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Rauschpilz ruft temporäre Schizophrenie hervor

Ringvorlesung Chemie Rauschpilz ruft temporäre Schizophrenie hervor

"Chemiker sind auch immer gute Köche.“ So beginnt Hartmut Laatsch, Professor am Institut für organische und biomolekulare Chemie der Universität Göttingen, seinen Vortrag „Fliegenpilz, Satanspilz und Hexenröhrling – die magische Welt der Pilze“. Es ist der zweite Vortrag der Ringvorlesung Chemie, organisiert von Universität und Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.

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Giftig: Grüner Knollenblätterpilz.

Quelle: dpa

„Seit sie ihre Versuche nicht mehr in den Mund stecken, hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung der Chemiker der restlichen Bevölkerung angeglichen,“ sagt Laatsch. Doch warum interessiert sich die Chemie für Pilze? Das liege an den Wirkstoffen, die in den Gewächsen zu finden sind. Schon im ersten Jahrhundert nach Christus schrieb der Arzt Pedanius über die Wirkung von Pilzen, deren Ursache er deren Umgebung zuordnete. Heute weiß man, dass Pilze Stoffe aus ihrer Umgebung aufsaugen, ihre Wirkung beruht meist aber auf natürlich enthaltenen Wirkstoffen. So konnte aus dem Schimmelpilz Penicillium Notatum, das Antibiotikum Penicillin gewonnen werden.

Laatsch spricht auch über giftige Pilze und berichtet, dass es etwa 3000 Großpilze in unseren Wäldern gebe, von denen nur rund 130 giftig und 65 im Handel seien. Als Giftpilz besonders berühmt ist der Fliegenpilz. Dabei sei er vielmehr ein „Rauschpilz“, so Laatsch. Die Wirkung des Fliegenpilzes sei durch Kontrollverlust gekennzeichnet, er rufe temporäre Zustände von Schizophrenie hervor. Da es sich bei dem psychoaktiven Wirkstoff im Fliegenpilz aber um Halluzinogene zweiter Ordnung handelt, wisse der Betroffene nicht, dass seine veränderte Wahrnehmung nicht echt sei. „Leider kommt es durch den absichtlichen Verzehr immer wieder zu Zwischenfällen,“ so Laatsch.

Tatsächlich giftig hingegen ist der Knollenblätterpilz, der hierzulande sehr selten vorkommt. Er wirkt heimtückisch, da die Symptome, Bauchkrämpfe und Erbrechen, erst Wochen nach dem Verzehr einsetzen können, wenn der Pilzverzehr längst vergessen ist. Organschäden, besonders an der Leber, sind dann bereits weit fortgeschritten. In Deutschland seien nach fünfjähriger Suche nur drei Exemplare gefunden worden, so Laatsch. Doch auch wenn manche Pilze giftig, manche parasitär und Schimmelpilze unerwünscht seien, betont Laatsch, dass sie eine wichtige Funktion im Ökosystem hätten. „Ohne Wald gibt es keine Pilze und ohne Pilze, gibt es keinen Wald.“

„Die Materialien der Zukunft“, den nächsten Vortrag der Reihe „Chemie – unser Leben, unsere Zukunft“ hält Prof. Klaus Müllen am Dienstag, 3. Mai, um 18.15 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz.

Von Alexander Heinlein

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