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Interaktion von Malerei und Wissenschaft

Vortragsreihe Interaktion von Malerei und Wissenschaft

Mit dem Vortrag „Die Sicht vom Chimborazo: Alexander von Humboldt und die visuelle Darstellung des Gebirges“ hat Prof. Nicolaas A. Rupke vom Institut für Wissenschaftsgeschichte der Universität Göttingen die Vortragsreihe „Landschaft um 1800 – Aspekte der Wahrnehmung in Kunst, Literatur und Naturwissenschaft“ in der Paulinerkirche in Göttingen eröffnet. Die Reihe ist eine Zusammenarbeit des Graduiertenkolleg „Interdisziplinäre Umweltgeschichte“, des Kunstgeschichtlichen Seminars und dem Zentrum für komparatistische Studien.

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Am Fuß des Chimborazo in Ecuador: Alexander von Humboldt und Aimé Bonpland. Das Gemälde von Friedrich Georg Weitsch entstand 1810.

Quelle: ULB

Rupke stellt die These auf, dass um 1800 die Landschaftsmalerei mit der Naturwissenschaft interagierte und Maler sich bei der Portraitierung einer Landschaft auf Erkenntnisse der Naturforscher bezogen. Alexander von Humboldt habe diese Art der Landschaftsdarstellung maßgeblich beeinflusst.

Skizzen und Messungen

Am 5. Juni 1799 brach der 29-jährige Humboldt mit dem französischen Botaniker Aimé Bonpland zu einer fünfjährigen Forschungsexpedition nach Süd- und Nordamerika auf. Ihr Versuch der Besteigung des 6310 Meter hohen erkalteten Vulkans Chimborazo am 23. Juni 1802 – damals galt er als höchster Berg der Welt – sorgte für großes Aufsehen in Europa. Trotz Scheiterns in 5600 Metern Höhe verbrachte Humboldt mehrere Tage am Berg, um ihn zu skizzieren und zu vermessen. Auf den später in seinen Büchern veröffentlichen Skizzen trug er, ähnlich einem Diagramm, alle gemessen Werte ein, die er bei der Besteigung gemessen hat. „Skizzen, Messungen waren ihm wichtig“, sagt Rupke.

Besonderes Augenmerk legt Rupke auf einen skizzierten Querschnitt Südamerikas von Humboldt. Dieser sei in seiner Darstellung der tatsächlichen Landschaft nicht objektiv, aber wissenschaftlich abgesichert durch Messungen, die der Forscher an vielen Orten vorgenommen hat. Dadurch entstehe ein für Wissenschaftler der Zeit idealtypisches und fundiertes Bild eines Kontinents. Dies habe wiederum die Darstellung der Landschaft anderer Maler beeinflusst.

Laut Rupke hat sich die allgemeine Forschung erst seit den 1960er Jahren mit den visuellen Darstellungen Alexander von Humboldts beschäftigt, diese auch stark kritisiert ob imperialistischer Darstellungsweisen. „Wenn wir heute denken, objektiv über die Bilder zu urteilen, dürfen wir nicht vergessen, dass jede Zeit ihre eigenen Werte hat“, betont Rupke.

Die Vorträge finden bis zum 28. Januar immer donnerstags um 18.15 Uhr in der Paulinerkirche, Papendiek 14 in Göttingen, statt. Den nächsten hält Prof. Barbara Schaff über „,A scene so rude, so wild as this, yet so sublime in barrenness‘: Ein neuer Blick auf Schottland in der Reiseliteratur der Romantik“

Von Corinna Berghahn

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