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Uni Göttingen überprüft Sammlung: NS-Raubgut und Kulturerbe

Ethnologische Sammlung in Göttingen untersucht die Herkunft ihrer Bestände Uni Göttingen überprüft Sammlung: NS-Raubgut und Kulturerbe

Die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen gehört zu den weltweit ältesten und bedeutendsten Sammlungen ihrer Art. Sie beherbergt rund 18 000 Kulturgegenstände aus Ozeanien, Asien, Afrika und Amerika, darunter das berühmte Federbildnis eines hawaiianischen Kriegsgottes, das James Cook vor mehr als 200 Jahren von seinen Weltumseglungen aus der Südsee mitbrachte.

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Als NS-Raubkunst identifiziert: Federschmuck aus Peru in der Ethnologischen Sammlung in Göttingen.

Quelle: Hasse

Göttingen. Bei Cooks Mitbringseln war stets klar, wo sie herkommen und wie sie erworben wurden, bei anderen Objekten dagegen nicht. Jetzt haben Mitarbeiter des Instituts für Ethnologie die Herkunft weiterer Bestände untersucht – und sind dabei auf einige „Problemfälle“ gestoßen. Die Universität will nun prüfen, ob sie sich möglicherweise von einigen Objekten trennen wird.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin Beate Herrmann konnte bei ihrer Provenienzforschung etwa 300 Gegenstände in der Sammlung als NS-Raubkunst identifizieren. Hierbei handelt es sich um Federschmuck und andere Gegenstände von Indianern aus Peru sowie um Holzmasken und Holzfiguren der Dan aus Liberia, die aus dem Archäologischen und Ethnographischen Museum im polnischen Lodz stammen.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht im September 1939 hatte der deutsche Reichsstatthalter die dortigen Bestände beschlagnahmen und nach Deutschland bringen lassen. Anschließend wurden diese auf Museen und Sammlungen in Leipzig, Hamburg, Köln und Göttingen verteilt.

Die Göttinger Forscher haben die Objekte inzwischen in der Internet-Datenbank „Lost Art“ dokumentiert. Dort werden Kulturgüter erfasst, die infolge der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verschleppt, geraubt oder durch Enteignung ihren – zumeist jüdischen – Besitzern entzogen wurden. „Wir werden jetzt Ansprechpartner in Polen suchen, um über eine mögliche Rückgabe dieser Gegenstände zu verhandeln“, sagt der Kustos der Sammlung, Gundolf Krüger.

Eine ganz andere Problematik stellt sich dagegen bei zwei Objekten aus Neuseeland, die das englische Königshaus 1834 der Universität Göttingen zukommen ließ. Hierbei handelt es sich um so genannte „mokomokai“, dies sind mumifizierte und mit Tätowierungen versehene Köpfe von neuseeländischen Ureinwohnern. Mit der aufwändigen Konservierung würdigten die Maori einst verstorbene und besonders angesehene Verwandte. Auch die Köpfe getöteter Feinde wurden so präpariert, um auf diese Weise den Gegner zu verhöhnen.

Hier stellt sich vor allem die Frage, ob die Ethnologische Sammlung in Göttingen der angemessene Aufbewahrungsort ist. Für die heute lebenden Maori sind die mumifizierten Überreste ihrer Vorfahren ein zentraler Bestandteil ihres kulturellen Erbes. „Derartige Objekte sind für die Konstruktion ethnischer Zugehörigkeit und kultureller Identität von großer Bedeutung“, sagt Krüger.

Die besondere Bedeutung solcher so genannten „Humain Remains“ wurde inzwischen auch in mehreren internationalen Abkommen anerkannt, unter anderem in der UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker aus dem Jahr 2007. Nach diesen Abkommen sind derartige Objekte als „vorrangig restitutionswürdig“ einzustufen – was bedeutet, dass sie möglichst an ihren Herkunftsort zurückzuführen sind. 

Ob es dazu kommt, ist derzeit unklar. Die Universität Göttingen hat zunächst die beiden Objekte offiziell beim neuseeländischen Nationalmuseum in Wellington registrieren lassen. Man gehe in Göttingen sehr respektvoll mit den „mokomokai“ um, sagt Krüger: „Wir haben die Köpfe seit mehr als 20 Jahren nicht mehr ausgestellt.“ Jetzt sei zu überlegen, wo und wie die mumifizierten Überreste künftig aufbewahrt werden sollen.

Beim kostbarsten Stück der Göttinger Sammlung, dem Federbildnis des haiwaiianischen Kriegsgotts Kuka`ilimoku (derzeit in einer Sonderausstellung im Landesmuseum Hannover zu sehen), sind die Verhältnisse dagegen klar: Cook hatte alle seine Mitbringsel aus der Südsee nachweislich durch Tausch oder Kauf erworben. Teile davon erwarb die Universität Göttingen für ihr damaliges Academisches Museum. Bereits vor einigen Jahren hatten die USA garantiert, keine Rückgabeansprüche geltend machen zu wollen.

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