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Gott und die unstillbare Suche nach dem Lebenssinn

Akademiewoche Gott und die unstillbare Suche nach dem Lebenssinn

Am vorletzten Tag seiner offiziellen Berufstätigkeit hat sich Joachim Ringleben, Professor für Systematische Theologie an der Universität Göttingen, in seinem Vortrag zur 6. Göttinger Akademiewoche einer existenziellen Grundfrage gewidmet. „Wieviel Religion braucht der Mensch?“ lautete das Thema des Vortrags.

Die Formulierung sei an den Titel von Tolstois Erzählung „Wieviel Erde braucht der Mensch?“ angelehnt, erläuterte Ringleben eingangs, um klarzustellen, dass „die Antwort des Erdhügels auf dem Friedhof“ nicht hinreichend sei. Die Frage setze voraus, dass der Mensch Religion brauche, um Mensch zu sein, um sich „im vollen und wesentlichen Sinne in seinem Menschsein zu verstehen“, genauer: „Der Mensch braucht Gott, um Mensch zu sein“. Denn Gott sei „das entscheidende Schlüsselwort, in dem wir uns in unserer Suche nach Identität finden können.“

Im Innerweltlichen, so Ringleben, gebe es keine Antworten auf Sinnfragen. Dabei sei „ins Leben und Dasein eine tiefe Unruhe eingestiftet“, die der Ursprung der Religion überhaupt sei. Das habe Martin Luther mit dem Satz „Eines Menschen Herz ist wie ein Schiff auf einem wilden Meer“ in ein fassbares Bild gebracht. „Die Frage nach dem Sinn macht den Menschen zum Menschen“, fasste Ringleben diesen Aspekt zusammen.
Und dieser „unstillbare Suche nach dem Lebenssinn“ könne „nur das unendliche Wort Gott genügen“. Die Religion sei „der tiefste Meeresgrund, der ruhig bleibt, wie hoch auch die Wellen oben gehen.“ Und Gott sei „der Sinnhorizont für den, der von ihm redet“, er sei „die alles bestimmende Wirklichkeit“.

Diese Gedanken setzte Ringleben mit Thesen des Philosophen Ludwig Wittgenstein in Beziehung, der eine ausgesprochen kritische Haltung zu Gottesbeweisen eingenommen habe. Religiöser Glaube habe nichts damit zu tun, fragwürdige Lehren für wahr zu halten. Man müsse „von etwas ergriffen und umgedreht werden“ und „sich offen halten für immer neues Andringen der Sinnfragen“. Denn Gott bringe sich „wieder und wieder in Erinnerung“, ja er dränge sich immer wieder auf.
„Die Frage nach dem Sinn bedarf der sprachlichen Artikulation“, hob Ringleben hervor. Der Begriff Logos enthalte die Einheit von Wort und Sinn. Das Leben ohne Wort sei unsicher und dunkel. Abschließend ging der Vortragende auf den Glauben an Christus ein. „Weil der Mensch eine Frage ist, ist Gottes Antwort ein Mensch“, stellte Ringleben klar. Die Rückkehr zur Religion sei „die Hinkehr des Menschen zu seiner Zukunft als Mensch, nicht etwa eine Wiederkehr von etwas Verdrängtem“.

Von Michael Schäfer

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