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Studienplatz gegen Landarzt-Verpflichtung?

Campus / Medizinstudium Studienplatz gegen Landarzt-Verpflichtung?

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will Medizinstudienplätze für Studenten reservieren, die sich verpflichten, zehn Jahre auf dem Land zu arbeiten. Andernfalls sollen die jungen Ärzte Ausbildungskosten zurückzahlen. Göttinger Studenten halten dagegen.

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Silja Henkel und Sven Seemann.

Quelle: Pauline Noll

Göttingen. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) will Medizinstudienplätze für Studenten reservieren, die sich verpflichten, zehn Jahre auf dem Land zu arbeiten. Andernfalls sollen die jungen Ärzte Ausbildungskosten zurückzahlen. Göttinger Studenten halten dagegen.

„Da haben sich Leute Gedanken gemacht, die keine Ahnung haben.“, so lautet der Kommentar von Paul, er studiert im neunten Semester Medizin und ist der Meinung, dass man im ersten Semester noch nicht abschätzen könne, in welcher Fachrichtung man arbeiten möchte. Derselben Meinung ist auch Sven Seemann, achtes Semester. Er selbst wechsele auch alle drei Monate seine Facharztpräferenz. Die Landarzt-Quote sorge letztendlich nur für viele unmotivierte, frustrierte Allgemeinmediziner.

Die Tatsache, dass das Land Niedersachsen eingreift, um dem Ärztemangel entgegen zu wirken, stößt jedoch nicht überall auf Ablehnung. Die meisten sind sich einig: Es muss etwas passieren. Die bestehenden Förderprojekte, um Ärzte in unterversorgte Gebiete zu locken, seien nicht erfolgreich genug, so Silja Henkel. Auch sie studiert Medizin im achten Semester. Sie könne sich durchaus vorstellen, dass es Abiturienten gebe, die den Ärztemangel zu Hause selbst miterlebten und sich dazu entschieden, nach dem Studium zurück aufs Land zu ziehen. Die Landarzt-Quote sei hier ein sicherer Weg zum Studienplatz.

Auch Joana Preiskorn, siebtes Semester, sieht das Land in der Verantwortung, für genügend Mediziner in allen Regionen zu sorgen. Diese Meinung vertritt auch Stefan, zehntes Semester, allerdings bezeichnet er das Konzept der Landarzt-Quote als „reines Glücksspiel“. Er könne es sich vorstellen, die Ärzteverteilung genauso zu regeln, wie die Verteilung der Referendariatsplätze für Lehramtsstudenten. Freuen würde er sich darüber allerdings auch nicht.

Die Meinungen gehen auseinander ob Zwang notwendig ist oder eher unangebracht angesichts des schlechten Images der Fachrichtung Allgemeinmedizin. Eines haben alle Befragten gemeinsam: die Angst davor, dass die Landarzt-Quote Abiturienten aus gut situiertem Elternhaus die Möglichkeit gibt, sich den Medizin-Studienplatz zu erkaufen. Sei der zurückzuzahlende Betrag nicht hoch genug, ergebe sich leicht ein Weg, sich der Verpflichtung zu entziehen.

Von Pauline Noll

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