Eva Klay, Julia Kopp, Jan Oestreich, Jennifer Stümpel und Tobias Trutz übernahmen Schumann und Beisiegel die Gestaltung. Die Studierenden hatten bereits im Vorjahr mit Schumann die Stele für das sogenannte „Judenhaus“ in der Weender Landstraße entworfen. Nun nahm die Gruppe den Vorschlag auf und erarbeitete Text und Gestaltung der neuen Gedenktafel.

Zu Beginn habe die Überlegung gestanden, welchen Fortschritt die Forschung seit der 1989 in der Kleinen Aula angebrachten Gedenktafel gemacht habe. Dafür sei die Studie von Aniko Szabó, die mit großer Akribie das Schicksal der verfolgten und vertriebenen Professoren, aber auch der verfolgten und vertriebenen wissenschaftlichen Mitarbeiter untersuchte, eine wichtige Grundlage gewesen mit neuen Erkenntnissen.

„Es schien uns deshalb angemessen und geboten, eine Tafel zu entwerfen, die an alle verfolgten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Göttingen erinnert, unabhängig von deren damals erreichtem Status“, erklärte Schumann abschließend in seiner Rede. Er stellte kurz auch die Webseite ns-zeit.uni-goettingen.de vor, die auf die Tafel verweist und die Geschichte der Georg-August-Universität im Nationalsozialismus.

Die Wissenschaftler

Rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät

Julius von Gierke

Franz Gutmann

Richard Martin Honig

Herbert Kraus

Gerhard Leibholz

Richard Passow

David Daube

Medizinische Fakultät

Kurt Blühdorn

Robert Brühl

Rudof Ehrenberg

Hugo Fasold

Hans Handovsky

Paul Hoch

Adolf Kappus

Hermann Krayer

Walter Putschar

Werner Rosenthal

Karl Saller

Felix Stern

Helmut R. Gutmann

Gustav Hatschek

Ewald Loewenthal

Philosophische Fakultät

Curt Bondy

Hermann Fränkel

Moritz Geiger

Gustav Haloun

Hans Hecht

Alfred Hessel

Kurt Latte

Alfred von Martin

Georg Misch

Herman Nohl

Nikolaus Pevsner

Wolfgang Stechow

Gerda Krüger

Horst Frenz

Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät

Paul Bernays

Felix Bernstein

Max Born

Richard Courant

Heinrich Düker

James Franck

Viktor-Moritz Goldschmidt

Walter Heitler

Paul Hertz

Arthur von Hippel

Kurt Hohenemser

Heinrich Kuhn

Spiro Kyropoulus

Ademund Landau

Hans Lewy

Otto Neugebauer

Wilhelm Neuhaus

Emmy Noether

Lothar Nordheim

Otto Oldenberg

William Prager

Carl Ludwig Siegel

Hertha Sponer-Franck

Hans von Wartenberg

Hermann Weyl

Max Adler

Herbert Busemann

Hanna von Caemmerer-Neumann

Ernst Caspari

Eva Ehrlich

Werner Fenchel

Heinrich Hauptmann

Hans Arnold Heilbronn

Jolan Heumann

Hans Jaffe

Frith John

Fritz Viktor Lenel

Rudolf Lüneburg

Kurt Mahler Kurt Mahler wiki

Peter Misch

Erwin Oeser

Eugene Rabinowitch

Gerhart Rathenau

Peter Scherk

Martin Schwarzschild

Hans Schwerdtfeger

Heinz Steinhaus

Martin Stobbe

Eduard Teller

Stefan Warschawski

Wolfgang Wasow

Karl Weigert

Rupert Wildt

Forstakademie Hann. Münden

Richard Falck

Otto Reis

Institut für Leibesübungen

Bernhard Zimmermann

Universitätsbibliothek

Fritz Loewenthal

Kurt Schellenberg

Wilhelm Vogt

Von Angela Brünjes

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