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Vortrag am Uniklinikum Göttingen

Krebsforschung Vortrag am Uniklinikum Göttingen

Wie sieht es mit der Krebsforschung in Deutschland aus? Was läuft gut? Was lässt sich verbessern? Mit solchen Fragen hat sich Prof. Michael Baumann, Wissenschaftlicher Vorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, in einem Vortrag im Uniklinikum auseinandergesetzt.

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Quelle: dpa

Göttingen. Unter dem für Nicht-Mediziner etwas kryptischen Titel „Translationale Onkologie in Deutschland: Strukturen und Perspektiven“ referierte er über den Stand und die Herausforderungen der interdisziplinären Krebsforschung (translationalen Onkologie) mit Schwerpunkt auf der effizienten Umsetzung der präklinischen Forschung in die klinische Entwicklung.

Viele Ärzte im Hörsaal

Dabei ging der Wissenschaftler aus Heidelberg im gut besetzten Hörsaal – mit vielen Ärzten im Zuschauerraum – zuerst auf die Herausforderungen für die heutige Krebsforschung ein. „Die epidemiologische Basis wurde in Deutschland ein bisschen vernachlässigt, da müssen wir was tun“, sagte er über die Basis, die sich mit der Verbreitung sowie den Ursachen und Folgen von Krebserkrankungen auseinandersetzt.

Prof Michael Baumann

Prof. Michael Baumann.

Quelle: r

Eine weitere Herausforderung in der Krebsforschung sei die große Heterogenität von Krebserkrankungen. „Früher wurden circa 50 Tumorgruppen unterschieden“, sagte Baumann, „heute weiß man, dass jeder Tumor genetisch und in vielen anderen Parametern unterschiedlich ist.“ Das stelle die Aufgabe, zu verstehen, warum bestehende Ansätze in manchen Fällen nicht wirkten. Das sei aber auch eine Chance.

Moderne Translationsforschung nicht linear

Der Aufbau der modernen Translationsforschung sei nicht mehr linear, erklärte Baumann weiter. Es würden nicht nur Forschungsansätze vom Labor in die Klinik gebracht, sondern auch andersherum. „Wenn Phänomene in der Klinik nicht zum Lehrbuchwissen passen, gehen auch Ideen von der Klinik zurück ins Labor“, sagte der Wissenschaftler.

Als einen Punkt, der immer weiter verbessert werden müsste, nannte Baumann die Klassifikation von Tumoren. „Früher wurden Hirntumore oft falsch klassifiziert“, führte er ein Beispiel für die Grundlage falscher Behandlungen an. Ein Problem in der Translationsforschung sehe er darin, dass diese viel mit Strukturen zu tun habe. „Viele Ideen bleiben einfach liegen und schaffen es nicht in die Klinik, oder sie tragen dann in der Klinik nicht“, erläuterte der Heidelberger Wissenschaftler und sprach von „langsamen Prozessen“ und „Valleys of Death“ (deutsch: „Todestälern“). Gemeint ist, dass die Ideen aus unterschiedlichen strukturellen Gründen „sterben“. Dabei gebe es vor allem Lücken zwischen der präklinischen und der klinischen Forschung sowie zwischen der klinischen Forschung und der wirklichen Umsetzung im Gesundheitswesen. Das gelte es zu verbessern.

Baumann ging aber auch darauf ein, wie diese Defizite bereits heute verbessert würden – unter anderem durch das Netzwerk onkologischer Spitzenzentren der Deutschen Krebshilfe. Diese Spitzenzentren würden als Grundlage für Forschung genutzt. Auch im Vergleich mit der internationalen Konkurrenz, bei der Baumann vor allem Nordamerika als Konkurrenz nannte und unter anderem sehr positiv das MD Anderson Cancer Center in Texas hervorhob, sei eines eine zentrale Aufgabe in Deutschland: „Wir müssen gute translationale Netzwerkstrukturen aufbauen“, so Baumann.

Ebenso wichtig sei die nächste Generation von Krebsärzten und –forschern, befand der Mediziner und sprach von einem „sehr heterogenen, talentierten Nachwuchs“. Aus- und Weiterbildungsprogramme müssten gefördert werden. „Wir müssen uns der Generation anpassen“, sagte der Forscher, der 1988 in Hamburg seinen Doktor der Medizin machte - auch und gerade weil diese andere Vorstellungen vom Arbeiten hätte als seine Generation, könnte man ihnen diese Vorstellungen nicht aufzwingen.

Von Hannah Scheiwe

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