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Vortrag in der Uni Göttingen über Zuordnungsprobleme von koptischer Kunst

Regine Schulz Vortrag in der Uni Göttingen über Zuordnungsprobleme von koptischer Kunst

„Das Tuch ist Ihnen zu teuer? Aber das ist doch kein Problem. Wir schneiden Ihnen gerne ein Stück heraus.“ In Ägypten zerstörten geschäftstüchtige Händler in den 50er- und 60er-Jahren bedenkenlos mehr als 1000 Jahre alte Textilien.

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Koptische Ikonendarstellung aus dem sechsten Jahrhundert: Jesus Christus und der Heilige Menas.

Quelle: EF

Göttingen. „Meine Tante hat das seinerzeit selbst erlebt“, berichtet Prof. Regine Schulz, die Direktorin des Roemer- und Pelizaeus-Museums in Hildesheim ist. „Heute können wir die Fragmente oft kaum einordnen“, sagt Schulz in ihrem Vortrag über koptische Kunst an der Universität Göttingen.

Doch selbst bei vollständig erhaltenen Objekten ist die Datierung schwierig. Viele Objekte, die sich heute in den Museen im Westen befinden, wurden einst von Raubgräbern erbeutet. Sie ließen nichts über den Fundort verlauten. Das wiederum erschwert die Interpretation des Dargestellten.

In der christlichen Kunst Ägyptens, die stark durch Byzanz geprägt ist, fanden nämlich Elemente der eigenen Tradition Eingang. So sind oft Nil-Szenen zu sehen: Männer mit Speeren auf Fischjagd, Krokodile und Papyruspflanzen. Solche Motive erfreuten sich in römischer Zeit auch in anderen Teilen des Reichs großer Beliebtheit.

Zudem griffen koptische Künstler Elemente der altägyptischen Religion auf. So gibt es Totenstelen, auf denen heidnische Götter wie der falkenköpfige Horus oder der schakalköpfige Anubis zu sehen sind. Das Anch, die Henkelkreuz-Hieroglyphe des Lebens, kam zum Einsatz. Schulz kennt Objekte aus dem vierten und fünften Jahrhundert, auf denen ein Kreuz mit Ornament zu sehen ist.

Darüber haben Wissenschaftler viel gerätselt. Schulz sieht darin eine Jugend-Locke, mit der die alten Ägypter ein Leben nach dem Tod andeuteten. Es gibt die Darstellung einer Treppe, die zu einem Kreuz hinaufführt. Schulz interpretiert sie als Himmelsleiter, die in der altägyptischen Religion zur Geburtsstätte der Götter führte. Ein Adler könnte für den altägyptischen Seelenvogel stehen.

Die Beispiele zeigen die Schwierigkeit auf, koptische Kunst im Zweifelsfall von altägyptischen, heidnischen Objekten abzugrenzen. Hinzu kommt, dass die Künstler auch Motive aus der römischen und griechischen Mythologie benutzten.

Eine Herausforderung ganz anderer Art stellen Fälschungen dar. Die große Nachfrage nach ägyptischer Kunst veranlasste bereits im 19. Jahrhundert findige Handwerker vermeintlich antike Stücke zu produzieren. Wie schwer die Identifizierung solcher Fälschungen im Einzelfall ist, erläutert Schulz am Beispiel von Skulpturen eines hockenden Knaben mit einer Traubenrebe und einer Taube in der Hand.

Viele Ägyptologen halten die Objekte allesamt für Fälschungen. Schulz dagegen meint, das einzelne Stücke durchaus echt sein könnten. Das müssten im Einzelfall Materialanalysen zeigen.

Von Michael Caspar

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