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Bachelor-Studenten präsentieren Projekte

Forschungsorientiertes Lernen Bachelor-Studenten präsentieren Projekte

Bachelor-Studenten präsentieren ihre Forschung: Beschäftigt haben sie sich mit Mietpreisdruck, plattdeutschem Erzählen, einem Algorithmus für einen Teilchenbeschleuniger und mit der Frage, ob indirekt gelogen immer noch gelogen ist.

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Susanne Wimmelmann mit Geografie-Student Matthes Nagel und Jörn Alphei (von links).

Quelle: Sven Grünewald

Göttingen. Das Projekt Forschungsorientiertes Lehren und Lernen (FoLL) hat seine 13. Runde beendet: Vier Studenten-Gruppen aus den Geo- und Geisteswissenschaften sowie aus der Physik, haben sich mit aktuellen Problemstellungen befasst, deren Ergebnisse sie nun präsentierten.

Was haben ein explodierender Kuchen und Kinderzeichnungen gemein? Sie sind das Ergebnis eines spannenden Ansatzes, Studenten möglichst früh zu ermöglichen, unter Anleitung von Dozenten eigene Forschungsprojekte zu bearbeiten. Das Projekt FoLL, das aus Bundesmitteln finanziert wird, soll genau das möglich machen. Jedes Semester können Bachelor-Studenten sich mit eigenen Forschungsprojekten uniintern bewerben – inklusive eines Finanzierungsplans. Denn: Es winkt eine Förderung von 5000 Euro. Geld, das für Exkursionen, Workshops, Sachmittel oder ähnliches eingesetzt werden kann, um das Projekt durchzuführen.

Pro Semester haben fünf bis sieben Teams die Möglichkeit, an FoLL teilzunehmen, sagt Susanne Wimmelmann, die FoLL seit Beginn koordiniert. „Im Laufe der bisher 13 FoLL-Durchläufe sind insgesamt 82 Projekte entstanden, rund 650 Studenten hatten so die Möglichkeit, sich praktisch und praxisnah auszuprobieren.“

„Mietpreisdruck – längst kein Großstadtphänomen mehr?!“: Das Team aus der Geographie ging der Frage nach, ob die Sättigung des Wohnungsmarktes in Großstädten zu einem Immobilienboom in kleineren Städten führt. Als Beispiel wurde Neuruppin vor den Toren Berlins untersucht. Im Ergebnis ließ sich tatsächlich ein Einfluss von Berlin feststellen – durch gestiegenes Pendleraufkommen, Zuzüge und überregional tätige Bauinvestoren, die vereinzelt und dann insbesondere im Bereich der historischen Altstadt investieren. Ein regelrechter Immobilienboom sei, so das Team, aber mittel- bis langfristig nicht zu verzeichnen. In den Randgebieten und damit dem Plattenbau etwa flössen kaum Investitionen, so dass dort, im Gegensatz zur Altstadt, die Mietpreise vergleichsweise stabil blieben.

„Wie erzählt der Norden?“: Das Team aus der Germanistik-Abteilung Mediävistik knöpfte sich eine Auswahl niederdeutscher und frühhochdeutscher gedruckter Erzähltexte aus der Zeit um 1500 vor. Die Frage war, ob und inwiefern auf Platt anders erzählt wurde. Dazu transkribierte die Gruppe die Originaltexte in eine Datenbank und versah sie mit einer Verschlagwortung, die eine Auswertung und den Vergleich ermöglichte. So wurde zum Beispiel ersichtlich, dass das Niederdeutsche eine viel größere Vielfalt an Schreibweisen aufweist. Im Ergebnis zeigte sich zudem, dass die niederdeutschen Texte teils sehr viel länger sind als ihre hochdeutschen Pendants. Der Grund: mehr Ausschmückungen und kontextualisierende Erklärungen.

„Von der Teilchenkollision über den Pixel zum Computer“: Das Team aus der Physik absolvierte einen Forschungsaufenthalt in Genf am dortigen Teilchenbeschleuniger des CERN. Ihr Ziel: einen Computer-Algorithmus zu programmieren, der die Datenübertragung aus dem Atlas-Detektor so kalibriert, dass die Signale optimal fehlerbereinigt sind. Notwendig ist das, weil die Datenmengen, die bei der Kollision von Elementarteilchen entstehen, riesig sind und ihre Auswertung entsprechend anspruchsvoll ist. Das Team fasste die Komplexität der Vorgänge mit einem amüsanten Bild zusammen: Sie sei vergleichbar mit einem Kuchen, den man in die Luft jagt und sich dann die Frage stellt, welche Farbe eigentlich die Eier hatten. Am Ende standen zwei Algorithmen zur Verfügung, von denen nach umfangreicher Testung ein sogenannter Fit-Algorithmus dem CERN präsentiert werden konnte.

„Kann man indirekt lügen?“: Das Team der germanistischen Linguistik eröffnete mit einem Beispiel einen Eintrag im Logbuch. „Der Kapitän war heute nicht betrunken.“ Die Frage, der die Gruppe nachging, lautete: Wird diese indirekte Lüge vom Betrachter auch als Lüge wahrgenommen? Theoretische Annahmen sagten, dass solche Aussagen einer Lüge entsprechen. Doch nahmen das auch Testpersonen so wahr? Das Team entwickelte einen Testaufbau, für den Bilder gezeichnet, vertont und zu einem Video geschnitten wurden. Dieses wurde vier Altersgruppen vorgeführt: Kindern im Alter von 5/6, 7, 8/9 sowie Erwachsenen. Es zeigte sich, entgegen der Annahmen, dass alle Gruppen und also auch schon Kinder in einem sehr jungen Alter solche indirekten Lügen auch als Lügen ansehen.

Inzwischen ist das Projekt FoLL an der Universität gut verankert. Von den 13 Fakultäten waren elf bereits mit Beiträgen dabei. Spitzenreiter ist die Philosophische Fakultät, was aber auch daran liegen könne, dass es schlicht die studentenreichste Fakultät ist, meint Susanne Wimmelmann.

Ihre Erfahrung nach 13 Semestern: Während die Projekt-Akquise anfangs verstärkt über die Dozenten lief, bewerben sich inzwischen immer mehr Studententeams aus eigener Initiative. Projekte kommen zustande, indem Lehrende solche Projekte ausschreiben oder sich Studenten selbst zusammentun, indem sie beispielsweise aus einem Seminar eine Forschungsfrage entwickeln.

FoLL ist ein Baustein des Göttingen Campus Q Plus Programms, mit dem die Universität die Lehrbedingungen verbessern will. „Es ist einer der größeren Baustein“, sagt Franziska Peukert, die die Pressearbeit für Campus Q Plus macht, weil sehr viele Studenten dieses Projekt durchlaufen.

„Uns ist wichtig, dass es sich um eigene Projekte von Bachelor-Studierenden handelt, die möglichst früh im Studium die Möglichkeit erhalten sollen, den Forschungsprozess kennenzulernen und selbstständig zu forschen“, betont Jörn Alphei, stellvertretender Leiter der Abteilung Studium und Lehre der Uni.

Dass die Idee ankommt, Spaß macht und eine Menge Erfahrung mit sich bringt, machten die Teams bei ihren Präsentationen deutlich. So wie Physiker Janning Meinert: „Wir sind FoLL beflügelt und FoLL dankbar.“

Von Sven Grünewald

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