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Philipp Reemtsma und Frank Hatje stellen Tagebuch-Edition vor

Studentenleben anno 1795 Philipp Reemtsma und Frank Hatje stellen Tagebuch-Edition vor

„Es gibt eine Art Inszenierung. Ich weiß auch nicht genau wie das geht. Aber wir werden es sehen.“ So hat Prof. Martin van Gelderen, Direktor des Göttinger Lichtenbergkollegs, am Mittwochabend die Gäste im Roten Saal der Historischen Sternwarte willkommen geheißen.

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Historische Aufnahme des Göttinger Stadtwalls: Zur Göttinger Zeit von Beneke waren die 1765 gepflanzten Linden wohl noch kleiner.

Quelle: Archiv

Göttingen. Nicht nur dieser Saal war gefüllt mit gespanntem Publikum, auch in einen Nebenraum wurde die anstehende Lesung aus den Tagebüchern des Hamburger Juristen Ferdinand Beneke (1774-1848) übertragen. Der erste Teil der Tagebücher ist im Göttinger Wallstein Verlag erschienen.

Ferdinand Beneke

Ferdinand Beneke (1774-1848)

Quelle:

Von einer Inszenierung zu sprechen, war durchaus treffend. Denn neben dem Historiker Frank Hatje (Universität Hamburg) war auch Prof. Jan Philipp Reemtsma (Hamburger Institut für Sozialforschung) nach Göttingen gekommen.

In einem gut getakteten Ping-Pong-Spiel warfen die beiden sich Auszüge aus den Tagebuchaufzeichnungen und erläuternde Vortragspassagen zum historischen Hintergrund und der Arbeit der Editoren zu. Während Hatje aus seiner Perspektive als Editor sprach, lieh Reemtsma Ferdinand Beneke seine Stimme.

Der erste Teil der Tagebücher umfasst die von massiven gesellschaftlichen Umbrüchen geprägte Zeit von 1792 bis 1801 und beinhaltet auch Passagen zu Benekes Studium in Göttingen. Die waren natürlich ein gefundenes Fressen und Aufhänger für den Abend. Und siehe da: Das Studentenleben damals und heute – sie unterschieden sich gar nicht so sehr.

Mensch im Alltag

Spaziergänge auf dem Wall, Treffen mit Freunden, Lesen in einer Nische der Bibliothek, bissige Kommentare zu Professoren und Mitstudierenden – und die Pfeife zum Entspannen am Abend. Auch wenn letztere heute wohl eher selten genutzt wird: In den Texten kommt einem ein Mensch mit seinem Alltag, mit seinen Gedanken zu Banalitäten bis zu philosophischen Themen nah.

Durch seinen mal einfühlsamen, mal kraftvollen und auch mal augenzwinkernden Lesestil tat Reemtsma sein Bestes, um diesen Blick über die Schulter der historischen Figur zum Blick über die Schulter eines echten Menschen zu machen.

Ein Blick, der auf viel noch heute Bekanntes stößt, etwa auf die Beschreibung einer Besichtigungstour durch Kassels Schloß Wilhelmshöhe, wo die Touristen fast die gleichen seltsamen Fragen stellten, wie sie es heute wohl auch noch tun.

Vor dem inneren Auge des Publikums entstand an diesem Abend mit einfachen Mitteln das lebendige Bild eines Menschen und seiner Zeit – das nennt man wohl eine gelungene Inszenierung.

Von Isabel Trzeciok

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