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Schnittmengen zu eigenen Arbeiten entdeckt

Forschungsaufenthalt am Lichtenberg-Kolleg, Folge 1 Schnittmengen zu eigenen Arbeiten entdeckt

Das neue Lichtenberg-Kolleg der Universität Göttingen hat den ersten Jahrgang von Gastwissenschaftlern, Fellows, verabschiedet. In der historischen Sternwarte waren neun renommierte Wissenschaftler zehn Monate bis Juli zu Gast.

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Wünscht sich weiteren Forschungsaufenthalt in Göttingen: Juliet Floyd war Fellow am Lichtenberg-Kolleg.

Quelle: Vetter

Ein Buch, das Wittgensteins philosophische Reaktionen auf das Hilbert-Programm und auf die limitierenden Ergebnisse von Gödel und Turing in den 1930er und 1940er Jahren dokumentiert, war in den zehn Monaten am Lichtenberg-Kolleg Hauptforschungsinhalt von Juliet Floyd, Professorin für Philosophie an der Boston University in den USA.

Wir wurden von Prof. Felix Mühlhölzer vom Philosophischen Seminar der Universität Göttingen zu diesem Fellowship eingeladen“, erklärt Floyd. Sie ist gemeinsam mit Ihrem Ehemann, dem Mathematikprofessor Akihiro Kanamori, und Tochter Margeaux an das Lichtenberg-Kolleg gekommen.

Interessenschwerpunkt ist das Zusammenspiel von Logik, Mathematik und Philosophie in Personen wie Kant, Gödel oder Wittgenstein. „Schon bevor ich nach Göttingen kam, habe ich gemeinsam mit Felix Mühlhölzer zu Ludwig Wittgenstein geforscht.“ In den vergangenen zehn Monaten habe sie jedoch die Möglichkeit gehabt, sich mindestens wöchentlich mit ihm zusammen zu setzen und zu diskutieren. Das sei etwas ganz anderes und deutlich effektiver als die transatlantische Zusammenarbeit.

Außerdem habe sie viel über Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799) gelernt und den Einfluss, den er auf Wittgenstein gehabt hat. „In den USA ist Lichtenberg eigentlich primär als Aphoristiker bekannt.“ Aber damit werde man ihm bei weitem nicht gerecht.
Ebenso habe sie das Arbeiten in der Sammlung der Universitätsbibliothek aus dem 18. Jahrhundert sehr genossen. Während ihrer Zeit in Göttingen hat sie gemeinsam mit Mühlhölzer einige Studentenseminare gehalten und mit Wissenschaftlern des Courant Forschungszentrums Education and Religion from Early Imperial Roman Times to the Classical Period of Islam (EDRIS) zusammen gearbeitet.

„Auch dieser Austausch mit hiesigen Wissenschaftlern ist schließlich Sinn und Zweck des Lichtenberg-Kollegs.“ Raum für fachliche Diskussionen zwischen den Lichtenberg-Fellows boten unter anderem die wöchentlichen Kolloquien, in denen die Fellows ihre Forschungsschwerpunkte vorstellten. Ungezwungener ging es beim gemeinsamen Abendessen jeweils am Mittwoch zu. Nach und nach habe man immer besser erfahren können, was die anderen machen und hier und da Schnittmengen zu den eigenen Arbeiten entdeckt.
Nach ihrer Rückkehr nach Boston hofft Floyd, weiter gemeinsam mit Mühlhölzer über Wittgenstein arbeiten zu können. „Wenn man zehn Monate intensiv zusammen geforscht hat, ist der Austausch via E-Mail und Telefon deutlich effektiver.“ Sie und ihr Mann suchen jedoch schon jetzt nach einer Gelegenheit, bald für einen weiteren Forschungsaufenthalt nach Göttingen zurückzukehren.

Genau das sei ja ihrem Verständnis nach auch Ziel des Lichtenberg-Kollegs: ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern aufzubauen, das bereits bei den Studenten anfange. Unter anderem wolle die Universität Göttingen auch in den Geisteswissenschaften wieder so exzellent werden, wie sie im Ausland durchaus nach wie vor wahrgenommen werde.

Nicht zuletzt hofft auch die achtjährige Margeaux, die seit Oktober 2009 die Albanischule besucht hat, mittlerweile hervorragend deutsch spricht und gut Anschluss gefunden hat, auf eine baldige Rückkehr. Auch Schulbesuch und Kinderbetreuung wurde schon vorab durch das Lichtenberg-Kolleg organisiert, sodass die Sorge um die Tochter die beiden Forscher nicht von ihrem Aufenthalt in Göttingen abhalten konnte. Und noch etwas weiß Floyd sehr zu schätzen: „In Göttingen und der Umgebung kann man sich sehr viel mit dem Rad erschließen. Das wäre in Boston vollkommen undenkbar.“

Folge 2: Akihiro Kanamori

Von Heike Jordan

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Das im Jahr 2009 eröffnete Lichtenberg-Kolleg ist eine der Maßnahmen des Zukunftskonzeptes im Rahmen der Exzellenzinitiative und richtet sich an herausragende Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler aus aller Welt.

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