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Neuer Wirkstoff gegen Verlust geistiger und körperlicher Fähigkeiten

Neurodegenerative Erkrankungen Neuer Wirkstoff gegen Verlust geistiger und körperlicher Fähigkeiten

Neurodegenerative Erkrankungen sind Erkrankungen des Nervensystems, die oftmals langsam voranschreiten und durch den Verlust geistiger und körperlicher Fähigkeiten gekennzeichnet sind. Die Ablagerung von Proteinansammlungen im Gehirn spielt bei der Entstehung vieler neurodegenerativer Krankheiten eine wichtige Rolle.

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Wirkung stellt sich bei Parkinson-Mäusen dar: Links die typischen Ablagerungen von Proteinansammlungen (braun) im Gewebe bei, rechts die Beschaffenheit mit deutlich weniger Synuclein-Spuren bei der Behandlung mit dem Wirkstoff „anle138b"

Quelle: LMUM

Göttingen. Wissenschaftlern der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie in Göttingen ist es gelungen einen Wirkstoffkandidaten zu entwickeln, der die Entstehung dieser Ablagerungen signifikant reduzieren kann: der Wirkstoff „anle138b“.

Mit der Ausgründung der „Modag GmbH“ soll anle 138b zur Marktreife weiterentwickelt werden und in Zukunft Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer und Creutzfeldt-Jakob stoppen. Hierzu konnte die Firma unter Beteiligung der Bayerischen Patentallianz für die Ludwig-Maximilians-Universität und die Max-Planck-Gesellschaft eine erste Finanzierungsrunde von bis zu acht Millionen Euro abschließen.

Neurodegenerativen Erkrankungen liegen oftmals Proteinablagerungen zu Grunde, die zu einer Schädigung der Nervenzellen führen. So werden bei Parkinson unter dem Mikroskop auffallende Ablagerungen verklumpter Synuclein-Proteine im Gehirn sichtbar. Vorstufen dieser aus mehreren gleichen Einheiten aufgebauten Ablagerungen, sogenannte Oligomere, wirken stark neurotoxisch.

Auch Creutzfeldt-Jakob betroffen

Muskelzittern, Bewegungsstörungen und Muskelstarre beim Menschen sind die Folge. Auch bei der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit finden sich krankmachende Protein-Ablagerungen, die durch das sogenannte Prion-Protein verursacht werden.

Prof. Armin Giese, Forschungsgruppenleiter am Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung der Ludwig-Maximilians-Universität, und Prof. Christian Griesinger, Direktor  am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, haben mit ihren Mitarbeitern einen Wirkstoffkandidaten entwickelt, der in Tests an Parkinson-Mäusen die Entstehung der toxischen oligomeren Proteinformen verhindern. Sie haben damit das Fortschreiten der Nervenzellschädigung in bisher nicht erreichtem Ausmaß verzögert und die krankheitsfreie Phase verlängert.

Neu dabei ist, dass der Wirkstoff mit dem Namen anle138b direkt und spezifisch an oligomeren Proteinformen ansetzt. So verhindert anle138b frühzeitig das Zusammenlagern und die Entstehung neuer oligomerer krankheitsrelevanter Proteinformen. Der synthetisierte Wirkstoff, der den Test-Mäusen mit der Nahrung verabreicht wurde, ist in therapeutischen Dosen sehr gut verträglich und passiert die Blut-Hirn-Schranke sehr effizient.

Behandelte Mäuse leben signifikant länger

So erreicht er im Gehirn einen hohen Wirkspiegel bei niedriger Dosis. Die mit anle138b behandelten Mäuse leben signifikant länger und können ihre Bewegungen deutlich besser koordinieren als ihre unbehandelten kranken Artgenossen, wie die bisherigen Ergebnisse der Tierstudien zeigen.

Mit anle138b könnten somit in der Zukunft Krankheiten wie Parkinson möglicherweise gebremst oder sogar gestoppt werden, da krankheitsrelevante Prozesse unmittelbar gehemmt werden. Doch nicht nur bei der Parkinson-Krankheit war die neue Substanz wirksam. Positive Forschungsergebnisse der Wissenschaftler zeigen, dass anle138b auch bei Creutzfeldt-Jakob wirkungsvoll das Zusammenlagern krankmachender Protein-Verklumpungen verhindert und behandelte Mäuse deutlich länger überleben.

Ebenso sind die Ergebnisse in Mausmodellen für die Alzheimer Erkrankung ermutigend.  „Die MODAG lässt mich aufgrund ihrer bisherigen Studienergebnisse ernsthaft hoffen, dass wir gemeinsam mit einem neuen Wirkstoff die dringend notwendige Hilfe für Parkinson- und Alzheimer-Patienten durch eine frühzeitige und sichere Therapie ermöglichen können“, sagt Modag-Geschäftsführer Thorsten Matthias. 

Gemeinschaftserfindung

Die zugrunde liegende Basistechnologie wurde als Gemeinschaftserfindung der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie schutzrechtlich gesichert und von der MODAG exklusiv einlizenziert.

„Wir freuen uns, dass wir dabei helfen konnten, die Forschungskompetenzen der Ludwig-Maximilians-Universität München und des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie im Bereich der Wirkstoffforschung zielgerichtet in diesem Erfolg versprechenden Ausgründungsunternehmen zu bündeln“, so Peer Biskup, Geschäftsführer der Bayerischen Patentallianz GmbH, der Patentvermarktungsagentur der bayerischen Universitäten und Hochschulen.

umg

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