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In fünf Stunden zum Bachelor

„Kneipen Bachelor“ In fünf Stunden zum Bachelor

Zehn Bars, zehn Getränke: Wer das schaffte, konnte sich im Prüfungsamt im Savoy sein „Kneipen Bachelor“-Zeugnis abholen. Tageblatt-Redakteurin Hannah Scheiwe hat mitgemacht.

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„Kneipen Bachelor“: Sebastian, Sebastian und Johannes (v.l.) beim „Auslandssemester“ im Irish Pub in Göttingen.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. Ich habe es nicht in Regelstudienzeit geschafft. Fünf Stunden für zehn Kneipen oder Clubs und zehn Getränke, das ist ganz schön eng. Fast wie die sechs Semester für ein Bachelor-Studium an der Uni. Vor allem wenn man noch ein Auslandssemester macht – so wie ich im Irish Pub.

Beim „Kneipen Bachelor“ in der Göttinger Innenstadt ist alles angelehnt an ein richtiges Studium. „Immer mit einem Augenzwinkern“, wie Stefan Hugenroth erklärt. Der Gründer des „Kneipen Bachelors“, hat die Veranstaltung mittlerweile in zehn Städte exportiert. Im Club Savoy – Start und Ziel dieses Kneipen-Studiums – schreibe ich mich ein. Nach dem ersten Bier geht’s los: In 15 verschiedenen Kneipen oder Clubs können Credit Points, äh, Stempel für Bier, Cola oder Wasser gesammelt werden. Wer am Ende zehn Stempel aus zehn verschiedenen Kneipen hat, bekommt sein Bachelor-Zeugnis. Welche Bars besucht werden und in welcher Reihenfolge dürfen wir uns selbst aussuchen.

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In zehn Bars oder Clubs mussten zehn Getränke getrunken werden, um den „Kneipen Bachelor“ zu schaffen. Mehr als tausend Studenten strömten durch die Kneipen.

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Meine erste Anlaufstelle ist das Charly Max – eine Kneipe, in der ich vorher noch nie war. „Die Leute sollen die Kneipenkultur und neue Leute kennenlernen“, erklärt Hugenroth die Idee hinter der Veranstaltung. Das funktioniert: Nicht nur ich bin zum ersten mal im Charly Max, sondern auch die Medizin-Studentinnen Jasmin, Maria und Dimitra, die ich am Tresen kennenlerne. „Wir haben uns schon eine Route gemalt, wo wir langwollen“, erklärt die 24-jährige Jasmin. Auch wenn sie in ihrem echten Studium schon im neunten Semester sind, stehen sie beim „Kneipen Bachelor noch am Anfang. Viele der teilnehmen Kneipen sind ihnen noch unbekannt. Auch mir geht es so: Fünf neue Locations betrete ich an diesem Abend zum ersten Mal.

Hinter dem mit Postkarten behängten Tresen im Charly Max zapfen Kellnerin Shimo und ihre Kollegen ein Bier nach dem anderen und tragen stapelweise leere Gläser zurück. Stress kommt trotzdem nicht auf. „Am Wochenende ist es immer rappelvoll hier“, sagt Shimo. Die Kneipe sei gut gelegen zwischen den beiden Clubs Savoy und Alpenmax. An diesem Montagabend wird sie von vielen der Studenten als Start in den „Kneipen Bachelor“ genutzt.

Dann geht’s ins Auslandssemester, so steht es auf dem Stempelpan: in das Irish Pub, wo ein weiteres Getränk auf mich und eine Freundin wartet und wo wir auf die Guinness-trinkenden Studenten Johannes, Sebastian und Sebastian treffen. „Ich kenne die Mehrheit der Kneipen bisher noch nicht“, sagt auch der 25-jährige Johannes, der seit einem halben Jahr in Göttingen promoviert. Auch seinen Freunden Sebastian (27) und Sebastian (26) geht es so. Sie absolvieren tatsächlich fast so etwas wie ein Auslandssemester: Für den „Kneipen Bachelor“ sind sie aus Ilmenau angereist.

Mein Auslandssemester inklusive Live-Musik ist vorbei, das nächtliche Studium aber noch längst nicht. Es folgt ein Besuch im Club Plan B, der zum ersten mal beim „Kneipen Bachelor“ dabei ist. Zum zweiten mal wird die Veranstaltung nun in Göttingen organisiert, wie Hugenroth erzählt.

Hektisches Bierzapfen im Plan B

Hektisch zapfen die zwei Barmänner im Plan B Bier und verteilen Stempel. Getanzt wird noch nicht, es ist gerade mal 20 Uhr, ich trinke mein viertes Bier. Seit zwei Stunden strömen schon „Kneipen Bachelor“-Studenten durch die Stadt – der Start der rund 1000 Studenten, die bereits im Vorverkauf ein Ticket gekauft haben, erfolgt zeitlich gestaffelt. „Mit der Abendkasse zusammen rechnen wir mit ungefähr 1500 Studenten, die mitmachen“, sagt Organisator Hugenroth.

In der gemütlichen Gartenlaube wird’s anschließend wirklich gemütlich-eng – doch wir finden noch Platz an einem kleinen Tisch. In der Bubbles Bar tanzen wir mit einer Schlammbowle, dem Spezialgetränk des kleinen Kellerclubs, in der Hand auf der Tanzfläche unter dem Mauergewölbe. Die auf dem Weg liegende Burgeria, als Mensa auf unserem Plan gekennzeichnet, lassen wir aus. „Nicht prüfungsrelevant“, steht auf dem Stempelfeld – und damit heute keins meiner Ziele. Die Regelstudienzeit schaffe ich jetzt schon nicht mehr.

Ab zum Prüfungsamt

Nach einem kleinen Abstecher in die Bierwirtschaft, wo mein Nebenmann am Tresen tatsächlich einfach so hier sein Feierabendbier trinkt, stehen nur noch Clubs auf dem Programm. Ich tanze und trinke mich durch JT Keller, Freihafen und Sechs Millionen Dollar Club, bis ich endlich im Prüfungsamt im Savoy meine Bachelorurkunde entgegennehmen kann. Es ist 0.45 Uhr, 15 Minuten mehr und ich wäre exmatrikuliert worden. Noch schnell ein Foto mit Absolventenhut – geschafft.

Von Hannah Scheiwe

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