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Wanka: Mehr Sensibilität der Wissenschaftler

Ringvorlesung Wanka: Mehr Sensibilität der Wissenschaftler

Ihre Profession ließ Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) mit dem Hinweis auf die riemannsche Geometrie erkennen: Die 1951 geborene Mathematikerin und ehemalige Professorin für „Ingenieurmathematik“ an der Fachhochschule Merseburg erklärte in der Ringvorlesung „Vom Nutzen des Nutzlosen“, dass die sehr theoretische Differentialgeometrie des Göttinger Mathematikers Bernhard Riemann (1826-1866) erst Jahre später von Nutzen war – als „Instrument, was Einstein brauchte, um seine Relativitätstheorie zu beschreiben“.

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Lesestoff für die Ministerin: Johanna Wanka hat die neue Ausgabe „Uni-Inform“, eine Publikation der Universität Göttingen, von Präsidentin Ulrike Beisiegel (rechts) erhalten.

Quelle: Vetter

Wanka, seit April 2010 Ministerin für Kultur und Wissenschaft in Niedersachsen, hielt den letzten Vortrag der Ringvorlesung und sprach über „Wissenschaft als Erwartung des Unerwarteten“. Dieses Thema habe sie überzeugt, den Vortrag zu halten, weil sie selber der Meinung sei, „dass jede echte Erkenntnis einen Gewinn für das Gemeinwesen darstellt“.

Doch für Erkenntnisgewinn müsse eine Wissensgesellschaft auch ausgestattet sein, außer es handele sich um einen Forscher, der nur Stift und Papier benötige. Meist seien aber mehr Ressourcen erforderlich. Und um die zu erhalten, gebe es um die Ausstattung der Hochschulen und Forschung einen harten Wettbewerb.
Wanka zitierte dazu einen Leibniz-Preisträger: „Wenn der Antrag eines erfolgreichen geisteswissenschaftlichen Sonderforschungsbereichs auf eine Verlängerung um vier Jahre nicht weniger umfasst als achthundert eng bedruckte Seiten, also deutlich mehr als den Textumfang von Ilias und Odyssee zusammen – wie viel Denkenergie, wie viel Schreiberfleiß müssen da in den Gruppen- und Plenumssitzungen aufgewendet worden sein, die der eigentlichen wissenschaftlichen Arbeit an den Forschungsaufgaben selbst entzogen werden mussten!“, hatte der Göttinger Germanist Prof. Hermann Detering in seiner Dankesrede 2009 gesagt.

Wer erfolgreich Forschungsförderung beantrage, so Wanka, erhalte aber nach dem Zeitaufwand eine Phase fürs wissenschaftliche Arbeiten. So habe das Land Niedersachsen mit Hochschulpakt, Zukunftsvertrag für Innovationen und Exzellenzinitiative „Entscheidungen getroffen, die richtig viel Geld kosten“: 18 Milliarden Euro wurden dafür bewilligt.

Noch 1994, damals nahm Wanka als Fachhochschul-Rektorin erstmals an einer Sitzung der Hochschulrektorenkonferenz teil, seien hier Klagen über zu wenig Geld und heftige Kritik an der Politik der Grundtenor gewesen. Nach der Verbesserung der Situation in der Zwischenzeit ist für Wanka „jetzt wieder eine Sollbruchstelle“ in Sicht: Wenn im Jahr 2020 die öffentliche Hand keine Schulden mehr aufnehmen könne, wenn jetzt schon das Bundesland Bayern oder das Land Großbritannien die Forschungsetats kürzten, dann seien das Zeichen für einen bevorstehenden Verteilungskampf auch in der Wissenschaft.

Die Wissenschaftlerin, die im Jahr 2000 in Brandenburg als Ministerin in die Politik kam, erklärte, es sei „zwingend notwendig, dass die Wissenschaftler eine Sensibilität haben fürs Gemeinwesen“ ebenso wie sie deutlich machen sollten, dass ihre Arbeit langfristig sinnvoll ist, um im Verteilungskampf zu bestehen. Ihr Tun und ihre Ziele nicht nach außen zu tragen, sei ein Defizit der Wissenschaft, kritisierte Wanka. Die Gesellschaft müsse erfahren, dass Erkenntnis ein Gewinn fürs Gemeinwesen sei.
Um die Qualität des Wissenschaftssystems zu erhalten, sei aber mehr erforderlich. Die Bereitschaft neue Wege zu gehen und Einrichtungen wie in Göttingen das Lichtenberg-Kolleg oder beim Land Niedersachsen die Förderung der „Professur 65 plus“ zu fördern. Weil die Budgets der Geldgeber knapp seien, werde „kluge Forschungsförderung“ benötigt, um Impulse zu geben und „Wissenschaft als Erwartung des Unerwarteten“ weiterhin zu ermöglichen. Dafür, gab Wanka zu bedenken, sei auch eine zeitintensive Antragstellung angemessen, die bei Erfolg „märchenhafte Freiheit“ für wissenschaftliches Arbeiten bedeute.

  Chemie in der nächsten Ringvorlesung
 

Die nächste zentrale Ringvorlesung der Universität Göttingen beschäftigt sich mit der Chemie und ihren vielfältigen Beiträgen zu einem lebenswerten Alltag und einer umweltfreundlicheren Zukunft. Die Vortragsreihe „Chemie – unser Leben, unsere Zukunft“ beginnt am Dienstag, 12. April, und ist Teil des Programms zum „Jahr der Chemie 2011“ der Fakultät für Chemie.

Den ersten von zwölf Vorträgen der Ringvorlesung hält der Göttinger Chemiker Prof. Lutz F. Tietze über „Chemie im Alltag – Kaffee, Tee, Wein und vieles mehr“ am 12. April. „Fliegenpilze, Satanspilz und Hexenröhrling – die magische Welt der Pilze“ sind am 19. April Thema von Prof. Hartmut Laatsch von der Universität Göttingen. Alle Vorträge beginnen dienstags um 18.15 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.

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