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"Positive Impulse geben"

Festival gegen Rassismus in Göttingen "Positive Impulse geben"

Nicht vom Wetter begünstigt ist der erste Tag des "festival contre le racisme" am Freitagabend auf der Wiese hinter dem Blauen Turm gewesen. Strömender Regen verzögerte den Aufbau. Mit etwa einer Stunde Verspätung konnte die erste Künstlerin Carmel Zoum beginnen. Und dann schaute auch die Sonne zu.

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Carmel Zoum

Quelle: rf

Göttingen. "Ideengeber für das Festival ist ursprünglich der Dachverband der Studierenden in Frankreich", erzählt Benjamin Söchtig, Referent für politische Bildung im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und einer der Hauptverantwortlichen für die Organisation des Festivals. Der FZS (Freier Zusammenschluss von StudentInnenschaften) habe die Idee für Deutschland übernommen. "In den vergangenen Jahren ist das Festival an mehreren Orten in Deutschland ausgerichtet worden", so Söchtig und nennt als Beispiele Berlin, Bamberg, Hannover und Lüneburg.

Die Idee des Festivals gegen Rassismus sei, sagt Söchtig, Konzerte mit Vorträgen und Ständen zu mixen. Wie das ausgestaltet werde, sei die Sache der einzelnen Veranstalter. Sein persönliches Ziel sei, die Leute zu drei Schritten zu animieren: Sensibilisierung, Schulung und Aktivierung. So könne die Musik den Schritt anbieten, die Zuhörer für Themen wie Rassismus und Ausgrenzung zu sensibilisieren. Das Thema könne im zweiten Schritt in den Workshops vertieft werden. Und den dritten Schritt könnten die Besucher an den Ständen der zahlreichen Initiativen gehen, die sich zum Beispiel in der Flüchtlingsarbeit engagieren. "Hier können sich die Leute informieren, wie sie selbst aktiv werden können", erklärt Söchtig. Die Universität dürfe sich nicht abschotten gegenüber der Gesellschaft, sagt er. Vielmehr sei es auch die Aufgabe der Wissenschaftler, in die Gesellschaft hineinzuwirken.

Festival contre le racisme

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Workshops und Konzerte

Das Festival werde nach Angaben von Söchtig hauptsächlich aus Geldern des AStA finanziert. Unterstützung gebe es aber auch von den Fachschaften sowie der Amadeu Antonio Stiftung, "die sich dezidiert mit Antisemitismus auseinandersetzen". Schon zu Beginn des Festivals war Söchtig zufrieden mit der Resonanz. Zu Beginn des ersten Auftritts von Carmel Zoum seien etwa 200 Besucher auf dem Gelände gewesen, zum Ende des Auftritts bereits fast 300.

Er selber freute sich am meisten auf den dritten Künstler des Abends, den Rapper DiscoCrtl. "Doch viel wichtiger ist mir, dass die Workshops gut besucht wurden," sagt Söchtig. Und da hätten sich rund 150 Zuhörer auf die fünf Vorträge verteilt. Die Bandbreite der Themen reichte vom queeren Geschichtenerzählen über die Einführung zum Thema Antisemitismus, das Erkennen von rechter Musik. Sowie und Gegenstrategien dagegen bis zu Rasismus in der Spendenwerbung und die Geschichte der Oberen Maschstraße 10.

Rassismus und Kolonialismus

Für die Besucher vor der Bühne auf der Wiese stand zunächst einmal die Musik im Vordergrund. Den Auftakt machte Carmel Zoum, die eigentlich Carmelia Soumbou heißt. "Ich mache seit 15 Jahren Musik", sagt sie. Und sie habe eigentlich schon immer politische Botschaften damit verbinden wollen. "Schon damals in Frankreich waren Rassismus und der Kolonialismus meine Hauptthemen", erzählt die gebürtige Kongolesin. Mit 20 Jahren sei sie zum Germanistikstudium nach Deutschland gekommen, zunächst nach Heidelberg, später nach Mannheim. Seit acht Jahren lebt sie mittlerweile in Berlin. Für sie ist wichtig, der Gesellschaft positive Impulse zu geben. "Es geht nicht vorrangig darum, wer recht hat."

"Ich habe mich sehr gefreut, dass ich eingeladen wurde", sagt HipHopperin Sookee, die bereits mehrfach in Göttingen aufgetreten ist. Bereits am 9. November gastiert sie erneut in der Musa. Sookee trat nach Carmel Zoum, den Göttingern Trykka und DiscoCtrl als letzte Künstlerin des ersten Abends auf. Sie finde es wichtig, dass Kultur und Politik bei dem Festival gemeinsam vermittelt würden.

Insgesamt habe sich die Popszene in den vergangenen Jahren eine Art Erneuerung erfahren. "Es wird sich wieder mehr getraut, sich politisch zu äußern." Auch sie wollte sich beim Festival politisch äußern. Doch an dem Tag, an dem die gleichgeschlechtliche Ehe gesetzlich erlaubt wurde, habe wahrscheinlich ihr Song "Queere Tiere" die meiste Bedeutung für das Konzert. Dabei sei nach dem Gesetzbeschluss gar nicht mal die Institution der Ehe das entscheidende, sondern vielmehr dass es nach so vielen Jahren endlich die Gleichstellung gebe. Allerdings könne das nur ein Anfang sein.

Programm am zweiten Tag

Das festival contre le racisme wird am Sonnabend, 1. Juli, ab 17 Uhr mit den Küntlern Musiqana (Tarab), Haszcara (HipHop), Kobito (Rap / HipHop) und Le Fly (Rap / Rock / Rumba / Reggae) fortgesetzt. Ergänzt wird das Programm ab 12 Uhr durch Workshops im Gebäude des AStA. Die Themen sind Kritik am Nationalsozialismus und Boykott des Friedens. Dazu gibt es das Theaterstück "Die AsylDialoge" ab 15 Uhr im Stilbrvch sowie die Filmvorführung "Kein Friede den Frevlern" ab 16 Uhr im ZHG 002.

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