Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Universitätsmedizin Göttingen beginnt Studie zur Blasenentzündung

Immer nur Antibiotika? Universitätsmedizin Göttingen beginnt Studie zur Blasenentzündung

Bei der Diagnose „Blasenentzündung“ verordnen viele Ärzte sofort ein Antibiotikum. Sie folgen damit den aktuellen Leitlinien zur Behandlung. Doch: Müssen akute, unkomplizierte Harnwegsinfekte bei Frauen mit Antibiotika behandelt werden? Diese Frage untersucht eine klinische Studie unter der Leitung der Abteilung Allgemeinmedizin der Universitätsmedizin Göttingen.

Voriger Artikel
Psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks erweitert Angebot
Nächster Artikel
Göttinger MPI-Forscher: Neue Theorie über Flüssigkeitsschichten

Ildikó Gágyor und Eva Hummers-Pradier

Quelle: UMG

Göttingen. An der Studie beteiligt ist das Institut für Allgemeinmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

„Mit dieser Studie wollen wir prüfen, wo wir in der Behandlung mit gutem Gewissen auf Antibiotika verzichten können“, sagt Dr. Ildikó Gágyor, Projektleiterin in Göttingen. ohne dass dadurch die Heilung eingeschränkt sei. In einer Pilotstudie erwies sich die symptomatische Therapie allein mit Schmerzmitteln als aussichtsreich. Die Frage nach der Wirksamkeit einer solchen  Therapie wurde bislang noch in keiner großen Studie untersucht. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördern das Projekt über vier Jahre mit rund 1,2 Millionen Euro. Das Institut für anwendungsorientierte Forschung und klinische Studien GmbH (IFS) Göttingen unterstützt die Abteilung Allgemeinmedizin bei der Durchführung und Auswertung der Studie.

Krankheitserreger „gewöhnen“ sich an Antibiotika , wenn sie häufig verschrieben werden. Die Folge: Irgendwann können auch bislang hilfreiche Antibiotika nichts mehr gegen Erreger von Krankheiten ausrichten. Ihre Wirksamkeit geht verloren. „Um dieser „Resistenzentwicklung“ entgegenzuwirken, sollten Antibiotika nur dann verschrieben werden, wenn sie wirklich nötig sind“, sagt Prof.  Eva Hummers-Pradier, Direktorin der Abteilung Allgemeinmedizin der UMG und Leiterin der klinischen Prüfung (LKP).

Die Studie der Allgemeinmedizin richtet sich an sonst gesunde Frauen, die mit typischen Anzeichen eines Harnwegsinfektes wie Brennen beim Wasserlassen und/oder häufigem Wasserlassen ihren Hausarzt aufsuchen. Insgesamt nehmen 40 hausärztliche Praxen in Niedersachsen und Bremen an der Studie teil. Daten von etwa 500 Frauen sollen ausgewertet werden.

Die Patientinnen werden per Zufall einer von zwei Behandlungsgruppen zugeteilt . Sie erhalten entweder sofort ein Antibiotikum oder ein Medikament, das Schmerzen lindert und die Entzündung hemmt. „Alle Frauen bekommen ein Medikament, das wirkt. Durch die Teilnahme an der Studie besteht kein Risiko für die Patientinnen“, sagt Projektleite-rin Gágyor. „Sollte das Schmerzmittel nicht wirken, erhält die Patientin ein Antibiotikum.“

Wenn die Studie bestätigt , dass ein großer Anteil der unkomplizierten Harnweginfekte auch ohne Antibiotika ausheilt, „könnten die Leitlinien geändert werden, so dass zukünftig ein abgestuftes Verfahren gilt. Dann muss der Hausarzt auch nicht den Vorwurf fürchten, Patientinnen mit Harnwegsinfekt eine Behandlung vorzuenthalten, wenn er zunächst ‚nur‘ ein einfaches Schmerzmittel statt eines Antibiotikums verordnet“, so Dr. Jutta Bleidorn, Institut für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover und Koordinatorin der Studie in Hannover.

„Wir möchten auch das B ewusstsein für die Verwendung von Antibiotika bei Hausärzten und ihren Patienten verändern. Weniger ist hier oft mehr“, so Gágyor. „Auch andere unkomplizierte bakterielle Erkrankungen aus dem Praxisalltag eines Allgemeinmediziners können darauf überprüft werden, ob ein abgestuftes Behandlungsverfahren möglich ist. Insgesamt trägt dieses Vorgehen dazu bei, dass Antibiotika ihre Wirkung behalten.“

chb/umg

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Spannende Ausbildungsplätze in Deiner Region warten auf Dich. Starte jetzt durch mit azubify ! mehr

Amnesty-Protest auf dem Campus