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Vorboten eines Schlaganfalls: Vorhofflimmern

Studie an der Göttinger Universitätsmedizin Vorboten eines Schlaganfalls: Vorhofflimmern

Wenn das Herz aus dem Rhythmus ist, wird es oft auch für das Gehirn ge-fährlich. Die Herzrhythmusstörung „Vorhofflimmern“ gilt als der mit Abstand größte Risikofaktor für einen Schlaganfall. Deshalb möchten Mediziner diesen gefährlichen „Vorboten“ gerne so früh wie möglich und verlässlich entdecken.

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Elektrokardiogramm: Herzrhythmusstörungen lassen sich mit Langzeit-Untersuchungen besser feststellen.

Quelle: dpa

Eine Langzeit-Überwachung mit EKG (Elektro-Kardiogramm) über eine ganze Wo-che lang ist dazu offensichtlich wesentlich besser geeignet als das bisher übliche 24-Stunden-EKG. Dies zeigen jetzt die Untersuchungsergebnisse einer interdisziplinären Forschergruppe aus Neurologen und Kardiologen an der Universitätsmedizin Göttingen.

Für die Studie „FIND-AF“ („find – auricular fibrillation“, zu deutsch: „Vorhofflimmern finden“) haben sie den Herzrhythmus von Patienten mit einem frischen Schlaganfall genauer untersucht. Die Studie steht unter Leitung von Dr. Rolf Wachter aus der Abteilung Kardiologie und Pneumologie und wird in Kooperation mit Dr. Klaus Gröschel aus der Abteilung Neurologie durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Studie werden in der Dezember-Ausgabe der Fachzeitschrift „Stroke“ veröffentlicht.

Ein Jahr lang haben die Ärzte jeden Patienten der Schlaganfallstation („stroke unit“) an der Universitätsmedizin Göttingen eingeladen, seinen Herzrhythmus für eine Woche mit einem Langzeit-EKG überwachen zu lassen. 281 Patienten nahmen daran teil.

Bei 44 Patienten konnte bereits mit dem Aufnahme-EKG ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Die übrigen 237 Patienten wurden mit einem Sieben-Tage-LZ-EKG untersucht. Nach Auswertung der ersten Ergebnisse zeigte sich: Bei jedem achten dieser Patienten (12,5 Prozent) konnte ein Vorhofflimmern festgestellt werden. Mit der bisher üblichen Diagnostik per Langzeit-EKG über nur einen Tag wird dagegen nur bei etwa jedem 25. Patienten (das entspricht vier Prozent) ein Vorhofflimmern aufgespürt.

Das Vorhofflimmern ist häufig nicht einfach zu erkennen. Es tritt oft nur für wenige Minuten auf, um gleich danach wieder zu verschwinden. Nur jeder zweite Patient bemerkt diese kurzen Episoden. Sie machen sich, zum Beispiel in Form von Herzrasen bemerkbar. Aber schon diese kurzen Auftritte des Vorhofflimmerns können ausreichen, um Schlaganfälle zu verursachen. Bisher war nicht bekannt, ob es sinnvoll sein könnte, bei Schlaganfallpatienten über einen längeren Zeitraum bis zu einer Woche nach einem solchen Vorhofflimmern im EKG zu suchen.

„Die gewonnenen Daten der Studie sind wichtig, um ganz gezielt Patienten auszuwählen, bei denen ein längeres Langzeit-EKG als derzeit üblich sinnvoll ist“, erläutert der Koordinator der Studie, Dr. Raoul Stahrenberg aus der Abteilung Kardiologie und Pneumologie des Universitätsklinikums. Dies sei nicht zuletzt deshalb von Bedeutung, weil es für die Behandlung von Vorhofflimmern nach einem Schlaganfall bereits wirksame Mittel gibt. „Mit einer medikamentösen Behandlung lässt sich ein erneutes Wiederauftreten von Schlaganfällen deutlich senken“, ergänzt der Schlaganfallforscher Gröschel.

chb/umg

  Schlaganfall
  Der Schlaganfall ist eine häufige Erkrankung. Alle drei Minuten erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall. Vielfach tragen die Betroffenen Behinderungen wie Lähmungen oder Sprachverluste davon. Für über 60 000 Menschen jährlich endet der Schlaganfall tödlich und ist damit nach Herzerkrankungen und Lungenkrebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Von den behandelbaren Ursachen hat eine Herzrhythmusstörung, das so genannte Vorhofflimmern, das mit Abstand höchste Risiko, dass sich ein Schlaganfall entwickeln kann. Bei einem Vorhofflimmern können kleine Blutgerinnsel im Herzen entstehen, die von dort in andere Organe, auch in das Gehirn, abgeschwemmt werden und dort einen Schlaganfall auslösen.
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