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„Wunderbares Projekt in die Wirklichkeit geholt“

Lichtenberg-Kolleg „Wunderbares Projekt in die Wirklichkeit geholt“

Nach dem Göttinger Professor Georg Christoph Lichtenberg, von 1742 bis 1799 lebender Physiker, Philosoph und Schriftsteller, ist das neue Kolleg der Universität Göttingen benannt. Bei der feierlichen Eröffnung am Sonnabend in der Aula der Universität waren denn auch in den Reden Zitate des Namensgebers zahlreich. Lichtenbergs Sprachgebrauch und seine Begeisterung für England stellte Prof. Hans Joachim Meyer in den Mittelpunkt seiner Festrede, die Denkanstöße für den heutigen Umgang mit der deutschen Sprache gab.

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Ortswechsel: Nach dem Festakt in der Aula folgt der Empfang in der historischen Sterwarte, hier einer der beiden ehemaligen Meridiansäle, die heute als Seminarräume genutzt werden.

Quelle: Mischke

Ein weiteres Mal lobte Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) das Zukunftskonzept der Universität als echten Gewinn. „Das Lichtenberg-Kolleg ist für die Universität Göttingen mehr als nur ein Teil der Exzellenziniative. Es ist ein selbstbewusstes Zeichen, dass die Universität bereit ist, als Ganzes neue Wege zu gehen“, betonte Stratmann. Und so wie Kolleg-Direktorin Prof. Dagmar Coester-Waltjen für Konzept und Durchsetzung des Lichtenberg-Kollegs dem Präsidenten der Universität, Prof. Kurt von Figura, gedankt hatte, sparte auch Stratmann vor nahezu 400 Gästen nicht mit Anerkennung: Die Leistung der Göttinger Universität in den vergangenen Jahren hob er hervor und zollte Lob dafür, dass „aus den Konzepten konkrete Bauten und Einrichtungen geworden sind“, wie die Courant-Forschungszentren, die internationalen Kooperationen oder das Zentrum für Ostasien-Studien. Der Einsatz, der auch in den einzelnen Fächern viel bewegt habe, werde in Niedersachsen und bundesweit deutlich wahrgenommen.

Göttinger Besonderheiten

Herausragende Vertreter ihres Faches sollen in dem in der historischen Sternwarte an der Geismar Landstraße untergebrachten Kolleg Freiraum für konzentrierte Forschung, intensive Diskussionen und interdisziplinären Austausch mit Göttinger Kollegen erhalten. Damit folgt das Lichtenberg-Kolleg dem Grundprinzip dieser Einrichtungen.
Die Besonderheiten des Göttinger Kollegs stellte Universitätspräsident Figura dar. Dazu gehört, anders als überwiegend bei Kollegs üblich, dass es eine Einrichtung der Universität ist und die Gastwissenschaftler eng mit den Göttinger Wissenschaftlern von Universität und Forschungsinstituten kooperieren. Zudem ist es auf die Geistes- und Gesellschaftswissenschaften ausgerichtet, die es nachhaltig stärken soll, so Figura. Mit Blick auf die finanzielle Förderung aus der Exzellenzinitiative erklärte der Präsident, „wir sind sehr froh, dass wir als Universität die Möglichkeit erhalten haben, dieses wunderbare Projekt in die Wirklichkeit zu holen.“

Einrichtungen wie das Lichtenberg-Kolleg erhielten für die Wissenschaft stärkere Bedeutung, so der Vorsitzende des Stiftungsrates der Universität, Dr. Wilhelm Krull. Die Wissenschaftsförderer sollten den Wunsch aller Forscher nach Freiheit zum Denken und Forschen aufgreifen. Krull wünschte dem Kolleg, „dass es gut gelingen wird. Ich erwarte aber auch die Bereitschaft, immer zu überprüfen, ob es die Erwartungen erfüllt.“

Kompositionen von Forkel, Abel und Mozart umrahmten den Festakt. Ihre Musikstücke seien der „Blumenstrauß, den die Göttinger Medizin dem Lichtenberg-Kolleg bringt“, so Dr. Nicolas Feltgen (Violine), Prof. Cornelius Frömmel (Klavier) und Christoph Wiedmann (Cello). Und die Musik stimmte ein auf die Festrede, die als ein Nachdenken mit Georg Christoph Lichtenberg über den Wert des Fremden angekündigt war.

Bereicherung oder Absage?

Der Anglist und ehemalige Staatsminister für Wissenschaft und Kunst in Sachsen nahm sich Lichtenbergs Begeisterung für England vor, um daraus Fragen an den heutigen Umgang mit der deutschen Sprache zu entwickeln. Als Mahnung nimmt Meyer Lichtenbergs Satz „Ich bin eigentlich nach England gegangen, um deutsch schreiben zu lernen“. Damit habe er das Fremde als Grund zum Lernen, um am Eigenen zu arbeiten gesehen, stellte Meyer fest.
Heute stelle sich die Frage, ob „für uns die Fremdsprache Bereicherung des Eigenen oder Absage an das Eigene“ sei, so Meyer, der derzeit Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist. In der Debatte um europäische Vielsprachigkeit und internationale Kommunikationsfähigkeit der Wissenschaft sei jene zu erhalten und diese mit einer Lingua franca, einer Verkehrssprache wie es Englisch in den Wissenschaften schon sei, zu erreichen. Aber auch daraus ergab sich für Meyer wieder eine zu hinterfragende Erkenntnis: „Wenn aber die Wissenschaft eines Landes von der Größe und Bedeutung Deutschlands in einer anderen Sprache denkt und eine andere Sprache spricht als seine Bürgerschaft, so hat das gravierende Konsequenzen für die kulturelle Vitalität der Gesellschaft dieses Landes und nicht minder für die intellekturelle Qualität seines poilitischen Diskurses.“

Von Angela Brünjes

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