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Substanz Anle138b bremst Parkinson

Tests an Mäusen erfolgreich Substanz Anle138b bremst Parkinson

Der neuartige Wirkstoff Anle138b hat bei Mäusen die Parkinson-Erkrankung verzögert. Wissenschaftler aus München und Göttingen gehen davon aus, dass die von ihnen entwickelte Substanz eine neue Klasse von Neuroprotektiva darstellt, „mit der sich möglicherweise Krankheiten wie Parkinson oder Creutzfeldt-Jakob bremsen oder sogar stoppen lassen“, sagt Prof. Christian Griesinger vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie.

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Parkinson-Patientin: Durch das Muskelzittern werden auch gewohnte Bewegungen immer schwieriger.

Quelle: DPV

Göttingen. Zittern, steife Muskeln, verlangsamte Bewegungen sind die Symptome von Parkinson. In Deutschland sind 200     000 Menschen daran erkrankt. Wenn die Symptome auftreten, sind meistens bereits mehr als die Hälfte der krankheitsrelevanten Nervenzellen abgestorben. Das soll mit Methoden der Früherkennung verhindert werden.

Griesinger

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In der frühen Phase von Parkinson lagern sich wenige Alpha-Synucleine zu Oligomeren zusammen. Sie wirken wie ein Nervengift. Im Mittelhirn gehen in der Substantia nigra die Dopamin produzierenden Nervenzellen zugrunde und im Gehirn werden Ablagerungen von verklumpten Synuclein-Proteinen sichtbar.

  „Das Besondere an unserer neuen Substanz ist, dass sie erstmals direkt an den Oligomeren ansetzt und ihre Bildung hemmt“, erläutert Griesinger, Leiter der MPI-Abteilung NMR-basierte Strukturbiologie. Die Entdeckung dieses Moleküls ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit.

Kompetenzen unterschiedlicher Fachrichtungen

„Der Schlüssel zum Erfolg war es, die Kompetenzen ganz unterschiedlicher Fachrichtungen zu bündeln. An der Entwicklung dieses Wirkstoffs waren Biologen, Chemiker, Mediziner, Physiker und Tiermediziner beteiligt“, sagt Prof. Armin Giese, Leiter einer Forschungsgruppe am Zentrum für Neuropathologie und Prionforschung der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Rund 20      000 wirkstoffartige Substanzen testeten die Mitarbeiter um Giese systematisch darauf, ob sie die Bildung krankheitstypischer Proteinverklumpungen verhindern können. Ihr Screening basiert auf einer äußerst empfindlichen Laser-Methode, die der Mediziner Giese vor Jahren bei Nobelpreisträger Prof. Manfred Eigen am Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie entwickelt hat.

Schon in der ersten Stufe fanden sich unter den getesteten Molekülen einzelne interessante Kandidaten. Eine Substanz erwies sich schließlich nach weiteren systematischen Optimierungen als besonders effektiv.

Fitnessest für Mäuse

Dr. Andrei Leonov, Chemiker in Griesinger’s Team, gelang es, daraus einen vielversprechenden Wirkstoff zu synthetisieren. Dieser ist in therapeutischen Dosen sehr gut verträglich, kann mit der Nahrung verabreicht werden und die Blut-Hirn-Schranke passieren. Im Gehirn erreicht er hohe Wirkspiegel. Inzwischen haben die Münchner und Göttinger Forscher den Wirkstoff namens Anle138b – nach den ersten beiden Buchstaben des Vor- und Nachnamens von Andrei Leonov – zum Patent angemeldet.

Bei den Tierversuchen stellte sich heraus, dass die mit Anle138b versorgten Mäuse ihre Bewegungen deutlich besser koordinieren konnten als ihre unbehandelten kranken Artgenossen. „Wir können dies mit einer Art Fitnesstest direkt überprüfen“, erklärt Giese. „Wir setzen die Mäuse auf eine kleine rotierende Walze und messen die Zeit, wie lange die Nager darauf balancieren können“.

Generell war der Behandlungserfolg umso größer und die erkrankten Tiere lebten umso länger, je früher sie Anle138b über das Futter verabreicht bekamen. Doch nicht nur bei der Parkinson-Krankheit war die Substanz wirksam.

Wirkung auch bei Creutzfeldt-Jakob

„Auch bei Creutzfeldt-Jakob finden wir krankmachende Protein-Verklumpungen, die bei dieser Krankheit durch das sogenannte Prion-Protein verursacht werden“, erklärt Griesinger. Auch hier verhindere Anle138b wirkungsvoll ihr Zusammenlagern und die Mäuse überleben deutlich länger.
Die Forscher hoffen, dass Anle138b möglicherweise auch das fatale Verklumpen anderer Proteine wie des mit Alzheimer assoziierten Tau-Proteins stoppen könnte.

Weitere Versuche sollen dies testen. Anle138b ist deshalb für die medizinische Forschung ein wichtiges Werkzeug. Es erlaubt den Wissenschaftlern, direkt im Reagenzglas zu untersuchen, wie der Wirkstoff die Oligomere verändert und was ihr Zusammenlagern hemmt. Sie hoffen, damit wichtige Einblicke in die Mechanismen zu erhalten, wie neurodegenerative Krankheiten entstehen. Dabei handele es sich noch um Ergebnisse aus Studien mit Nagern, die nicht unmittelbar auf den Menschen übertragbar seien, warnt Griesinger.

Im nächsten Schritt soll Anle138b auf Toxizität an Nichtnagern getestet werden. Verlaufen diese Versuche positiv, rücken klinische Studien am Menschen in greifbare Nähe. Es sei aber immer ein langer Weg, bis eine neue Substanz beim Menschen in der Therapie erfolgreich eingesetzt werden könne, betont Mediziner Giese.

jes/cro

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