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Genetische Monogamie bei Nachtaffen (Aotus azarae)

Biologen untersuchen Proben von 128 Tieren Genetische Monogamie bei Nachtaffen (Aotus azarae)

Echte Monogamie ist sehr selten. Selbst bei Tierarten, die als treu gelten, wurden in Vaterschaftstests immer wieder Kuckuckskinder nachgewiesen. Maren Huck und ihre Kollegen haben jetzt eine Affenart gefunden, die tatsächlich hundertprozentig treu zu sein scheint: der Azara-Nachtaffe (Aotus azarae).

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Göttingen. Die Biologen konnten zeigen, dass alle 35 untersuchten Jungtiere tatsächlich von den Eltern abstammen, die sie auch aufziehen.

Eine Analyse von 15 paarlebenden Säugetieren zeigte zudem, dass es einen starken Zusammenhang gibt zwischen Treue und dem Engagement der Männchen bei der Aufzucht der Jungtiere (Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences).

„Wir sind die ersten, die echte Treue bei Affen nachweisen konnten. Überhaupt gibt es nur vier Studien an Säugetieren, die genetische Monogamie zeigen“, sagt Huck. Die Biologin hat die Nachtaffen Argentiniens während ihrer Zeit als DFG-Stipendiatin am Deutschen Primatenzentrum mit Kollegen von der University of Pennsylvania (USA) untersucht.

Treue Männer, gute Väter

Nachtaffen-Männchen sind nicht nur treu, sondern auch fürsorgliche Väter. „Wenn der Vater sicher sein kann, dass der Nachwuchs seine Gene trägt, dann lohnt es sich auch, viel in die Jungenaufzucht zu investieren“, so Huck.

Nachtaffen-Paare binden sich sehr eng aneinander und die Männchen übernehmen einen großen Teil der Jungenaufzucht: Sie spielen mit dem Nachwuchs und tragen ihn herum. Dies war seit längerem bekannt, man wusste nur nicht, ob die sozialen Eltern auch wirklich die genetischen Eltern der Jungtiere sind. Um dies zu überprüfen, sammelten die Wissenschaftler Proben von 128 Tieren.

So erhielten sie genetische Analysen von 35 Jungtieren und 17 sich fortpflanzenden Paaren sowie von einigen weiteren Paaren und Einzeltieren. „In den 18 Jahren, in denen das Nachtaffen-Projekt läuft, haben wir kein einziges Mal ein Fremdgehen beobachtet. Allerdings waren wir doch überrascht, dass wir tatsächlich kein einziges Kuckuckskind gefunden haben“, sagt Eduardo Fernandez-Duque, Professor an der University of Pennsylvania und Direktor des Nachtaffen-Projekts in Argentinien.

15 Säugetierarten verglichen

Um herauszufinden, wie genetische Monogamie entstanden ist und unter welchen Bedingungen sie vorkommt, haben die Forscher 15 monogam lebende Säugetierarten verglichen, darunter neben Primaten auch Spitzhörnchen, Antilopen und Kusus. Es stellte sich heraus, dass im Allgemeinen die Arten besonders treu sind, bei denen die Männchen viel zur Jungenaufzucht beitragen. Auch die Stärke der Paarbeziehung, gemessen daran, wie viel Zeit die Tiere miteinander verbringen, spielte eine Rolle.

Allerdings wissen die Forscher nicht, was zuerst da war: die fürsorglichen Väter oder die genetische Monogamie. „Es spielen sicherlich auch noch andere Faktoren eine Rolle, zum Beispiel haben manche Tiere aufgrund ihrer Ernährungsweise mehr Gelegenheiten zum Fremdgehen als andere“, so Huck. Ein guter Vater zu sein kann auch eine Strategie der Männchen sein, um für Weibchen attraktiv zu erscheinen.

„Paarbindungen, man könnte auch Liebe sagen, sind in allen menschlichen Gesellschaften vorhanden, während Vaterschaft variabler ist“, sagt Eduardo Fernandez-Duque. „Die Nachtaffen-Studie legt nahe, dass, unter bestimmten ökologischen Bedingungen, die Nähe zu einem Partner dazu führt, dass die Partner mehr Zeit miteinander verbringen und dies dann bewirkt, dass die Väter sich stärker in die Jungenaufzucht einbringen und dass sie eine größere Gewissheit darüber haben, ob sie der genetische Vater sind. Dies führt dann zu genetischer Monogamie.“

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