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Lektüre für den Lesegarten

Büchermarkt am AStA-Haus Lektüre für den Lesegarten

Um kleine Buchläden zu unterstützen und Gespräche über Literatur anzuregen, hat der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) am Sonntag einen Büchermarkt organisiert. Im Asta-Garten boten zwei Göttinger Geschäfte Bücher an und der ehemalige Göttinger Chris Kraus las aus seinem Roman „Das kalte Blut“.

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Lesestoff im Garten neben der AStA-Gebäude an der Goßlerstraße.

Quelle: Marie Niederleithinger

Göttingen. „Silke und ich lieben es, uns über Literatur auszutauschen“, sagte Janice Sattler, Sachbearbeiterin für „Gender & Diversity“ im Asta der Universität Göttingen. Mit der Asta-Vorsitzenden Silke Hansmann mache sie in Göttingen regelmäßig „Antiquariatstouren“. Mit dem Lesegarten wollten sie zeigen, was für „tolle Läden“ es in der Stadt gibt, die günstig „und vor allem kompetent“ Literatur anbieten.

„Es ist dort immer wie eine kleine Schatzsuche“, sagte Sattler. Sie bewundere, wie die Händler ein für sie passendes Buch aus den Stapeln ziehen. E-Books hingegen sind nichts für die 25-Jährige. Sie möge, wie sich Bücher anfühlen, wie sie riechen. Gebrauchte kaufe sie besonders gerne - wegen der Spuren, die Vorbesitzer in ihnen hinterließen: „In einem Buch von Tolstoi zum Beispiel, das ich im Antiquariat Pretzsch gekauft habe, fand ich gepresste Blumen.“

Das Familienunternehmen Pretzsch war unter einem der beiden Pavillons durch die 27-jährige Pola vertreten: „Wir fanden die Idee eines Büchermarkts schön, der insbesondere kleinen Läden die Möglichkeit gibt, ihr Sortiment zu präsentieren.“ In Zeiten von E-Books sei es ihnen wichtig, die Leute an Bücher heranzuführen. Das Besondere an Letzteren sei für sie das „Haptische“: „Ein Buch auf- und zuzuschlagen ist für mich entscheidend, um in eine Geschichte einzutauchen.“ Die von dem Antiquariat angebotenen Bücher stammen teilweise aus Hausbesuchen, erzählte Pretzsch - es sei spannend, die Menschen durch ihre Bücher kennenzulernen.

Rilke und Russland auf dem Rasen

Lisa Bork aus Bovenden hatte am Pretzschen Büchertisch „Rilke und Russland“ in der Hand. Ihr gefalle die „ungezwungene Atmosphäre“ des Markts. „So habe ich mir das vorgestellt: Eine Decke mitbringen, sich damit auf den Rasen setzen und in einem Buch schmökern“, sagte die 68-Jährige. Sie habe allerdings auf ein größeres Publikum gehofft.

Im Pavillon nebenan bot Jürgen Ehrbrecht eine Auswahl aus dem „Buchladen Rote Straße“ an. „Bei Veranstaltungen, die Literatur in die Öffentlichkeit bringen, sind wir immer gerne dabei. Und hier werden noch einmal anderen Menschen angesprochen, als beispielsweise durch den Literaturherbst“, sagte der 58-Jährige. Die Vorteile kleiner Buchläden beschrieb er so: „Die Leute wissen, dass wir mit ihnen ehrlich umgehen und ihnen auch mal von einem Buch abraten, das ihnen garantiert nicht gefallen würde.“

Roman erzählt von einem Täter

Vor ihm auf dem Tisch lagen Bücher, die er „nach persönlichen Vorlieben“ ausgewählt hatte. Sein Favorit: „Winters Knochen“ von Daniel Woodrell. „Die Geschichte wird in so einem klaren Stil erzählt – fantastisch“, sagte Ehrbrecht. Einen Stapel von Kraus aktuellem Roman hatte er auch mitgebracht.

„Es ist die Biografie eines Täters“, sagte Kraus. Durch sein Buch habe er ergründen wollen, was seinen geliebten Großvater erst in den Nationalsozialismus und später zum Bundesnachrichtendienst (BND) getrieben habe. Aus Recherchen zu seiner eigenen Familiengeschichte entstand ein Werk, in dem er „fiktive Figuren durch reale historische Situationen“ jage, „deren Wahrheit man gar nicht glauben kann.“ Um die „Monsterwerdung“ selbst nachvollziehen zu können, habe er komplexe, sehr menschliche Charaktere geschaffen. Das Publikum lachte bei der Lesung an mehreren Stellen, etwa über das groteske Aufeinandertreffen der Hauptfigur und des BND-Gründer Reinhard Gehlen.

Als Manuskript verfasst

Kraus habe sich über die Möglichkeit gefreut, „mal vor Leuten unter 50 zu lesen“ und noch dazu in seiner Heimatstadt. Die mediale Konzentration hat sich nach seiner Einschätzung vom Lesen auf das Filmeschauen verschoben. So hatte der hauptberufliche Regisseur den im Frühjahr erschienenen Roman ursprünglich auch als Manuskript für einen Film verfasst.

„Ich habe gar nicht mitbekommen, wie die Zeit vergangen ist“, sagte die 22-jährige Pauline Voigt nach der Lesung, die ihr „richtig gut“ gefallen habe. Die Studentin der Sozialwissenschaften verließ den Asta-Garten mit einer um vier Bücher schwerer gewordenen Tasche.

Von Marie Niederleithinger

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