Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Raúl Krauthausen über Perspektiven statt Barrieren

"Studieren mit Glasknochen" Raúl Krauthausen über Perspektiven statt Barrieren

Rund zehn Prozent der Menschen haben eine Behinderung. Aber nur die Wenigsten finden diesen Anteil auch in ihren Freundeskreisen vor. Raúl Krauthausen hat jetzt in der alten Mensa über die Dialektik von Normalität und Diversität gesprochen und erklärt, wie gelebte Inklusion funktionieren kann.

Voriger Artikel
Tee statt Tabletten
Nächster Artikel
Nur ein Stern für Göttinger Mensa

Raúl Krauthausen hat mit Glasknochen studiert: „Der Mut, Fehler zu machen, muss vorhanden sein.“

Quelle: DPA

Göttingen. „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ – den Titel seines Buches nimmt der Berliner Krauthausen an diesem Abend als Beispiel für die Art von Pragmatismus, die seinen Werdegang prägte. Den rund 60 Zuhörern gab der 36-Jährige in seinem zweistündigen Vortrag „Studieren mit Glasknochen“ Einblicke in sein Leben.

„Die Welt wartet nicht auf dich, deine Optionen sind limitierter als die von nicht-behinderten Menschen“: Es war seine Mutter, die ihn überzeugte, doch das Abitur zu machen und damit den Weg für eine ansehnliche Karriere zu ebnen: Krauthausen studierte Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation und wurde schließlich Autor, Moderator und Aktivist.

Orte wie die Universität bildeten Diskurse darüber, was „normal“ ist. Im Studium, so habe das Magazin Der Spiegel vor einigen Jahren herausgefunden, sei jeder zwölfte entweder von einer Behinderung, von einer chronischen oder einer psychischen Krankheit beeinträchtigt. Krauthausen habe als Student am eigenen Leib erfahren, dass nicht seine Behinderung ihm Nachteile im Leben schafft, sondern dass es mehr die baulichen Barrieren sind, die im Alltag und auf dem Campus das Leben schwerer machen.

Zu Studienzeiten sei es zum Beispiel die Kantine gewesen, für Krauthausen „ein Ort, an dem soziale Gefüge und Kontakte entstehen“, die nicht Rollstuhlgerecht ausgebaut war und ihn somit ausschloss. Als Referent auf Vorträgen wiederum erlebe er es häufig, dass die Bühnen, auf denen er spricht, keine Rampe haben. „Das Mindset des Architekten enthielt schlicht nicht die Möglichkeit, dass ein Rollstuhlfahrer auf der Bühne redet“, erklärte Krauthausen die Psychologie der Erfahrungswerte von Menschen, die problemlos Stufen hinaufsteigen können.

Es ist die Mischung aus persönlichen, ehrlichen Alltagsanekdoten einerseits und fundiertem Wissen darüber, wie Menschen funktionieren und sich die Welt konstruieren andererseits, die Krauthausens Vortrag so eingängig machte. Diversität und Inklusion an Universitäten, schloss Pragmatiker Krauthausen an diesem Abend prägnant, könne nur gelingen, wenn man „einfach anfängt. Der Mut, Fehler zu machen, muss vorhanden sein.“ Nur so könne ein Prozess in Gang gesetzt werden, der Menschen mit und ohne Behinderung nicht nur an Unis neue Perspektiven schafft. Auch wenn die Rampe des Adam-Von-Trott-Saals „vielleicht ein klein bisschen zu steil ist“, sei hier eine relevante Barriere im Begriff, abgeschafft zu werden.

Von Katharina Kilburger

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus