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Moorleiche: Woher stammt das Hautstück?

Hautlappen 1784 entdeckt Moorleiche: Woher stammt das Hautstück?

Auf den ersten Blick sieht der dunkle Streifen aus wie ein altes, notdürftig geflicktes Stück Leder. Würde man so etwas auf der Straße finden, es landete vermutlich im Abfalleimer. Doch das etwas zerknittert aussehende Stück ist von großer wissenschaftlicher Bedeutung: Es ist das einzige erhaltene Relikt einer Moorleiche, die 1784 bei Torfarbeiten im Bareler Moor in der Nähe von Delmenhorst entdeckt wurde.

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Hautstück im Computer-Tomographen: Restauratorin Eva Schreiber mit Jeannine Missbach-Güntner und Christina Malowsky (von links).

Quelle: pid

Sie gilt als frühester Fund einer Moorleiche, von der noch Körperteile vorhanden sind. Jetzt wurde das Stück Haut, das im Oldenburger Landesmuseum für Natur und Mensch verwahrt wird, kurzzeitig in die Göttinger Universitätsmedizin verfrachtet. Untersuchungen mit modernsten Techniken sollen klären, von welchem Körperteil es stammt.

Anlass für die Untersuchungen ist die Sonderausstellung „O schaurig ist’s übers Moor zu gehen“, in der das Oldenburger Landesmuseum ab Sonntag, 29. Mai, neue Erkenntnisse aus der Moorleichenforschung präsentieren will. Insgesamt besitze das Museum fünf vollständig erhaltene Moorleichen, berichtet Direktor Prof. Mamoun Fansa. Bislang waren allerdings nur drei von ihnen in einer Dauerausstellung zu sehen. Jetzt sollen auch die beiden übrigen – „Der Junge von Kayhausen“ und „Der Junge aus der Esterweger Dose“ – gezeigt werden, außerdem das Stück Haut vom „Mädchen aus dem Bareler Moor“.

Alle drei Objekte sollen zuvor mit modernsten medizinischen Methoden untersucht werden. An diesem Projekt sind die Hamburger Rechtsmedizin um Professor Klaus Püschel sowie die Göttinger Universitätsmedizin mit Jeannine Missbach-Güntner aus der Abteilung Diagnostische Radiologie und dem Paläopathologen Professor Michael Schultz beteiligt. Dieser hat bereits zahlreiche Moorleichen und Mumien in aller Welt untersucht.

Das Mädchen aus dem Bareler Moor ist dabei ein Spezialfall. Der Fund galt als Sensation. Zahlreiche Wissenschaftler im In- und Ausland hatten großes Interesse an der aus der Zeit zwischen 260 und 395 nach Christus stammenden Moorleiche. Dies führte dazu, dass einzelne Körperteile an unterschiedliche Einrichtungen versandt wurden – unter anderem nach Petersburg, Kopenhagen, Göttingen, Clausthal, Hamburg, München und Münster. Alle diese Stücke gingen jedoch verloren, lediglich das in Oldenburg aufbewahrte Stück Haut ist noch übrig geblieben. „Es ist exzellent erhalten“, sagt Schultz nach einer ersten Begutachtung.

Bislang war man davon ausgegangen, dass es sich um ein Stück Haut der rechten Brust handelte. Ob dies stimmt, sollen jetzt die Untersuchungen in Göttingen zeigen. Dort wurde das Hautstück geröntgt und in einen Computertomografen geschoben. Die ersten Befunde stützen die bisherigen Annahmen: „Sehr wahrscheinlich ist es ein Stück Haut aus dem vorderen Brustbeinbereich nahe der Halsregion“, sagt Professor Schultz. Es könne auch aus der Leistenregion stammen, dies sei aber weniger wahrscheinlich.

Schultz hatte im vergangenen Jahr auch die 900 Jahre alte Moorleiche des „Jungen aus der Esterweger Dose“ untersucht und dabei festgestellt, dass das Kind vermutlich an einer Knochenmarksentzündung gestorben war.

Von Heidi Niemann

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