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Unterstützung für geflüchtete Akademiker

„Integration durch Qualifikation“ Unterstützung für geflüchtete Akademiker

Sie sind Architekt oder Zahnarzt von Beruf, haben Informatik studiert oder eigene Firmen geführt. Nach ihrer Flucht nach Deutschland suchen elf Syrer und Jemeniten eine Stelle oder wollen weiter studieren. Dabei hilft ihnen ein Seminar, das die Bovender Heimvolkshochschule Mariaspring erstmals angeboten hat.

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Quelle: Arne Bänsch

Bovenden. „Nicht alle im Ausland erworbenen Bildungsabschlüsse werden in Deutschland anerkannt“, so Constanze Stange, stellvertretende Leiterin der Ländlichen Heimvolkshochschule. Nicht jeder Abiturient könne in der Bundesrepublik ein Studium beginnen. Beim Überwinden solcher Hürden wolle das Netzwerk „Integration durch Qualifikation“ helfen, das die Seminare in Bovenden finanziere. Das Netzwerk werde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie dem Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert und vom Land Niedersachsen kofinanziert.

„Die Teilnehmer des fünftägigen Seminars erhalten Informationen zu einem Studium in Deutschland und dem deutschen Arbeitsmarkt“, berichtet Stange. Das Seminar vermittle Kenntnisse über die deutsche Geschichte und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Teilnehmer würden interkulturelle Kompetenzen erwerben, aber auch Übungen zum Teambuilding machen.

„Die Organisation des Seminars ist gut, das Essen lecker und die ganze Einrichtung sehr sauber“, lobt Zahnarzt Ahmed Katah (51) aus dem syrischen Aleppo. 25 Jahre, bis zu seiner Flucht nach Deutschland 2015, habe er in seinem Beruf gearbeitet, erzählt er. Seither habe er sich Grundkenntnisse der deutschen Sprache angeeignet. Von den fortgeschrittenen Kenntnissen, die er für die Ausübung seines Berufs benötige, sei er noch weit entfernt.

Bei mehreren Firmen hat sich Architekt Basel Hafez (40) aus Bad Harzburg vorgestellt, vergebens. In Aleppo sei er im Staatsdienst tätig gewesen. Er suche über das Internet weiter. Wahrscheinlich müsse er in eine Großstadt umziehen.

Architektur hat auch Omar Alkhatib (25) aus der Region Damaskus studiert. Einen Abschluss, habe er wegen des Kriegs nicht gemacht. 2015 sei er nach Deutschland gekommen. In den vergangenen Monaten habe er sich auf die Prüfung „Deutsche Sprache für den Hochschulzugang“ vorbereitet. Wenn er sie bestehe, beginne er im September an der Technischen Universität in Clausthal-Zellerfeld ein Informatikstudium.

Eine Ausbildung zum Informatiker will Majd Kasr (26) aus Aleppo absolvieren. Nach dem Abitur, erzählt er, habe er eine eigene Firma aufgebaut, mit Textilien gehandelt und eine Geflügelfarm betrieben. Bereits einen Uniabschluss als Informatiker hat Muhammed Anis (24) aus Aleppo. Der Abschluss werde in Deutschland anerkannt, wenn er ein halbjähriges Praktikum absolviere, sagt er. Eine Herausforderung sei das deutsche Fachvokabular.

Von dem Seminar in Bovenden haben die Teilnehmer in Deutschkursen erfahren, die die Bildungsstätte Mariaspring in Clausthal anbietet. „Es laufen dort immer zehn Kurse parallel“, berichtet Stange. Da die Bildungsstätte zudem Politik-Seminare zu den verschiedenen Herkunftsländern der Flüchtlinge anbieten würde, hätten sie den Zuschlag für die IQ-Seminare erhalten.

Dort betätigen sich die Teilnehmer auch künstlerisch, bemalen sogenannte Kulturstühle. Auf einem sind Blutstropfen zu sehen. „Viele Deutsche wissen nicht, was Krieg bedeutet“, erklärt Architekt Hafez.

40 Projekte in Niedersachsen

Ausländische Studierende und Akademiker will das Projekt des Netzwerks „Integration durch Qualifikation“ auf den deutschen Arbeitsmarkt vorbereiten. Die Ländliche Heimvolkshochschule M ariaspring bietet das fünftägige Seminar bis November an. Vergleichbare Angebote gibt es in 40 Orten in Niedersachsen. Die Migranten werden jeweils bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse beraten. Sie bekommen Informationen über Möglichkeiten sich zu qualifizieren. Das Land hilft ihnen, interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln. „Teilnehmer lernen bei uns zum Beispiel, dass in einem stark arbeitsteilig organisierten Land wie der Bundesrepublik Pünktlichkeit wichtig ist“, erläutert Constanze Stange von Mariaspring. Wer andere warten lasse, bringt die Zeitpläne vieler Menschen durcheinander. Muslime erfahren, dass in Deutschland Männer und Frauen ungezwungen miteinander umgehen, damit aber nicht alle Grenzen fallen. Sie werden darauf vorbereitet, in Vorstellungsgesprächen klar zu sagen, wieviel Geld sie verdienen möchten. In Syrien gilt das als rüde. mic

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