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Von menschlichem und maschinellem Denken

Science Communication Medaille Von menschlichem und maschinellem Denken

Die komplexen Zusammenhänge seines Faches anschaulich zu erklären, das beherrscht der amerikanische Physiker und Kognitionswissenschaftler Douglas R. Hofstadter bestens. Für dieses besondere Können haben ihn die fünf Göttinger Max-Planck-Institute im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes mit der Science Communication Medaille ausgezeichnet.

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Prof. Dr. Theo Geisel überreicht Pulitzerpreisträger Douglas R. Hofstadter die Science Communication Medaille der fünf Göttinger MPI.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Am Sonntagabend nahm Hofstadter die Medaille in der Paulinerkirche in Empfang und vermittelte in einem Vortrag zum Thema seines aktuellen Buches „Die Analogie. Das Herz des Denkens“ gleich einen Eindruck von seinen Fähigkeiten.

Was unterscheidet menschliches und maschinelles Denken? Oder was unterscheidet es noch, möchte man angesichts der rasanten Entwicklungen der Digitalisierung und des maschinellen Lernens fragen. Hofstadter und sein Co-Autor Emmanuel Sander haben die Fähigkeit Analogien zu bilden und zu entschlüsseln als ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal menschlichen Denkens ausgemacht. Dabei geht es aus ihrer Sicht bei weitem nicht nur um Analogien, die zu bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnissen führen, sondern auch und vor allem um die unzähligen kleinen, unbewussten Analogien, die jeder Mensch tagtäglich und sekündlich bildet, und die Denken und Sprache prägen und durchziehen.

„Google Translate hat kein Verständnis von der Welt“

Wer es selber schon einmal mit einem maschinellen Übersetzungsservice probiert hat, wird von so mancher Absurdität zu berichten wissen, die dabei herauskam. Die Problematik auch bei Hofstadters Versuch: „Ich verstehe die Welt. Google Translate hat kein Verständnis von der Welt“, so fasste der Autor einen wichtigen Aspekt zusammen, der etwa beim Übertragen von Texten in eine andere Sprache entscheidend wird, aber auch beim Verständnis von Sprichwörtern oder karikierenden Analogien.

Jede einzelne Wortwahl sei letztlich das Ergebnis von Analogien, die unser Denken prägen, so Hofstadter. Dies sei so alltäglich, dass einem die Tatsache in der Regel nur auffalle, wenn mal eine Analogie nicht recht passt und entsprechend das falsche Wort oder der falsche Name auf der Zunge liegen. Hofstadter und Sander haben ihr Buch übrigens parallel auf Englisch und Französisch geschrieben. In acht Jahren. Sicher sehr viel langsamer als Google Translate; aber sicher auch bis in kleinste Denk- und Sprachnuancen stimmig.

Neuronale Strukturen als Inspiration für künstliche Intelligenz

Wie und auf welcher Ebene entstehen aber nun im Gehirn Analogien? Auf Fragen wie diese gab Hofstadter in der anschließenden Gesprächsrunde Antwort. Auf einer Ebene, die zwar unterbewusst aber höher als auf rein neuronaler Ebene liege, so vermutet Hofstadter, müssten die Analogien angesiedelt werden. Neuronale Strukturen und Aktivitäten haben die Entwicklung künstlicher Intelligenz inspiriert und beeinflusst. Bis zur Umsetzbarkeit eines dem menschlichen Denken vergleichbaren maschinellen Denkens mit allen Feinheiten wie Analogien, dürfte es, folgt man Hofstadters Annahme, demnach zumindest noch ein weiter Weg sein.

Douglas Hofstadter & Emmanuel Sander: „ Die Analogie. Das Herz des Denkens“. Klett-Cotta Verlag, 35 Euro, auch als eBook erhältlich.

Von Isabel Trzeciok

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