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Respektvoller Umgang

"Raum der Stille" an der Göttinger Uni Respektvoller Umgang

Es sind vor allem muslimische Studierende, die den Raum der Stille nutzen. Vor einem Jahr hat ihn die Universität auf dem Zentralcampus eröffnet. Die Muslime verrichten dort ihre täglichen Pflichtgebete. Christen machen wöchentlich Yoga. Seit Oktober gibt es ein interreligiöses Friedensgebet.

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„Kopfpause“ mit Yoga im Raum der Stille im Blauen Turm auf dem Campus.

Quelle: CM

Göttingen. „Großartig“ findet Sila Kilic den „immer sauberen Raum“ im Erdgeschoss des Blauen Turms. Wie eine Moschee werde er nicht mit Schuhen betreten. Seit diesem Semester studiert die Gifhorner Muslima in Göttingen Soziologie und Geschichte. „Ich kann in der Uni beten und muss dazu nicht nach Hause fahren“, erklärt sie. Vor der Fahrt zur Hochschule verrichte sie jeweils die notwendigen Gebetswaschungen, da die Sanitäranlagen in der Universität dafür nicht ausgerichtet seien. Sie dürfe danach allerdings nicht auf Toilette gehen, weil sonst eine erneute Waschung notwendig wäre, sagt Kilic.

Immer dienstags um 12.30 Uhr bietet Lehramtsstudentin Leonie Schüler im Auftrag der Evangelischen Studierendengemeinde und der Katholischen Hochschulgemeinde eine halbe Stunde Yoga an. Eine „Pause für den Kopf“ seien die Übungen, erklärt sie. Die Teilnehmer würden sich ihres Körpers bewusster. Es kämen drei bis neun Studierende, darunter ab und an Männer. Auch eine Buddhistin habe bereits mitgemacht.

Vom interreligiösen Friedensgebet erzählt Studentin Anne Dill. Jeweils am dritten Mittwoch im Monat um 17.55 Uhr finde es statt. Beim ersten Mal hätte es die ESG ausgerichtet. Aus einem Text des früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela sei vorgelesen worden. ESG-Pastorin Eva Jain erklärt: „Wir wollen so Kontakte zwischen den Glaubensgemeinschaften herstellen.“ Christliche Studentinnen wüssten nämlich teilweise nicht, wie sie reagieren sollten, wenn Muslime den Raum nutzten. Manche Studierende fühlten sich gestört, wenn die Muslime ihr Gebet laut verrichteten. Durch die monatlichen Treffen kämen alle miteinander ins Gespräch, übten den respektvollen Umgang.

An dem Friedensgebet will sich auch Göttingens liberale Jüdische Gemeinde beteiligen, kündigt die Vorsitzende Jacqueline Jürgenliemk an. Die zwei, drei Studierenden ihrer Gemeinde nutzen den Raum sonst nicht.

„Vorbildhaftes Konzept“

Als Rückzugsort aus der Alltagshektik sei der Raum der Stille geschaffen worden, berichtet Hiltraud Casper-Hehne, die für das Projekt verantwortliche Vizepräsidentin der Universität Göttingen. Bereits im Vorfeld, so Casper-Hehne, habe die Hochschule Studierende und Beschäftigte verschiedener Religionen, aber auch religiös nicht gebundene Menschen einbezogen. „Sehr viele Gedanken“ hätten sie sich zur Gestaltung und dem Nutzungskonzept gemacht. Es gebe einen Beirat. Er solle Konflikte zwischen Nutzergruppen schlichten und das Verständnis für unterschiedliche Kulturen und deren religiöse Praktiken fördern.

Mit Veranstaltungen wolle der Beirat „den interreligiösen Diskurs“ stärken. So plane er ein wissenschaftliches Symposium zum Begriff der Stille. Gruppenveranstaltungen führten neben der Evangelischen Studierendengemeinde  und der Katholischen Hochschulgemeinde auch die Bahai Hochschulgruppe und der Lehrstuhl für Religionspädagogik durch. Das Göttinger Konzept gelte in der Arbeitsgruppe zu „Räumen der Stille“ beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur als „vorbildhaft“, sagt Casper-Hehne.

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