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Humorvoller Mathematiker von Rang

David Hilbert Humorvoller Mathematiker von Rang

Keine andere Stadt kann sich rühmen, im 19. und 20. Jahrhundert die größten deutschen Mathematiker beheimatet zu haben: Carl Friedrich Gauß und David Hilbert. Am 23. Januar feiern viele Gelehrten in aller Welt Hilberts 150. Geburtstag.

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Ende der 1930er-Jahre: David Hilbert bei einer Vorlesung.

Quelle: Mathematisches Forschungsinstitut Oberwolfach, Oberwolfach Photo Collection (CC BY-SA 2.0 DE), Author: Kay Piene

Göttingen. Der Mathematiker Felix Klein (1849-1925) setzte sich dafür ein, dass 1895 Hilbert als 33-Jähriger  an die Georgia Augusta berufen wurde. Hilberts Heimatstadt Königsberg stach als weltoffene aufgeklärte Stadt stark von Göttingen mit seinem akademischen Standesdünkel ab. Hilbert entstammte einer protestantischen Juristenfamilie mit freiheitlichen Ansichten. Dennoch blieb er Göttingen trotz zahlreicher auswärtiger Rufe treu und führte die Universität in den folgenden 37 Jahren zu einem Gipfel wie kein anderer vor ihm.

Durch sein Buch zur Zahlentheorie 1897, seine Axiomatisierung der Geometrie 1899 und seinen Vortrag in Paris 1900 über 23 mathematische Probleme wurde Hilbert weltberühmt: Damit legte er ein Programm für die gesamte Mathematik des 20. Jahrhunderts dar. Die Studenten strömten nach Göttingen – viele von ihnen wurden berühmte Forscher. Klein verstand es, so viele öffentliche und private Gelder einzuwerben, dass sich ein ganzer Stadtteil naturwissenschaftlicher Institute bildete: Göttingen wurde zum „Mekka der Mathematik und Physik“.
Seine Kollegen waren sich rasch Hilberts exzeptionellen Ranges bewusst. Es befremdete aber viele, dass der jungenhafte Professor mit Studenten wie mit Gleichen Billard spielte und Wanderungen mit wissenschaftlichen Gesprächen verband.

Hilberts „Reformpartei“ kämpfte in der Philosophischen Fakultät lange Jahre für das Frauenstudium und die Zulassung der genialen Emmy Noether zur Dozentur. Genauso liberal war seine politische Überzeugung: Der Pazifist Albert Einstein zählte ihn 1918 zu seinen ganz wenigen „echten Gesinnungsgenossen“.

Kleins und Hilberts Lieblingsidee, der Bau eines modernen mathematischen Instituts, ließ sich bis zu Kleins Tod 1925 nicht realisieren. Erst sein Nachfolger Richard Courant vermochte es, das Geld für den Neubau bei der Rockefeller Foundation locker zu machen. Aber auch Hilbert hätte seine Einweihung 1929 fast nicht mehr erlebt. 1925 erkrankte er an Anämie. Durch Courants Bemühung erhielt Hilbert aus den USA ein neues Präparat, das ihm das Leben rettete. Wie eng die drei Mathematiker in Göttingen verbunden waren, kann man noch heute sehen: Alle drei wohnten nahe beieinander in der Wilhelm-Weber-Straße.

1933 zerstörten die Nazis das Göttinger Mekka der Mathematik und Physik: Felix Bernstein, Max Born, Courant, James Franck, Edmund Landau, Emmy Noether und viele andere wurden als „Nicht-Arier“ oder  „Demokraten“ entlassen. Hilberts Nachfolger Hermann Weyl verließ Göttingen freiwillig. Als der NS-Wissenschaftsminister Rust bei einem Empfang 1935 Hilbert fragte, ob das mathematische Leben in Göttingen gelitten habe, antwortete er: „Jelitten? Dat hat nich jelitten, Herr Minister, dat jibt es doch janich mehr.“
Für Hilbert waren die Nazis Verbrecher und er hoffte, das Ende der „Hitlerei“ zu erleben. Doch er starb am 14. Februar 1943. Sein Grabstein auf dem Göttinger Friedhof trägt sein optimistisches Lebensmotto: Wir müssen wissen, wir werden wissen.

Das Mathematische Institut in der Bunsenstraße ist das Denkmal der großen wissenschaftlichen Blüte Göttingens aus dem Geiste Hilberts. Universität und Stadt sollten es als einen ihrer kostbarsten Schätze hüten.

Von Klaus P. Sommer
und Daniela Wünsch

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