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TV-Serien helfen in komplexer Welt weiter

Identitätsgefühl TV-Serien helfen in komplexer Welt weiter

Drei Stunden und 44 Minuten sind es im Durchschnitt. So lange schaut der Bundesbürger ab drei Jahren durchschnittlich fern.

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Szene aus Tatort „Mord in der Ersten Liga“: Darstellung im Film prägt Vorstellung der Menschen.

Quelle: NDR

Ein nicht zu unterschätzender Teil dieser Zeit geht auf das Konto von populären Fernsehserien wie Tatort oder Daily-Soaps wie Gute Zeiten, schlechte Zeiten, Verbotene Liebe und Sturm der Liebe. Letztere gewann 2010 den Publikumspreis beim Deutschen Fernsehpreis, ein Zeichen für die Beliebtheit dieses Genres.

Mit der Bedeutung der Fernsehserie für die nationale Identität beschäftigte sich der Medienwissenschaftler Knut Hicke-thier von der Universität Hamburg bei der Eröffnungskonferenz der DFG-Forschergruppe „Ästhetik und Praxis populärer Serialität“ in der Paulinerkirche in Göttingen.

Die Forschergruppe sei sehr weit, äußert sich Hickethier positiv über die vorangegangen Beiträge der Konferenz. In seinem Vortrag „Populäre Fernsehserien zwischen nationaler und globaler Identitätsstiftung“ machte Hickethier zunächst deutlich, inwiefern die audiovisuellen Medien maßgeblich Anteil am Identitätsgefühl der Deutschen seit dem Zweiten Weltkrieg haben. Themen wie die NS-Zeit und der Holocaust seien von Film und Fernsehen immer wieder aufgegriffen worden und hätten zu einer bestimmten deutschen Identitätsstiftung beigetragen: „Unsere Vorstellungen von der Bundesrepublik sind durch die Bilder von dieser Zeit geprägt.“
Durch die wachsende Verbreitung des Fernsehens habe es immer mehr an Macht gewonnen. „Spätestens seit den 1960er Jahren ist das Fernsehen das Leitmedium“, so der Hamburger und das sei bis heute der Fall. Er widerspricht damit der landläufigen Meinung, dass das Internet dem Fernsehen längst den Rang abgelaufen habe.

Hickethier stellt sich ebenfalls in Opposition zu der allgemeinen aber eindimensionalen Annahme, dass Fernsehen und insbesondere das vielzitierte „Unterschichtenfernsehen“ nur schlecht sei und belegt dies anhand der Fernsehserie. Diese habe seit der Nachkriegszeit eine hohe integrative Funktion in der Gesellschaft gehabt, zum Beispiel für Flüchtlinge. Aufgrund ihrer einfachen Dramaturgie und guten Verständlichkeit für jedermann sei die Serie gesellschaftsstabilisierend und gebe Orientierung, indem sie die Komplexität der modernen Welt auf ein überschaubares Maß reduziere. Gleichzeitig biete sie ein „kognitives Training“ für das reale Verhalten. Das Grundmuster – ungeachtet des Niveaus – sei letztendlich noch immer der Appell an die soziale Norm.

Kontrovers mutet Hickthiers Kommentar zu einer – seiner Meinung nach – Hauptleistung des Fernsehens an: „Fernsehen schafft überflüssige Zeit ab.“ Gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit mildere das Fernsehen das Unruhepotential ab, indem es Zuschauer an Zuhause binden würde.

Von Marie Varela

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