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Prof. Sebastian Lohsse: „Römisches Recht auf englischen Grundstücken?“

Vortrag Prof. Sebastian Lohsse: „Römisches Recht auf englischen Grundstücken?“

Wem gehört eigentlich das Haus auf einem Grundstück, wenn der Eigentümer des Bodens und der der verbauten Materialien nicht ein und dieselbe Person ist? Und gibt es im Bezug auf diesen Fall Gemeinsamkeiten in der kontinentaleuropäischen Rechtssprechung und der des, in vielen englischsprachigen Ländern vorherrschenden, Common Laws?

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Eigentumserhalt oder -verlust: Prof. Sebastian Lohsse.

Quelle: Hinzmann

Diesen Fragen widmete sich der Vortrag „Römisches Recht auf englischen Grundstücken?“ von Prof. Sebastian Lohsse. Er sprach im Foyer des Instituts für Rechtsgeschichte, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung.

Lohsse beginnt mit einer kurzen Einführung in das römische Recht. Schon bei dem römischen Juristen Gaius sei zu finden, dass Dinge, die auf einem Grundstück gebaut, gepflanzt oder ausgesät worden sind, in das Eigentum des Bodenbesitzers übergehen. Sie sind nämlich „fest mit der Sache verbunden“, so der Professor vom Institut für Rechtsgeschichte der Universität Münster.

Diese juristische Auslegung ist direkt im deutschen und somit im kontinentaleuropäischen Recht zu finden. Im Paragraphen 94 des Bürgerlichen Gesetzbuches kann genau dieser Dreiklang von bauen, säen und pflanzen wiedergefunden werden. Doch wie entscheidet das Common Law bei solchen Fällen?

Lohsse stellt zwei Grundmodelle – erneut aus dem römischen Recht – dar. Zum einen die Eigentumserhaltung: Hiernach wechselt das Eigentum – auch bei einer Verbindung mit einer anderen Sache – nicht den Eigentümer. So bleibt beispielsweise bei einer Vereinigung von einem Ring mit einem Edelstein, sowohl der Ring als auch der Stein das Eigentum des jeweiligen Eigentümers.

„Mehr Verbindung als Juristen für möglich hielten"

Zum anderen spricht Lohsse den Eigentumsverlust an: Wenn beispielsweise einer Statue ein Arm angeschweißt wird, wird dieser von der Einheitlichkeit des größeren Teils erfasst und geht somit in das Eigentum des Statueneigentümers über. „Diese teilweise gegensätzlichen Aussagen wurden lange Zeit diskutiert“, so Lohsse.

Vor allem bei Grundstücksverbindungen mit beweglichen  Sachen. Gaius erörterte diese Diskussion schon in einer seiner Schriften. „Wenn jemand auf eigenem Grund mit fremdem Material baut, dann wird er selbst zum Eigentümer des Gebäudes, weil alles was gebaut wird, dem Boden weicht. Derjenige aber, der Eigentümer des Materials war, hört nicht auf, dessen Eigentümer zu sein.“

Genau in dieser Diskussion ist für Lohsse ein Zusammenhang zwischen kontinentaleuropäischer Rechtssprechung und der des Common Law zu finden. Bei beiden ist die Diskussion um den Eigentümer der schlafenden Materialien – also auf dem Grundstück verbaute, gesäte, oder gepflanzte Dinge – zu finden. Bei beiden Systemen ist ein Bezug auf das römische Recht erkennbar.

Dass Gedanken aus dem römischen Recht im kontinentaleuropäischen Recht übernommen wurden sind, schien eindeutig. Überraschend ist jedoch die Gemeinsamkeit im kontinentaleuropäischen und englischen Recht, da beide Systeme als verschieden gelten. Zwischen den beiden herrscht allerdings „mehr Verbindung als Juristen bis heute für möglich hielten. Dieses kann zu einer Erleichterung  einer Rechtsvereinheitlichung führen“, erklärt Lohsse abschließend die Vorteile seines Vergleichs.

Von Friedrich Schmidt

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