Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 3 ° Regenschauer

Navigation:
Moulagen: Anblick geht unter die Haut

Historische Exponate aus Wachs Moulagen: Anblick geht unter die Haut

Die Haut ist das größte Organ des Menschen, sie schützt den Körper vor Krankheitserregern, Hitze oder Kälte und kann aus unterschiedlichen Gründen von Krankheiten befallen werden. Die wichtige Bedeutung der Haut wird auch in vielen Redewendungen deutlich, wie „unter die Haut gehen“.

Voriger Artikel
Wanka: Mehr Sensibilität der Wissenschaftler
Nächster Artikel
Archäologische Funde auf Sizilien

Historische Lehrmittel: Bis 1930 waren Moulagen für die Medizin-Ausbildung bedeutsam.

Quelle: Pförtner

Moulagen sind detailgetreue Wachsabformungen krankhaft veränderter Körperregionen. Sie dienten von 1890 bis 1930 vor allem der Ausbildung junger Mediziner, so auch in Göttingen. Die Universitätsmedizin präsentiert seit Kurzem die historischen Lehrmittel in der Dauerausstellung „Moulagen in der Medizin“.

„Die Sammlung sollte den Standort im Kampf um die besten Köpfe stärken“ erläuterte Dr. Susanne Ude-Koeller, die die Ausstellung konzipiert hat. Heute haben die Anschauungsobjekte vor allem eine kulturgeschichtliche Bedeutung. Dabei wurden sie auch in Göttingen zunächst sehr stiefmütterlich behandelt. Erst im Jahre 1993, als die Sammlung der Abteilung Geschichte der Medizin übergeben wurde, konnte eine Aufbereitung und Katalogisierung erfolgen.

In einigen anderen Städten wurden die Moulagen während des Zweiten Weltkrieges zur Gewinnung von Kerzenwachs eingeschmolzen und gingen somit für immer verloren. Aber auch wenn die rund 80 Exponate in Göttingen nun einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden, „das Sterben der Moulagen lässt sich nicht verhindern“, sagte Prof. Thomas Fuchs bei der Ausstellungseröffnung vor rund zwei Dutzend Interessierten. „Sie sind fragil, Restaurateure gibt es kaum“, so Fuchs weiter.

Die Ausstellung in Göttingen vermittelt einen Eindruck von der Bedeutung bestimmter Hautkrankheiten und lässt auf die Häufigkeit von Diagnosen in der Universitäts-Hautklinik Göttingen schließen. Die meisten Stücke der Göttinger Sammlung stammen von acht Mouleuren, darunter auch der Göttinger August Leonardt. Sie sind Teil der Sammlung von Prof. Erhard Riecke (1869-1939), dem ersten Lehrstuhlinhaber an der Göttinger Universitäts-Hautklinik. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verdrängte die Fotografie die Moulagen als Anschauungsobjekt. Sie ist preiswerter und bietet praktischere Möglichkeiten der Archivierung.

Moulagen können vor allem bei Laien sehr unterschiedliche Empfindungen auslösen, von angewidert bis heimlich fasziniert. Eines steht jedoch fest: die Ausstellung „geht unter die Haut“.

Die Dauerausstellung „Moulagen in der Medizin“ ist werktags 9 bis 16 Uhr zu besichtigen in der Abteilung Ethik und Geschichte der Medizin, Humboldtalle 36, in Göttingen. Führungen können vereinbart werden unter Telefon 0551 / 39-4185.

Von Alexander Lechler

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus