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Spiegelblick und die Fähigkeit zu Mitgefühl

Frühkindliche Empathie Spiegelblick und die Fähigkeit zu Mitgefühl

Die Erziehung von Kindern ist eine persönliche Verantwortung mit gesamtgesellschaftlichen Konsequenzen. Dies wurde auf dem 13. Kongress für Erziehung und Bildung deutlich, der im Zentralen Hörsaalgebäude der Georg-August-Universität stattfand und mit über 1000 Anmeldungen auch überregional Impulse gibt.

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Szenische Einleitung: Schülerinnen des Hainberg-Gymnasiums stellen das Thema dar.

Quelle: Theodoro da Silva

Karl Gebauer, der den zweitägigen Kongress mit Ulrich Geisler vom Institut für Bildung und Erziehung organisiert hat, sieht dies vor allem durch ein interdisziplinäres Programm ermöglicht. Psychologische und sozialwissenschaftliche Ansätze sollen „existenzielle Fragen beantworten“, so Gebauer. Diese verorteten die Veranstalter in diesem Jahr mit  dem Kongressthema „Dialog und Empathie – Wie wollen wir leben?“ vor allem in moralischen Themenkreisen. Dabei sprach sich der ehemalige Göttinger Schulleiter Gebauer gegen die ökonomisierte Optimierung von kindlichen Lernprozessen aus: „Der Sinn von Bildung hat mit Menschsein zu tun“.

Den Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Empathie, Mitgefühl und Grausamkeit und wie sie zusammenhängen“ hielt Prof. Doris Bischof-Köhler und zeigte, dass die Weichen für empathisches Verhalten schon in der Kindheit gestellt werden. Schon Säuglinge könnten durch „vorprogrammierte Motivationssysteme“ wie dem ansteckenden Lachen der Mutter auf emotionale Stimuli reagieren, allerdings bedeute dies noch kein Verständnis für die Gefühlswelt des Gegenübers, die eine definitorische Voraussetzung für Empathie sei, argumentierte Bischof-Köhler. Vielmehr ginge es um die emotionale Teilnahme an den Empfindungen einer anderen Person.

Um herauszufinden, ab wann dieses Verhalten bei Menschen beobachtet werden kann, führte die Psychologin Versuche mit Kleinkindern durch, anhand derer sie unterschiedliche Empathie-Typen ausmachen konnte: Manche Kinder seien bei simuliertem Leid, das durch einen abgebrochenen Löffel des Tischnachbarn erzeugt wurde, schon früh zu empathischem Verhalten fähig. Wiederum andere zeigten sich von der Tatsache, dass ihr Spielpartner nicht weiteressen konnte, unbeeindruckt. Die frühkindliche Fähigkeit zum Helfen korreliere dabei mit der Fähigkeit, sich selbst wahr-

zunehmen: Kinder, die sich selbst im Spiegel erkennen können, seien auch eher zu empathischem Verhalten fähig, so Bischof-Köhler, die Gleichzeitig stellte sie klar: „Empathie ist kein ausschließlich prosoziales Phänomen“. Denn auch in der Schadenfreude werde die emotionale Situation des Opfers geteilt und – im Gegensatz zum Mitleid – genossen. Dieses Verhalten könne seine krankhafte Verstärkung im Sadismus finden, „bei dem die Teilnahme am Leid des Opfers im Zentrum steht“, so Bischof-Köhler, Professorin an der Universität München.

Ob sich empathische Fähigkeiten also zum moralisch Guten entwickeln, hängt von der Sozialisierung des Einzelnen ab. Psychologin Bischof-Köhler plädierte daher für eine einfühlsame Erziehung, die niemals Verbote ausspricht, ohne diese zu erklären.

In weiteren Vorträgen und Diskussionsforen wurde unter anderem untersucht, wie positiv-empathisches Verhalten auch in späteren Entwicklungsstadien von Heranwachsenden gefördert werden kann. Begleitet wurde das Kongressprogramm von Schülern des Hainberg-Gymnasiums. Unter der Leitung von Doreen Kuhlencord führten sie thematisch mit den Vorträgen verbundene Schauspieldarbietungen auf.

Von Jonas Rohde

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