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Hofstetter über künstliche Intelligenz

Kultur / Göttinger Literaturherbst Hofstetter über künstliche Intelligenz

„Das Ende der Demokratie. Wie die künstliche Intelligenz die Politik übernimmt und uns entmündigt“. Das klingt nach Verschwörung. Yvonne Hofstetter, Geschäftsführerin einer Firma, die auf Datenauswertung spezialisiert ist, hat darüber geschrieben. Ihr Buch stellt sie beim Göttinger Literaturherbst vor.

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Yvonne HofstetterR

München/Göttingen. Hofstetter nimmt ihre Leserschaft mit auf eine gedankliche Reise. Was wäre, wenn? Das ist die zentrale Frage. Was wäre, wenn künstliche Intelligenz in nicht allzu ferner Zukunft aktiv in die Politik eingriffe? Wäre sie eine Gefahr für die Demokratie? Oder doch eher eine Chance für ihre Erhaltung? Welche Rahmenbedingungen müssten für einen demokratisch legitimierten und humanen Einsatz von künstlicher Intelligenz vorhanden sein?

Dass Hofstetter hier dringlichen Handlungsbedarf sieht, wird schnell klar. Nachdrücklich erklärt sie, wie weit individuelle Freiheit, immerhin ein zentraler Begriff im europäischen Selbstverständnis, schon jetzt eingeschränkt wird durch Digitalisierung, durch das immer weiter verwobene Internet der Dinge auf dem Weg zu einem digitalen Superorganismus, eingeschränkt vor allem durch die nahezu unregulierten Machtpositionen einiger weniger, marktbeherrschender US-Internetkonzerne.

Die Autorin erklärt, wie Digitalisierung und die Analyse riesiger Datenmengen funktionieren. Sie zeigt dabei auch, wie viel Gegenleistung Menschen für vermeintlich kostenlose Angebote wie Facebook und Co zahlen, meist, ohne sich dessen bewusst zu sein. Bequemlichkeit und aktiv wahrgenommene Freiheit, die immer wieder Entscheidungen verlangt, passen eben nur begrenzt zueinander.

Nicht immer sind die auf Kybernetik und Komplexitätsforschung beruhenden Prozesse von Datenanalyse und Manipulation ganz leicht zu verstehen. Vielleicht einer der Gründe, warum das Thema bisher in der öffentlichen Diskussion so wenig eine Rolle spielt. Hofstetter gelingt es aber, die wesentlichen Punkte auch für Laien nachvollziehbar zu machen und dadurch die Dringlichkeit einer Beschäftigung mit dem Thema zu verdeutlichen.

Ein wichtiges Element in Hofstetters Buch sind verschiedene Zukunftsszenarien, anhand derer sie Entwicklungsmöglichkeiten für künstliche Intelligenz zeigt. Das Ziel: Die Demokratien Europas schützen und stabilisieren. Welche Chancen und Risiken künstliche Intelligenz dabei bietet, zeigt ganz anschaulich. Auch, welche Herausforderungen bei ihrer Entwicklung warten. Komplexe Systeme bewegen sich immer auf einem schmalen Grat, schwanken zwischen Stabilität und Chaos, zwischen Utopie und Dystopie.

Ob und wie klassisches Recht hierfür Rahmen schaffen kann, da kommt Hofstetters Expertise als Juristin ins Spiel. Umgebungsrecht und vor allem ein neuer Prozess der Legitimierung sind hier wichtige Stichworte. Denn die Autorin wirft nicht nur Fragen auf, sondern zeigt auch Wege, wie eine digitale Zukunft menschlich und mit den Werten, auf denen europäische Demokratien beruhen, in Übereinstimmung gebracht werden kann. Hofstetter widmet ihr Buch dem Europäischen Parlament, wohl nicht zuletzt in der Hoffnung, dass dies der Platz sein möge, an dem möglichst bald grundsätzlich die aktive Gestaltung unser aller digitaler Zukunft angegangen wird.

Yvonne Hofstetter: Das Ende der Demokratie, C. Bertelsmann, 22,99 Euro, auch als Taschenbuch und eBook verfügbar. Die Autorin stellt ihr Buch in der Reihe „Wissenschaft beim Göttinger Literaturherbst“ am Mittwoch, 18. Oktober, um 19 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14, vor. Tickets kosten 14 Euro. Sie können in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt erworben werden.

Von Isabel Trzeciok

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