Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 0 ° Schneeschauer

Navigation:
Göttinger Unibibliothek gibt NS-Raubgut zurück

Bücher und Karten Göttinger Unibibliothek gibt NS-Raubgut zurück

Drei Bücher zur Geschichte der Kunst und mehr als 4000 Landkarten hat die Universitätsbibliothek in Straßburg erhalten. Sie stammen aus der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB), wo die Werke seit dem zweiten Weltkrieg lagerten.

Voriger Artikel
Neuer Standort für Sammlungen der Universität Göttingen
Nächster Artikel
2000 Gäste beim Tag der offenen Tür in der Göttinger Sternwarte

Karte aus der „Preußischen Landesaufnahme“ mit Verzeichnung von Freyburg (Unstrut) und Besitzstempeln der Universitäts- und Landesbibliothek Straßburg sowie der SUB.

Quelle: BNU-JPR

Göttingen. Noch im Jahr 1961 waren sie in den Bestand der SUB eingearbeitet worden. 2008 wurden sie als vermutlich unrechtmäßiger Besitz entdeckt  und der Verdacht später in einem Projekt zur Ermittlung von NS-Raubgut in den Beständen der Göttinger Bibliothek bestätigt.

Bei den Werken handelt es sich um drei großformatige Bände zur Geschichte der Kunst in Indien und Siam sowie um ein Kartenwerk mit mehr als 4   000 Landkarten zur Topographie des Deutschen Reiches.

Am Donnerstag übergab der stellvertretende SUB-Direktor Dr. Rupert Schaab die Werke an Albert Poirot, Generaldirektor der Bibliothèque nationale et universitaire Strasbourg (BNU). Zugleich wurde eine von Mitarbeitern beider Bibliotheken ausgearbeitete Publikation über die Geschichte der Werke vorgestellt.

In der Publikation wird dargestellt, dass Dr. Karl Julius Hartmann neben seiner Tätigkeit als Direktor der Göttinger Bibliothek von 1941 bis 1945 zugleich kommissarischer Direktor der Straßburger Bibliothek war.

Er sorgte dafür, dass die nach 1940 getätigten Erwerbungen der Straßburger Bibliothek, darunter auch die nun zurückgegebenen Werke, im September 1944 an die Göttinger Bibliothek gebracht wurden, um sie vor den vorrückenden Alliierten zu sichern. Im Jahr 1946 wurden die verlagerten Bestände mit mehr als 30   000 Bänden zurück nach Straßburg gebracht.

Warum die nun zurückgegebenen Werke damals in Göttingen verblieben, lässt sich bisher nicht ermitteln. Möglicherweise waren sie aufgrund ihres Großformates nicht mit den übrigen Beständen aus Straßburg gelagert und daher zunächst übersehen worden.

„Die enge und fruchtbare Zusammenarbeit, die sich zwischen der Göttinger und unserer Bibliothek entwickelt hat, hat es nicht nur erlaubt, die entwendeten Bestände zu identifizieren und zurückzugeben, sondern auch die deutsch-französischen kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen weiter zu stärken“, sagte BNU-Generaldirektor Poirot.

„Es ist ein Ausdruck der wachsenden Zusammengehörigkeit in Europa, dass die geteilte Geschichte nun als gemeinsame Geschichte erfahren wird und die Rückgabe so eine Selbstverständlichkeit wurde“, stellte der stellvertretende SUB-Direktor Schaab fest.

Von 2009 bis 2011 führte die SUB mit Unterstützung der Arbeitsstelle für Provenienzrecherche und -forschung am Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin – Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein Projekt zur Ermittlung von NS-Raubgut in ihren Beständen durch, bei dem rund 1  100 Bücher als eindeutige oder verdächtige NS-Raubgutfälle ermittelt wurden.

Diese Fälle wurden der Internetdatenbank der Koordinierungsstelle für Kulturgutverlust „Lost Art“ gemeldet und können im Göttinger Universitätskatalog recherchiert werden. Die SUB setzt ihre Bemühungen weiterhin fort, unrechtmäßig erworbene Bücher ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzuerstatten.

eb

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Universitätsbibliothek Posen

Die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB) hat der polnischen Universitätsbibliothek Posen 38 Bücher übergeben, die während der Zeit des Nationalsozialismus in den Bestand der Göttinger Bibliothek aufgenommen worden waren.

  • Kommentare
mehr

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus