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Trittin: „Zu viel Verschulung macht dumm“

Immatrikulationsfeier der Göttinger Universität Trittin: „Zu viel Verschulung macht dumm“

"Das schaffe ich schon. Trotz allem“, so hat der Vorsitzenden der Grünen-Bundestagsfraktion Jürgen Trittin die Stimmung bei den Studenten zusammengefasst und beruft sich dabei auf eine Studie. „Wie schön“, fügt er kommentierend an. Trittin ist der diesjährige Alumnus bei der Immatrikulationsfeier am Montag im Zentralen Hörsaalgebäude der Göttinger Universität.

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Vollbesetzter Hörsaal im größten Hörsaal: Der Präsident der Georg-August-Universität, von Figura, begrüßt die Erstsemester.

Quelle: Heller

Und Jennifer Traum gehört zu den Erstsemester. Philosophie und Geschichte will die Bad Gandersheimerin in Göttingen studieren. Mit ihrer Kommilitonin Franziska Schneider (Geschlechterforschung und Archäologie) hat sie eines gemeinsam: „Ich weiß noch nicht, was ich später damit machen werde“. Universitätspräsident Kurt von Figura sagt dazu, dass auch Umwege zum Ziel führen. „Wir können uns nicht vorstellen, wie der Arbeitsmarkt der Zukunft beschaffen ist“. Die Universität müsse ein „Freiraum für neues Denken“ sein.

4600 Studierende haben sich dieses Jahr neu eingeschrieben sagt er, „ein Anstieg von sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahr“. Die Anzahl an Neuimmatrikulierten, die erstmals ein Studium im ersten Hochschulsemester beginnen, sei über 10 Prozent höher als noch vor einem Jahr. Er sagt, dass viele Anregungen zur Verbesserung des Studiums nur realisierbar seien durch die „Drittmittel“, die die Studierenden in Form der Studiengebühren leisten würden.

Trittin dazu: „Wäre es nicht klüger, dass der Staat seinen Verpflichtungen nachkommt?“ Langer Applaus. „Ein Studium muss dazu befähigen, Strukturen zu durchdringen.“
Trittin hatte in Göttingen Sozialwissenschaften studiert. „So etwas wie zugeknallte Stundenpläne gab es damals nicht.“ Aber: „Systematisches Denken in Zusammenhängen kann man nicht auswendig lernen.“ Oder zugespitzter formuliert: „Zu viel Verschulung macht dumm“. Er spricht damit die Bologna-Reform an, die „darauf wartet reformiert zu werden“. Die Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses der Universität, Susanne Peter, rief in ihrer Rede auf, sich dennoch hochschulpolitisch zu engagieren, „auch wenn es nicht in den Stundenplan passt“ und man eventuell länger studieren müsste.

Für Deutschlands Zukunft sieht Trittin schwarz, wenn das Land „kluge Köpfe“ nicht unterstützen werde. Schon heute seien Akademiker und Fachkräfte Mangelware. Und man dürfe Erfindungen nicht wie in der Vergangenheit verschenken. „Das MP3-Format wurde von einem Wissenschaftler aus Thüringen erfunden und die OLED-Displays kommen aus Deutschland.“ Der Gewinn fließe aber zu amerikanischen Konzernen.

In einer Wissensgesellschaft, und so sieht Trittin Deutschland, benötige man allerdings nicht nur gute Ingenieure. „Es bedarf auch der Akzeptanz der Bevölkerung“, die beispielsweise durch „Ökonomen, Psychologen und Sozialwissenschaftler“ vermittelt werden müsse.

Von Florian Heinz

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